1100 aktive Spielerinnen deutschlandweit

Rugby-Damenmannschaft aus Braunschweig trainiert in Kammerbach

Für jeden Spaß zu haben: Für das Mannschaftsfoto baute das von Herbert Lütge (rechts) trainierte und von Mischka Strübig (links) betreute Rugbyteam aus Braunschweig diese Pyramide.

Kammerbach – Auf dem Sportgelände in Kammerbach trainierten am Samstag nicht die heimischen Fußballerinnen, sondern das Frauen-Rugbyteam des Regionalligisten SG Braunschweig-Schaumburg.

„Seit wann spielen Frauen denn Rugby?“ Diese Frage eines Anwohners schien gar nicht mal allzu sehr aus der Luft gegriffen zu sein. Während die aus England stammende, auf Außenstehende ziemlich martialisch wirkende Mannschaftssportart hierzulande insgesamt eher ein Nischendasein führt, gibt es im Frauenbereich deutschlandweit gerade einmal rund 1100 Aktive. Dass 14 von ihnen das Wochenende in Bad Sooden-Allendorf verbrachten und dabei zweimal in Kammerbach trainierten, war Herbert Lütge zu verdanken.

Anstrengend: Bei einem Gedränge um den Ball ist vor allem Beinkraft gefragt.

Der 71-Jährige, der aus Hannover stammt und seit 15 Jahren in Bad Sooden-Allendorf lebt, ist ein echtes Rugby-Urgestein. Zusammen mit Karl Ehrmann trainierte er von 1996 bis 2001 die Deutsche Frauennationalmannschaft und nahm mit ihr an zwei Europameisterschaften teil. Bis vor vier Jahren coachte Lütge Teams in der Rugby-Hochburg Hannover und war seither Turnierleiter in der Regionalliga. 

„Dort habe ich auch die SG Braunschweig-Schaumburg kennengelernt“, sagt Lütge. Weil er gesehen habe, dass das Team zwar „einen tollen Zusammenhalt hat, die Spielerinnen aber noch ganz viel lernen müssen“, bot er sich an, ihnen mit seiner Erfahrung weiterzuhelfen. „Seit Beginn dieser Saison fahre ich nun also regelmäßig nach Braunschweig und greife dem dortigen Frauentrainer etwas unter die Arme“, sagt er.

Hier geblieben: Ziel beim Rugby ist es, die ballführende Spielerin zu stoppen, bevor sie das Ei zu einem Punktgewinn in der gegnerischen Zone ableben kann.

„Beim Rugby geht der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft über alles“, schwärmt Kimberley Nette von ihrem Sport. Zuvor habe es die 22-Jährige unter anderem schon mit Volleyball probiert. „Aber da war mir der Leistungsdruck zu hoch und ich habe oft nur auf der Reservebank gesessen“, sagt sie. Neben dem „tollen Klima unter den Aktiven“ begeistere sie am Rugby vor allem, dass es dort für jede Frau mit jeder Figur eine Position gibt. „Kleine, schnelle und wendige Frauen werden genauso gebraucht wie die Kräftigen.“

„Wenn wir als Team alle untergehakt aufs Spielfeld gehen, dann gewinnen wir als Team oder verlieren als Team“, sagt Nettes Mannschaftskollegin Kristina Meyer. Für die 31-Jährige ist Rugby eine Herausforderung. „Auch wenn blaue Flecken an der Tagesordnung sind, ist dieser Sport nicht verletzungsträchtiger als Fußball oder Handball“, sagt sie.

Zur Vorbereitung auf die anstehende Rückrunde waren die Braunschweigerinnen nach Bad Sooden-Allendorf gekommen, weil Lütge ihnen von seiner Heimat vorgeschwärmt und sie dadurch neugierig gemacht hatte. „Es ist idyllisch hier und irgendwie auch sehr sympathisch“, meinte Nette. „Mein Dank geht vor allem an die TSG Kammerbach für die Bereitstellung des Trainingsplatzes sowie an Lothar Hüge und seine Frau, die alles perfekt vorbereitet haben“, so Lütge.

So wird Rugby gespielt

Rugby ist eine Mannschaftssportart, bei der 15 Spieler pro Team (im olympischen Modus sieben Spieler pro Team) versuchen, den Rugby-Ball am Gegner vorbei zu tragen oder zu kicken und dadurch Punkte zu erzielen. Treten des Balls ist dabei in alle Richtungen erlaubt, geworfen werden darf er lediglich nach hinten. Nur der balltragende Spieler darf angegriffen werden. Es ist erlaubt, diesen durch Umklammern unterhalb der Schulterlinie zu behindern und ihn nach Möglichkeit zu Fall zu bringen. Schlagen und Beinstellen ist streng verboten.

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