Vorgaben des Stadtparlaments wurden nicht umgesetzt

Neue Enthüllungen: Klausel zum Erhalt des Kurpark-Hotels nicht im Grundbuch

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Noch hängt das Lindner-Schild am Eingang: Eigentümer Ekkehart Eymer hat nun wieder selbst Regie über das Kurparkhotel in Bad Sooden-Allendorf übernommen und will daraus eine noble Seniorenresidenz machen.

Bad Sooden-Allendorf. Dass das Kurpark-Hotel in Bad Sooden-Allendorf dauerhaft als Hotel erhalten bleibt, sollte 2005 auf Wunsch der Stadtverordneten mit einem Eintrag ins Grundbuch abgesichert werden. Doch wie Recherchen der HNA ergaben, wurde diese Vorgabe des Parlaments dort nie eingetragen.

Das gibt Eigentümer Ekkehart Eymer die Möglichkeit, das Hotel in eine Seniorenresidenz umzuwandeln.

Dabei hatte das Parlament am 11. März 2005 bei nur einer Enthaltung beschlossen: „Der Betrieb des Objektes als Hotelanlage ist mit einer beschränkt persönlichen Dienstbarkeit zugunsten der Stadt grundbuchlich abzusichern. Sollte dem Käufer eine Wiederinbetriebnahme des Hotels nicht gelingen, ist das Objekt zurückzuübertragen.“ In den aktuellen Auszügen aus dem Grundbuch, die der HNA vorliegen, findet sich davon nichts. Auch Eymer bestätigt: „Das wurde nicht im Grundbuch eingetragen.“

Üblicherweise ist es so, dass der Magistrat solche Vorgaben des Parlaments umsetzt – konkreter: Der Bürgermeister und die Verwaltung. Sie müssen beim Verkauf einer Immobilie entsprechende Vermerke beim Grundbuchamt in die Wege leiten. Nach HNA-Informationen stellte sich auch der damalige Magistrat ausdrücklich hinter den Beschluss des Parlaments. Verantwortlich für die Eintragung ins Grundbuch wäre der damalige Bürgermeister Ronald Gundlach (SPD) gewesen. Er habe keine Erklärung für den fehlenden Eintrag, sagt Gundlach auf HNA-Anfrage. Es sei lange her. „Ich bin mir sicher, es war keine Absicht.“

Zu der angeblichen Vereinbarung, die Eymer mit Gundlach über die Option zur Seniorenresidenz getroffen haben will, sagt Gundlach nur, es habe viele Gespräche gegeben. Vertraglich festgehalten worden seien nur der Kauf und der Nutzungsvertrag für das Kultur- und Kongresszentrum.

Hintergrund: Hotel macht seit Jahrzehnten Verluste

Das Kurpark-Hotel in Sooden wurde 1997 gebaut, es fuhr aber hohe Verluste ein. Zwischenzeitlich gab es mehrere, teils unseriöse Bieter für das Hotel, 2005 verkaufte die Stadt es für einen Euro an Ekkehart Eymer. Langes Ringen gab es um die Tiefgarage, in der schließlich 60 Plätze an Eymer gegen eine Kostenbeteiligung abgegeben wurden. Eymer modernisierte das Hotel, das 89 Zimmer und derzeit vier Sterne hat. Ab Januar 2017 wurde das Hotel in Eymers Auftrag von der Lindner-Gruppe geführt, was in der Stadt für viel Wohlwollen gesorgt hatte. Vor Kurzem wurde bekannt, dass Eymer und Lindner zum 30. Juni ihre Zusammenarbeit beendet haben, weil Eymer das Hotel in eine Seniorenresidenz umwandeln will.

Im September 2006 schlossen Stadt und Eymer zusätzlich zum Hotelverkauf nach langen Debatten einen Pachtvertrag über das Alte Kurhaus und das Kultur- und Kongresszentrum (KuK), das von der Stadt gebaut und von Eymer betrieben wurde. Die Stadt zahlte dafür bis Ende 2016 jährlich 100 000 Euro. Nachdem der Pachtvertrag auslief und man sich nicht auf neue Bedingungen einigen konnte, betreibt die Stadt das KuK nun selbst. (fst)

Wie die Stadt das Hotel doch noch retten will und was Eigentümer Ekkehart Eymer zu den Absprachen mit Ex-Bürgermeister Ronald Gundlach sagt, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeine.

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