Urteil im Herbst

Gutachter sieht bei Angeklagtem im Mordprozess keine Persönlichkeitsstörung

In diesem Mehrfamilienhaus am nördlichen Stadtrand von Allendorf wurde der 55-Jährige im Juni 2019 getötet. Der Tatort befand sich im 1. Stock. Zum Lüften hatten die Ermittler die Fenster des Wohnzimmers geöffnet (links oben). Archivfoto: Stefan Forbert
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In diesem Mehrfamilienhaus am nördlichen Stadtrand von Allendorf wurde der 55-Jährige im Juni 2019 getötet. Der Tatort befand sich im 1. Stock. Zum Lüften hatten die Ermittler die Fenster des Wohnzimmers geöffnet (links oben). Archivfoto: Stefan Forbert

Am Freitag wurde weiter bezüglich der Bluttat in Bad Sooden-Allendorf verhandelt. Ein Psychiater sagte aus.

Kassel/Bad Sooden-Allendorf – Im Mordprozess vor dem Kasseler Landgericht, in dem ein 28-jähriger Mann aus Kassel wegen der Tötung eines 55-Jährigen in dessen Wohnung in Bad Sooden-Allendorf angeklagt ist, hat gestern der forensische Psychiater Dr. Helge Laubinger sein Gutachten vorgestellt.

Er sieht bei dem Angeklagten trotz langjähriger Abhängigkeit von Alkohol, Cannabis, Amphetaminen und Opiaten keine Persönlichkeitsstörung. Allerdings könne wegen Drogenkonsums unbekannten Ausmaßes vor der Tat im Juni 2019 eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit nicht ausgeschlossen werden.

Dagegen spricht nach Einschätzung des Psychiaters das gezielte Handeln des Angeklagten nach der Tat. Er hatte den 55-Jährigen mit zwei Hammerschlägen bewusstlos geschlagen, dann erwürgt und die Leiche sorgfältig in sieben Teppiche eingepackt. Vermutlich wollte er der Geruchsbildung in dem heißen Sommer begegnen, denn er blieb nach der Tat noch gut zwei Tage in der Wohnung des Opfers.

Allerdings meldete der Psychiater auch Zweifel an der eingeschränkten Steuerungs- und damit auch Schuldfähigkeit des Angeklagten an: „Ganz neben der Spur kann er nicht gewesen sein.“ Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Anlass des tödlichen Streits Handybetrügereien waren, die der Angeklagte zulasten seines Gastgebers verübt hatte. Dagegen gab der 28-Jährige als Grund an, er habe einer der Katzen des 55-Jährigen auf den Schwanz getreten, was den erbost habe.

An die eigentliche Tat will sich der Angeklagte nicht erinnern. Er sei leicht bekleidet auf einer Wiese vor dem Haus aufgewacht und habe Blutgeschmack im Mund gehabt. Mehr wisse er nicht.

Der in Kassel aufgewachsene Mann war 2013 wegen schweren Raubes nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, nachdem er gemeinsam mit Komplizen einen Pizza-Boten überfallen hatte. Die Strafen für mehrere Drogendelikte wurde zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten zusammengezogen.

Bevor er die antreten musste, hatte sich der Kasseler aber nach Laos abgesetzt, wo er Arbeit als pädagogische Fachkraft in einer deutschsprachigen Schule gefunden hatte. Nach seiner Festnahme an der Grenze zu Vietnam und der Auslieferung nach Deutschland hatte er Teile dieser Freiheitsstrafe in der Kasseler JVA verbüßt. Dort ist er auch jetzt. (tom)

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