Der unverwüstliche Musikus

Organist Peter Brandeck wird 80 Jahre alt und bringt CD heraus

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Musik auf acht Orgeln im Werra-Meißner-Kreis: Peter Brandeck mit seiner brandneuen CD an dem Instrument in der St.-Crucis-Kirche.

Zu seinem 80. Geburtstag am Sonntag hat der Organist Peter Brandeck aus Bad Sooden-Allendorf seine neueste CD herausgebracht.

Um sich fit zu halten, erklimmt er noch täglich die gut 200 Stufen im 65 Meter hohen Turm der St.-Crucis-Kirche. Über 35 Jahre hat Peter Brandeck in dem Gotteshaus die Orgel gespielt und zieht noch heute über die Lande als Organist in mehr als 20 Kirchengemeinden im Werra-Meißner-Kreis und in Thüringen.

Nein, bis zu einer goldenen Schallplatte habe er es noch nicht geschafft, lacht Brandeck. „Liegt vielleicht an der Musik oder an mir“, fügt er selbstironisch hinzu. Immerhin 20 Tonträger hat er schon produziert.

Er erzählt Geschichten 

Der vorläufig letzte mit dem Titel „Barockensemble an St. Crucis“ benennt nicht nur die von ihm selbst und seiner Frau Anne gegründete Musiker-Gruppe, sondern präsentiert vor allem Musikstücke an acht Orgeln in kreisweit sechs Kirchengemeinden und erzählt in Wort und Bild außerdem die Geschichte der Instrumente, Kirchen und Orte.

Wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Brandeck in Kassel geboren, wo sein aus Schwebda stammender Vater als Pfleger in einem kirchlichen Siechenhaus arbeitete. Nachdem die Stadt im Oktober 1943 in einem Bombenhagel fast vollständig zerstört worden war – „nichts mehr ist stehen geblieben, wir verbrachten jede Nacht im Keller“ – ging es zurück nach Wanfried in die Heimatstadt der Mutter.

"Es war die schönste Zeit" 

Der Vater fiel als Soldat in Stalingrad. Vor 74 Jahren begann Brandeck mit dem Klavierspielen. Mit 17 Jahren schloss er sich einer vierköpfigen Band an, mit der der Teenager an jedem Wochenende in der Eschweger Musikkneipe „Dietemann“ zum Tanz aufspielte. „Rosamunde“ war das meist geforderte und auch international bekannte Stimmungslied, das der Kumpel am Schlagzeug meist mit dem Zusatz ergänzte: „...schenk mir dein Sparkassenbuch“, schmunzelt Brandeck: „Es war die schönste Zeit.“.

Als gelernter Lithograf wandte er sich schon bald der Kirchenmusik zu, studierte in Herford, Schlüchtern und Bremen und traf bei einem Ausflug nach Bad Sooden-Allendorf zufällig den damals aktuellen Organisten an St. Crucis, der als Lehrer kurz vor seiner Pension stand und dessen Nachfolger er wurde.

In Allendorf gründete Brandeck auch den Kirchen- und den Posaunenchor und spielte die Trauermusik bei mehr als 2000 Bestattungen. Als freischaffender Künstler legt er am Steuer seines Wagens für seine Musik jährlich 50 000 Kilometer zurück. Am liebsten, sagt er, „sitze ich an der Orgel, im Auto – oder in der Badewanne.“

Erlös der CD geht an die Kirchengemeinden

Zum Stückpreis von nur zehn Euro ist Peter Brandecks neue CD zu haben, die acht Orgeln im Werra-Meißner-Kreis in Ton, Bild und Wort vorstellt. Dabei kommt der Verkaufserlös komplett den jeweiligen Kirchen beziehungsweise Gemeinden zugute. Im einzelnen sind das in Bad Sooden-Allendorf St. Crucis, St.-Bonifatius und St. Marien, in Ulfen St. Johannes, in Wichmannshausen St. Martin sowie die evangelischen Kirchen in Dudenrode, Niederdünzebach und Oberrieden. Vorgestellt wird die CD an diesem Sonntag um 16 Uhr in der Winterkirche in St. Crucis. Orgeln, wirbt Brandeck, seien für alle da.

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