Christian Stöber aus Hüpstedt

Neuer Pädagogischer Leiter im Grenzmuseum Schifflersgrund ist Historiker

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Neu im Grenzmuseum: Historiker Christian Stöber.

Bad Sooden-Allendorf. Das Grenzmuseum Schilffersgrund oberhalb von Bad Sooden-Allendorf hat einen neuen Pädagogischen Leiter: den Historiker Christian Stöber aus Hüpstedt.

 „Mutti, was ist die Wende? Schreibt man die mit Ä oder E?“ Kindermund im Hause Stöber in Hüpstedt. Der Knirps Christian, Jahrgang 1987, hat vom Umbruch in der DDR nichts mitbekommen. Die ersten West-Reisen seiner Eltern 1989/90 kennt er nur aus Erzählungen.

Der Historiker ist seit 1. Oktober neuer pädagogischer Leiter des Grenzmuseums Schifflersgrund. Sein Vertrag geht bis 2020, finanziert wird die volle Stelle von der Thüringer Staatskanzlei. Stöber zur Seite stehen zwei Lehrkräfte, die von Hessen und Thüringen bezahlt werden. Dies sind halbe Stellen. Die ersten Sporen hat sich der 30-Jährige schon verdient, so führte er mit seinen Kollegen im Dezember 60 Bundeswehrangehörige durch die Einrichtung.

Der Historiker hat sich voll in die Arbeit gestürzt. „Sie ist vielfältig“, sagt der junge Mann nüchtern. Das Museum verfüge über Potenzial, das müsse man nutzbar machen. Beeindruckend findet Stöber die Echtheit des Ortes: Grenzsperranlagen, der Ort, an dem Heinz-Josef Große bei einem Fluchtversuch im Kugelhagel starb.

Zu den ersten Aufgaben gehörte es, ein Konzept für Führungen durch die Räume und das Freigelände zu entwickeln: Wo steht man am besten mit einer Gruppe, was passierte hier und dort? Denn für den Arbeitskreis Grenzinformation als Museumsträger ist ein Pool von ehrenamtlichen Führern im Einsatz.

Derzeit arbeitet Stöber an einem Führer für Kinder: GreMu (für Grenzmuseum) auf seinem Weg zwischen Containern, Beobachtungsturm und Fluggeräten. Auch vom Werra-Meißner-Kreis ist ein Museumsführer in Arbeit, bei dem er mitwirkt. Zur konzeptionellen Arbeit gehört für ihn aber auch, sich Gedanken um die Präsentation zu machen. Die Bestände sollen gelichtet werden, besondere Exponate auch besonders herausgestellt werden. Der Historiker forscht auch: Mithilfe der Stasi-Unterlagen-Behörde will er herausfinden, ob es bis 1989 im Grenzgebiet einen Tunnel für Agenten gegeben hat.

Um die 40 000 Besucher erwartete das Museum im zu Ende gegangenen Jahr. Zehn Prozent davon sind Schüler, das sei noch steigerungsfähig. Über Schulämter und Schulen soll die Zielgruppe angesprochen werden. Stöber will verstärkt mit dem Eichsfelder Museum in Heiligenstadt und dem Grenzlandmuseum in Teistungen kooperieren. Er sieht diese Einrichtungen nicht als Konkurrenz an.

Zu seinem Job kam Stöber durch eine Stellenanzeige in einem Fachblatt: „Historiker im Museum, das ist es.“ Dafür nimmt er das Pendeln nach Hüpstedt in Kauf, wo seine Frau und zwei Kinder warten.

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