Betonung ist schwer

Reportage: An der Rhenanus-Schule können Schüler jetzt Chinesisch lernen

Bad Sooden-Allendorf. Konzentriert runzelt Daria Rode die Stirn, als ihr die chinesischen Silben über die Lippen kommen. Mit jedem Wort bewegt die Achtklässlerin den Kopf, um die Betonung richtig zu treffen.

Lehrerin Xie Mei Xue, die sich aus Aussprachegründen Michaela nennt, gibt mit der Hand den Takt vor. „Xue Xiao... was?“ „Xúe sheng zài xúe xiào xúe xí“, sagt Michaela und es klingt, als ob sich ihre Zunge hinter den Schneidezähnen dreifach faltet. „Die Schüler lernen in der Schule.“ Das tun sie in der Tat an diesem Mittwochnachmittag im dritten Stock der Rhenanus-Schule.

Seit den Osterferien bringt die Chinesin, die seit 18 Monaten BWL an der Diploma-Hochschule in Bad Sooden-Allendorf studiert, den Schülern ihre Muttersprache bei. Die wichtigste Lektion: Es macht einen Unterschied, ob man má (Hanf), mà (schimpfen) oder ma (Mutter) sagt. „Die Betonung ist sehr wichtig“, sagt Michaela.

„Die Betonung ist das schwerste“, sagt Clemens Kampmann. Er geht ebenfalls in die achte Klasse und wollte schon als Kind Chinesisch lernen. „Damals habe ich versucht, es mir selbst beizubringen, aber weit bin ich nicht gekommen.“ Umso mehr freut es ihn, die Sprache jetzt in der Schule lernen zu können. „Ich will gerne jemanden auf Chinesisch begrüßen und ein wenig Smalltalk halten können“, hofft er. Ähnliche Ziele haben auch die anderen vier Schüler, die den freiwilligen Kurs besuchen.

Trotz der derzeit geringen Teilnehmerzahl ist Schulleiter Dr. Jörg Möller zufrieden mit der Resonanz. „Mitten im Schuljahr ist es schwierig, einen Kurs im Stundenplan zu etablieren“, sagt er. „Die Schüler sind aber mit Spaß dabei, deshalb werden wir die AG auch im neuen Schuljahr anbieten.“ Nach den Ferien hofft er auf einen noch größeren Teilnehmerkreis.

Lehrerin Michaela wäre dazu gerne bereit. „Ich will in meiner Freizeit mein Deutsch verbessern und lerne in der AG auch viel von den Schülern“, sagt die 22-Jährige. Diese erinnern sie immer wieder daran, wenn ein deutsches Wort groß geschrieben werden muss - eine Grammatikregel, die es in ihrer Muttersprache nicht gibt.

Versteht sie manchmal nicht gleich, was die Schüler wissen wollen, fragen diese nochmal auf Englisch. Klappt das auch nicht, hilft ein Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone. Das betont die Silben auf Anhieb zwar auch nicht ganz korrekt - aber dafür hat Michaela ein Ohr.

Rubriklistenbild: © Rehermann

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