Stadt legt Notruf um auf DRK

Nach massivem Protest: Behinderten-WC in Sooden wird wieder geöffnet

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Demonstrierten für eine barrierefreie Kurstadt: Rollstuhlfahrer auf der Flaniermeile Weinreihe im Soodener Kurpark.

Aufatmen bei allen Menschen mit körperlichen Einschränkungen: Nachdem im Zentrum von Sooden die behindertengerechte Toilette, obwohl funktionsfähig, lange Zeit geschlossen war, soll sie wieder öffnen.

Und zwar in dieser Woche - das kündigte auf HNA-Anfrage Bürgermeister Frank Hix an, nachdem am Wochenende mehr als ein Dutzend Rollstuhlfahrer „wegen fehlender Barrierefreiheit“ in der Stadt gegen die „desaströse Situation“ in der Kurstadt protestiert hatten.

Toilette nur erreichbar, wenn Veranstaltungen stattfinden 

„Schon seit einiger Zeit“ sinne man auf Abhilfe, unterstrich Hix, und Gerrit Großkurth wies für das Stadtmarketing darauf hin, am Montag habe bei einem Vor-Ort-Termin eine „technische Begehung“ mit dem Ergebnis stattgefunden, dass bis Freitag die Angelegenheit aus der Welt geschafft sei.

Rückblende: Das WC, um das es geht, befindet sich im Kultur- und Kongresszentrum (KuK) mit ebenerdigem Zugang von der Rückseite aus. Nachdem das Kurparkhotel jahrelang das KuK betreut hatte, wird die Veranstaltungshalle seit anderthalb Jahren von der Stadt selbst bewirtschaftet. Und nur, wenn dort Veranstaltungen stattfinden, ist die öffentliche Toilette auch erreichbar. Die ist mit einem Notrufknopf ausgestattet, um – falls erforderlich – schnelle Hilfe herbeiholen zu können.

Notruf läuft ab sofort beim Roten Kreuz ein 

Dieser Notruf ist allerdings auf das Hotel geschaltet, das mal geöffnet, mal zu war und inzwischen gänzlich geschlossen ist. Dem Hickhack um Hotel und KuK fiel schlussendlich das behindertengerechte WC zum Opfer. Anders ausgedrückt: Wen die Blase drückte, der stand vor verschlossener Tür und musste ausweichen zur 650 Meter entfernten Werratal-Therme, wo sich in Sooden die zweite öffentliche Behindertentoilette befindet. Die neue Lösung: Künftig läuft der Notruf direkt beim Roten Kreuz auf.

Bürgermeister wies Vorwürfe zurück

Organisiert worden war die Protestaktion am Wochenende von Patienten der Klinik Hoher Meißner, die bis zum Freitag bei Leidensgenossen und in der Bevölkerung für ihr Anliegen exakt 566 Unterschriften gesammelt hatten, die heute im Beisein von Vertretern der VdK-Ortsgruppe an Bürgermeister Hix übergeben werden sollen.

Der Euro-Schlüssel passt, aber die Tür bleibt (noch) zu: Reha-Patient Michael Cuntz vor dem Eingang zur Behinderten-Toilette. Im Hintergrund zeigen als Vertreter des örtlichen VdK Ursula Umbach (links) und Doris Störmer, wie viele Unterschriften die Rollstuhlfahrer schon für ihr Anliegen gesammelt haben. 

Der zeigte für die Sorgen der Rollstuhlfahrer „vollstes Verständnis“, wies den Vorwurf einer „behindertenfeindlichen“ Stadt allerdings entschieden zurück. Im Gegenteil: Für Bürger und Gäste mit Mobilitätseinschränkungen habe die Stadt schon eine Menge gemacht, „und da bleiben wir auch dran“. So wies Hix auf die Bordsteinabsenkungen und insbesondere auf den Stadtplan mit barrierefreien Angeboten hin. In diesem Flyer seien mit freiem Zugang allein 25 Geschäfte, die örtlichen Banken, alle Kliniken und auch diverse Sehenswürdigkeiten, Freizeiteinrichtungen und Wanderwege aufgelistet.

Punktuell, räumte der Bürgermeister ein, könnten Hotellerie und Gastronomie allerdings noch etwas mehr tun für ein barrierefreies Bad Sooden-Allendorf.

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