Bürgermeisterwahl Bad Sooden-Allendorf

Herausfordererin Sandra Rhenius-Thimm (parteilos) will nun die Heimat voranbringen

Klare Vision am Ende eines Stadtspaziergangs mit der HNA: Bürgermeisterkandidatin Sandra Rhenius-Thimm vor der futuristischen Fassade des Kurparkhotels in Bad Sooden-Allendorf. Sie will sich für mehr Tourismus in der Fachwerkstadt einsetzen, die sich in den glänzenden Scheiben spiegelt.
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Klare Vision am Ende eines Stadtspaziergangs mit der HNA: Bürgermeisterkandidatin Sandra Rhenius-Thimm vor der futuristischen Fassade des Kurparkhotels in Bad Sooden-Allendorf. Sie will sich für mehr Tourismus in der Fachwerkstadt einsetzen, die sich in den glänzenden Scheiben spiegelt.

Drei Kandidaten bewerben sich am 14. März um das Bürgermeisteramt in Bad Sooden-Allendorf. In der Corona-Pandemie haben wir sie zu einem Spaziergang getroffen. Heute: Sandra Rhenius-Thimm.

Bad Sooden-Allendorf – Der Schneeregen kann Sandra Rhenius-Thimm ebenso wenig stoppen wie die Knieverletzung, mit der sie seit einem Jahr herumlaboriert. Warm eingepackt und in bequemen Schuhen begrüßt die parteilose Kandidatin die Reporterin. Als Treffpunkt hat sie das leer stehende Kurpark-Hotel in Sooden gewählt. Tourismus ist eines ihrer wichtigsten Ziele bei der Bürgermeisterwahl in Bad Sooden-Allendorf, damit will sie mehr Leben in die „Perle des Werratals“ bringen.

Für ihren eigenen Urlaub spielen Schnee und Hotels dagegen keine Rolle – sie fährt am liebsten mit dem Wohnmobil nach Frankreich. Die Allendorferin lebte als Jugendliche einige Monate in der Partnergemeinde Landivisiau und hat seither ein Faible für Land, Leute und Sprache. „Ein bis zwei Tage, dann komme ich wieder rein“, sagt sie. Auch weil die Familie die kommunikative 50-Jährige gern vorschickt.

Zur Person

Sandra Rhenius-Thimm (50) wuchs in Bad Sooden-Allendorf auf. Sie ließ sich in Köln beim Verfassungsschutz zur Verwaltungswirtin ausbilden und wechselte 1992 nach Magdeburg. Nach der Geburt ihres Sohnes machte sie sich mit einem Geschäft für Kinderkleidung in Bad Sooden-Allendorf selbstständig, es folgten weitere Läden in Eschwege und Berlin. 2016 musste sie nach einem Mieterstreit mit einem Berliner Einkaufszentrum Insolvenz anmelden. Seither arbeitet sie wieder beim Landesverwaltungsamt in Magdeburg. Dessen Aufgaben seien mit dem Regierungspräsidium in Hessen vergleichbar, erklärt Rhenius-Thimm.

Ihre Freizeit verbringt sie gern im Garten („Ich habe einen Kettensägenschein!“), in der Natur und mit dem Familienhund. Die parteilose Kandidatin wird von SPD, Grünen, FWG und FDP unterstützt. (fst)

Weitere Informationen: zusammenwachsen-bsa.de

Was braucht ein Ort, damit sie sich dort wohlfühlt? „Das ist mehr so ein Bauchgefühl“, sagt Rhenius-Thimm. Nach Köln, dem Ort ihrer Ausbildung, fahre sie gern hin – und wieder weg. In Berlin habe sie sich dagegen verliebt, trotz Lärm, Gestank und Dreck. Neun Jahre pendelte sie nach Berlin, wo sie mehrere Läden betrieb. „Ich war auf Montage, die Kinder in Bad Sooden-Allendorf“, sagt Rhenius-Thimm über diese Zeit.

Viel Organisation habe das Pendeln erfordert: Sie brauchte Überblick, Entscheidungsfreude, gute Zeiteinteilung und einen starken Rückhalt, sagt Rhenius-Thimm: „Aber organisieren konnte ich schon immer.“

Wir kommen an der Werraland-Klinik für erschöpfte Eltern vorbei. Die Klinik kämpft: In der Pandemie dürfen weniger Patienten kommen. Rhenius-Thimm bleibt zuversichtlich: Nach der Pandemie würden solche Kliniken umso wichtiger.

Ständige Erreichbarkeit gewohnt

Auch die 50-Jährige hat 18 anstrengende Monate hinter sich, weil die Bürgermeisterwahl wegen der Pandemie von September auf März verschoben wurde. Seit sie ihre Kandidatur im November 2019 bekannt gab, wird sie genau beobachtet. „Das war mir klar“, sagt die Kandidatin. Sie ist ständige Erreichbarkeit nach 20 Jahren Selbstständigkeit mit bis zu 15 Mitarbeitern gewohnt. „Das war kein Job von 9 bis 17 Uhr.“ Ihr Anspruch als Chefin sei, auch unpopuläre Schritte gerecht, klar und transparent zu vertreten. Ihre Erfahrung ist: Von Frauen werde mehr Fingerspitzengefühl erwartet als von Männern. Sie nimmt das an, wie andere Schwierigkeiten im Leben.

Wir stehen derweil vor der Balzenborn-Klinik. Deren Geschäftsführer Ekkehard Eymer gehört auch das Kurpark-Hotel, sein Verhältnis zur Stadtverwaltung ist angespannt. Sandra Rhenius-Thimm sagt, sie habe seit Herbst mehrfach mit Eymer gesprochen. „Ich war so lange selbstständig, da gehört Verhandlungsgeschick dazu.“ Ihre Taktik: Ruhig, sachlich und zäh bleiben: „Ich bin immer um einen Kompromiss bemüht, sehe aber auch das Geschäft.“

Eigentlich will Rhenius-Thimm im Wahlkampf lieber über Sachthemen sprechen als über sich. Der typischen Gerüchteküche begegnet sie mit großer Offenheit. Unterstützung findet sie vor allem bei Ehemann Nils. Ihn lernte sie als Zehnjährige kennen, seit 25 Jahren sind beide ein Paar. Für ihn, ihren Sohn und ihre Tochter ließ sich die Verwaltungswirtin 1996 durch das Land Sachsen-Anhalt freistellen und verlegte ihren Lebensmittelpunkt in die Heimat zurück. Die will sie jetzt voranbringen – als parteilose Bürgermeisterin. (Friederike Steensen)

Kandidaten kurz und knapp

1. Nachhaltigkeit … ist für mich eine Verpflichtung, um die Welt von morgen für die kommenden Generationen zu sichern. Auch eine kleine Kommune kann hier viel dazu beitragen..

2. Das Erntefest in Bad Sooden-Allendorf … bestimmt die hiesige Zeitrechnung. Die Menschen zeigen ihre ganze Liebe zur Stadt und es fühlt sich wie ein großes Familienfest an.

3. Die kleinen, dörflichen Stadtteile von Bad Sooden-Allendorf... sind in der Vergangenheit viel zu unbeachtet geblieben, dabei tragen sie wesentlich zur Identität der gesamten Stadt bei.

4. Die Kliniken in Bad Sooden-Allendorf … sind mehr als Reha-Einrichtungen. Sie sind ein elementarer Pfeiler der Stadt und bedeutende Arbeitgeber. Ihre Patienten stärken erheblich Handel und Gastronomie.

5. Das habe ich aus der Corona-Pandemie gelernt: Dass wir insbesondere in Krisenzeiten zusammen viele neue kreative Wege finden, um Probleme zu bewältigen.

6. Diese Marotte würde ich mir gerne abgewöhnen: Marotten gehören zur Persönlichkeit. Insofern möchte ich gerne perfekt unperfekt bleiben.

7. Als Lesestoff hat mich in letzter Zeit besonders beeindruckt: Verena Pausder, „Das neue Land“. Ich habe das Gefühl, die Autorin schaut in mein Herz und liest meine Gedanken. Das Buch ist meine „Bibel“ für zukunftsfähige Politik.

8. Mit diesen Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: herzenswarm, empathisch, fröhlich, kreativ, zielstrebig, selbstlos, organisiert.

9. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzlerin wäre, würde ich … das tun, was ich jeden Tag mache: meinen Job mit Kompetenz, Herz und Verstand.

10. Die Bürgermeisterwahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ... ich erleben würde, dass meine Ideen und Visionen für unsere Stadt auf fruchtbaren Boden gefallen sind. (fst)

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