Mütze des Anstoßes: Wollgeschäfts-Inhaberin muss „Kunstobjekt“ entfernen

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Rosarote Streifen: Diese Strickmütze setzte Maria Gemmeke (links) dem Brunnen an der Weinreihe seit Jahren täglich von 8 bis 18 Uhr auf.

Bad Sooden-Allendorf. Seit über drei Jahren war einer der Brunnen an der Weinreihe im Kurpark von Sooden von einer bunten Strickmütze bekrönt. Vor zwei Wochen hat Maria Gemmeke, die Urheberin, die Bedeckung des steinernen Wasserspenders abgenommen - aber nicht freiwillig.

Gemmeke folgte einer Aufforderung des städtischen Ordnungsamtes, die Strickmütze „schnellstens zu entfernen“, weil sie sich nicht mit der Stadt anlegen wolle, wie sie sagt. Verständnis hat die Inhaberin eines Geschäftes für Wolle und Strickzubehör an der Weinreihe für diese Aufforderung gleichwohl nicht.

Im Januar 2012 habe sie die erste Pudelmütze gehäkelt und dem Brunnen über den Kopf gezogen, im Frühjahr schon folgte - der Jahreszeit gemäß - eine Sommermütze. „Das ist ein Hingucker“, habe sie schon seit langem festgestellt. Viele Passanten schauten nur nach dem Brunnen, weil er mit dem bunten Textil bekrönt ist. Auch hätten Touristen Spaß gemacht, zögen sich die Mütze beispielsweise zu dritt über den Kopf und machten dann ein Foto von sich, berichtet Gemmeke.

Im Rathaus müssen aber anderslautende Hinweise eingegangen sein. Passanten - Einheimische und Gäste - hätten sich daran gestört, sagt Bürgermeister Frank Hix und ergänzt: „Über Geschmack lässt sich streiten.“ Außerdem sei die Mütze ziemlich verwittert und habe nicht ansehnlich ausgeschaut, verteidigt er die Bitte seines Ordnungsamtes.

„Meist fotografiertes Objekt“ 

Mützenlos: So sieht der Brunnen original aus.

Fred Nickstadt, in der Badestadt als Künstler unterwegs und mit einem Geschäft in der Nachbarschaft ansässig, ist wiederum richtig erbost über die Anordnung aus dem Rathaus. „Das meist fotografierte Objekt“ habe entfernt werden müssen, obwohl man doch täglich um Touristen ringe. Seit drei Jahren habe kein Mensch Anstoß an der Wollmütze genommen. Ist sie denn ein Kunstobjekt? „Das ist auch ein Kunstwerk“, sagt der Künstler. Aber auch als Gag und zugleich als Werbung des Wollgeschäftes betrachtet er die Mütze des Anstoßes.

Ist denn der Brunnen, auf dem unter anderem eine Frauenfigur zu sehen ist, nicht auch ein Kunstwerk, das durch das andere - zumindest teilweise - verdeckt wird? „Da ergänzt die eine Kunst die andere“, meint Gemmeke. Ohne Mütze würde der Brunnen gar nicht beachtet. Sie sieht ihr Kunstwerk sogar als positive Werbung für die Stadt, die obendrein kostenlos ist.

Der Stadt ist, kann dem Brief aus dem Ordnungsamt noch entnommen werden, aber auch an der Gleichheit aller Brunnen in der Weinreihe gelegen. Dafür könnte Maria Gemmeke etwas tun, ohne die Mütze zu entfernen: „Ich würde auch die anderen Brunnen bestricken“, bietet sie an.

Bevor dieses Angebot positiv beschieden wird, baut sie eher auf öffentliche Resonanz. Vielleicht werde sogar eine Unterschriftenaktion für ihre Strickmütze gestartet, hofft sie. Oder im Internet gibt es eine Abstimmungs-Aktion, die das Ordnungsamt umstimmt.

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