Repair-Café läuft als Hilfe zur Selbsthilfe

Auch Hilfe für Flüchtlinge: Beim letzten Treffen brachten (von links) Hermann Quenot, Wolfgang Bailleu, Wolf-Dieter Amlung, Ulf Witte, Herbert Krüger, Amed Yirgane, (hockend) Ismail Mohamed und Jürgen Lingnau in erster Linie gestiftete Fahrräder wieder auf Vordermann. Fotos: Forbert

Bad Sooden-Allendorf. Kreative Ideen austauschen, Können bündeln und sich gegenseitig helfen, um die handwerklichen Fähigkeiten zu erweitern, das ist der Sinn des „Repair-Cafés".

Es wurde Anfang des Jahres in Bad Sooden-Allendorf auf Initiative von Ulf Witte ins Leben gerufen.Einmal im Monat treffen sich die Reparierer unter dem Dach des Familienzentrums in dessen Domizil an der Weberstraße.

Bis zu zehn Interessierte sind pro Termin schon gekommen, immer auch mal andere. Der harte Kern besteht aus vier, fünf Mann. Ulf Witte brachte die Idee des Repair-Cafés aus den Niederlanden mit an die Werra.

Da sein Kind im Treffpunkt des Familienzentrums betreut wird, lag es für ihn nahe, das Angebot der sozialen Einrichtung um diese Art der gegenseitigen Hilfe zur Selbsthilfe zu erweitern. Zumal es für Männer dort bislang noch eher wenig gibt.

Der 38-Jährige hat Maschinenbau studiert, ist Kfz-Meister und arbeitet als Kraftfahrzeug-Prüfingenieur. Reparieren bleibe immer seine Passion, sagt Witte. Überhaupt sollte man erst mal versuchen, etwas zu reparieren, bevor man es wegwirft und neu kauft. Viele würden auch so denken.

Und nun, freut sich Witte, „schmeißen wir unser Wissen zusammen“. Denn: „Wir reparieren nicht in erster Linie, sondern leiten an zur Selbsthilfe.“ Der Eine könne vom Anderen lernen - das sei doch „eine schöne Sache“, sagt der Initiator. Und betont, dass man nicht Konkurrenz sei zu gewerblichen Werkstätten.

Zwei Mikrowellen und einen Mixer, einen Haartrockner und eine Kaffeemaschine, Uhren und Wecker, Ladegeräte und Kinderspielzeug hat die Reparierer-Gruppe bereits wieder in Gang gekriegt. Sinn in erster Linie sei nicht, dass Nachbarn etwas vorbeibringen und nach dem nächsten Treffen wieder repariert abholen, sondern das gegenseitige Helfen. Doch in einem Fall machte die Gruppe eine Ausnahme, für ihren wieder funktionierenden Lockenstab habe sich die Dame mit Pralinen bedankt.

Herbert Krüger (57) hatte beim letzten Treffen einen kompletten Werkzeugkasten mitsamt speziellen Fahrradschlüsseln und Flickzeug mitgebracht. Der Grund: Es wurden nicht mehr gebrauchte Fahrräder gesammelt. Sie sollten auf Vordermann gebracht werden, damit in der Badestadt untergebrachte Flüchtlinge sie nutzen können.

Sogar über Hilfsmittel kann die Reparierer-Gruppe verfügen. Eine Feinlotstation gehört zur Ausstattung. Bloß zu löten habe es noch nichts gegeben - aber das wird sich bestimmt ändern. Termin: Treffen jeden letzten Donnerstag im Monat - jetzt also am 27. August - von 19 bis 20.30 Uhr im Familienzentrum, Weberstraße 48.

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