Fluten erzwingen Baustopp

Mindestens zwei Wochen Pause am Wasserkraftwerk in Bad Sooden-Allendorf

Still ruht die Baustelle: Wegen Überflutung sind laut Heinrich Gebauer die Bauarbeiten am Wasserkraftwerk für „mindestens zwei Wochen“ gestoppt.
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Still ruht die Baustelle: Wegen Überflutung sind laut Heinrich Gebauer die Bauarbeiten am Wasserkraftwerk für „mindestens zwei Wochen“ gestoppt.

Schneeschmelze und anhaltende Regenfälle haben erstmals zu einem Baustopp am Wasserkraftwerk in Bad Sooden-Allendorf geführt, das seit dem Sommer vergangenen Jahres auf einer Werra-Insel in Sichtweite zum Fischerstad im Herzen der Allendorfer Altstadt entsteht.

Bad Sooden-Allendorf – „Im Moment geht gar nichts“, sagte Heinrich Gebauer (Philippsthal) mit Blick auf die meterhoch überflutete Baustelle. Neben seinem Bruder Karl sowie Markus Hilmes (Friedewald-Motzefeld) bildet er eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die als Privatinvestor für das 2,5-Millionen-Projekt auftritt.

Am Dienstag stand das Wasser rund um die Turbinenhülle 2,25 Meter hoch. Drei Tage zuvor war eine Höhe von sogar drei Metern gemessen worden, sodass selbst für schwere Baumaschinen der Behelfsweg über den Werra-Arm zur Baustelle nicht mehr befahrbar war. Für die nächsten Tage sei ein Ansteigen der Fluten auf 3,20 Meter prognostiziert, sodass im günstigsten Fall mit einer Zwangspause für die Bauarbeiten von mindestens zwei Wochen gerechnet werden müsse.

Ob es dann tatsächlich weitergehen könne, hänge aber unter anderem von der Schneeschmelze im Thüringer Wald ab: „Das Frühjahr kann noch für Überraschungen sorgen.“

Auch wenn bis jetzt noch keine nennenswerten Schäden entstanden seien, werde der angepeilte Fertigstellungstermin für das Wasserkraftwerk nicht zu halten sein. Ursprünglich war eine Bauzeit von acht Monaten kalkuliert worden. Jetzt erwartet Gebauer einen Abschluss „im Sommer oder Spätsommer“. Es ist das zweite Wasserkraftwerk, das unmittelbar neben dem im ehemals Schöningh’schen Haus entsteht, das seit vielen Jahren mit zwei Turbinen mehr als 600 der insgesamt gut 4500 Haushalte in der Badestadt mit umweltfreundlicher, weil erneuerbarer, Energie versorgt.

Vorerst nur eine Hülle: Darin wird später die Turbine für das Wasserkraftwerk eingesetzt.

Von dem neuen Kraftwerk mit einer leistungsstärkeren Turbine sollen rund 850 Haushalte den Ökostrom beziehen. Das Wasser zum Antrieb der Turbine – 19 Kubikmeter pro Sekunde – wird vom Hauptarm des Flusses abgeleitet. Dabei beträgt die mittlere Fallhöhe 2,7 Meter.

Schon gute Fortschritte gemacht hat die Errichtung einer Fischtreppe mit Auf- und Abstieg. Während eine der beiden Begrenzungsmauern sowie erst kürzlich die Grundsohle der Treppe fertiggestellt wurden, sind die Betonierungsarbeiten für die etwa 40 Meter lange Außenmauer derzeit nicht möglich. Gebauer hofft, dass die mit einer Plane abgedeckte Böschung unter dem Wasserdruck nicht einbricht, sonst würden erneut Baggerarbeiten erforderlich.

Gegenwärtig beschäftigen sich die Brüder Gebauer mit den vorbereitenden Arbeiten zum Einsatz der Treppenelemente.

Trotz der Salzbelastung der Werra sind in dem früheren Grenzfluss zwischen den beiden deutschen Staaten laut Fischereiaufseher Reinhard Peter 30 Fischarten zu Hause, darunter Aal, Zander, Barsch und Bachforelle.

Mit dem zweiten Wasserkraftwerk, betonen die Investoren, würden jährlich rund 1800 Tonnen Kohlendioxid eingespart, die sonst durch fossile Energieträger ausgestoßen würden. (Chris Cortis)

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