Ehemalige Familiengruft

Ruhestätte für 100 Tote in Bad Sooden-Allendorf?

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Bad Sooden-Allendorf. Hessenweit gibt es laut Landesamt für Denkmalpflege nur noch ein vergleichbares Bauwerk, das zwischen 1905 und 1910 in Darmstadt Großherzog Ernst Ludwig für seine Eltern errichten ließ.

Gemeint ist das Mausoleum auf dem Friedhof in Allendorf, das künftig Ruhestätte für 100 Tote und mehr werden könnte.

Einst als „Prachtgrab“ von der vormals in Sooden ansässigen und längst ausgestorbenen Familie Kurz erbaut, ist es heute so prächtig nicht mehr. Nach dem Übergang in ihren Besitz schickt sich die Stadt deswegen nun an, das nach den Worten von Bürgermeister Frank Hix „einzigartige Kulturdenkmal“ aus dem Jahre 1911 zu restaurieren.

Mit einer Höhe von knapp zehn Metern nimmt der quadratische Unterbau in den Maßen von jeweils fast sechs Metern den größten Teil des Bauwerks ein. Darüber befindet sich ein achteckiges Gemäuer mit einem pyramidenförmigen Dach, früher gekrönt von einem weithin sichtbaren Kreuz aus Beton, der längst zerborsten ist. Schon im letzten Jahr, als das mit Efeu umrankte Gebäude „entgrünt“ wurde, traten schwere Schäden zutage vor allem an dem Betonputz aus unterschiedlichen Sorten. 

Auch im Innenraum hat der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen. Kaum besser ist es um das Dach bestellt.

Für die Restaurierung der Familiengruft, in der drei der vier dort Bestatteten zunächst oberirdisch, dann wegen Seuchengefahr unter der Erde ihre dann wirklich letzte Ruhe fanden, rechnet die Stadt mit Gesamtkosten zwischen rund 250 000 bis 300 000 Euro. 

Um finanziell möglichst ungeschoren aus der Sache rauszukommen, plant die Stadt, im Mausoleum Urnenkammern für hundert und möglicherweise auch mehr Verstorbene unterzubringen - jede Kammer zu einem sozusagen „All-inclusive-Preis“ von etwa 3000 Euro.

Eine solche Lösung wird auch von der Denkmalpflege begrüßt. Dazu Bezirkskonservator Dr. Michael Wolf: „Eine Nutzung des Mausoleums ist immer noch der beste Garant für sein Fortbestehen.“ 

Denn damit sei nicht nur die Sanierung, sondern auch die laufende Instandsetzung gesichert. Insofern sei die Errichtung einer auch Kolumbarium genannten Urnenhalle „angemessen in der Tradition des Mausoleums als Familiengrabstätte“.

Von dieser Idee überzeugt ist auch Pfarrer Hubertus Spill. Urnenbeisetzungen lägen im Trend der Zeit. Die Friedhofsverwaltung komme kaum nach, so groß sei die Nachfrage. So seien auf dem Allendorfer Friedhof zwei Urnenstelen mit 30 Plätzen bereits voll belegt. 

Auch die im letzten Jahr errichtete Urnenwand mit 24 Kammern werde in absehbarer Zeit die Nachfrage nicht mehr befriedigen können. 

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