Auch innere Mauern einreißen

Gottesdienst zur Deutschen Einheit im Grenzmuseum

Landesbischöfin Dr. Hofmann rief bei ihrer Predigt dazu auf, auch innere Mauern einzureißen.
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Landesbischöfin Dr. Hofmann rief bei ihrer Predigt dazu auf, auch innere Mauern einzureißen.

Zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit wurde auch im Grenzmuseum Schifflersgrund ein Ökumenischer Gottesdienst gefeiert.

Sickenberg – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gelte es, nach den äußeren auch die inneren Mauern einzureißen. Dazu rief die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Beate Hofmann, beim Ökumenischen Gottesdienst auf dem Gelände des Grenzmuseums Schifflersgrund auf.

Rund 200 Menschen folgten der Einladung. Sogar ein Ehepaar aus Los Angeles war unter den Gästen, wie Museumschef Wolfgang Ruske hervorhob. Der Altar war vor dem Original-Fluchtfahrzeug von Heinz-Josef Große aufgestellt: Er wurde 1982 bei dem Versuch erschossen, die Grenze nach Hessen zu überwinden.

Es war der 25. Ökumenische Gottesdienst des Museums. Der 3. Oktober sage etwas darüber, wie sich scheinbar ausweglose Situationen überwinden lassen, betonte die Bischöfin: „Ein schwer bewachter Zaun, der Familien, Freunde, Nachbarn trennte, 40 Jahre lang, eine Grenze zwischen zwei Systemen, zwei unterschiedlichen Ideologien und zwischen Menschen, die doch zu einem Volk gehören.“

Den Gottesdienst feiere man mit großer Dankbarkeit: „Auch aussichtslose Situationen können sich verändern, auch scheinbar unüberwindbare Mauern können fallen, und todbringende Waffen können zu Museumsstücken werden.“

Die Landesbischöfin zog eine Parallele zum Erntedank in der Bibel: Nach einer Missernte hungerten die Menschen: Es gab nur sieben Brote für viertausend Menschen. Sie seien Jesus gefolgt, weil sie Hunger nach heilsamen Worten und Berührungen, auf Gemeinschaft und Hoffnung hatten.

Aktuell bedrücke die Situation von Tausenden von Flüchtlingen, die in Lagern sitzen, ohne Hoffnung, umgeben von Zäunen. Deshalb müsse man dankbar sein, dass man heute auf der früheren Grenze Gottesdienst feiern könne. Diese Erfahrung sei ein Hoffnungszeichen.

Pfarrer Dr. Daniel Bormuth (Bad Sooden-Allendorf) und seine Amtskollegin Sabine Münchow (Wahlhausen) würdigten die friedliche Revolution 1989. Sie erinnerten an den Satz von Willy Brandt, dass nun zusammenwachse, was zusammengehört. Die katholische Kirche vertrat Pfarrer Winfried Hesse (Wüstheuterode). Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor aus Allendorf, geleitet von Maximilian Göllner. (Werner Keller)

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