Schafe schaffen Landschaft

Seit 25 Jahren setzt Naturpark auf tierische Landschaftspflege

Tierische Landschaftspfleger: Schäfer Meinolf Timmerberg steht mit seinen Tieren an den Hie- und Kripplöchern bei Frankershausen. FOTO: MICHAEL CASPAR
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Tierische Landschaftspfleger: Schäfer Meinolf Timmerberg steht mit seinen Tieren an den Hie- und Kripplöchern bei Frankershausen.

Seit 25 Jahren setzt der Naturpark auf tierische Landschaftspflege durch Schafe

Dudenrode – Meterhoch wucherte vor 25 Jahren das Gestrüpp über den Frankershäuser Hie- und Kripplöchern. In harter Arbeit wurden die Erdfälle, Felskanten und Felsrücken des Naturdenkmals, das durch Ausspülungen entstanden ist, freigelegt. Seither hält die Schafherde von Familie Timmerberg aus Dudenrode den Bewuchs kurz.

„1996/97 haben wir in einem gemeinsamen Projekt mit dem Forstamt und dem Geo-Naturpark Frau-Holle-Land zahllose Büsche gerodet und Bäume gefällt“, erinnert sich Monika Timmerberg. Jugendgruppen, Schulklassen und die Freiwillige Feuerwehr packten mit an. Naturschützer gaben Hinweise, was stehen bleiben sollte. Weichen mussten unter anderem Bombeere, Hartriegel und Weißdorn.

Tonnenweise Strauchschnitt verbrannten Monika und Meinolf Timmerberg an ausgewählten Plätzen. In den ersten Jahren mussten die wieder ausschlagenden Sträucher erneut gekappt werden. Heute halten die Schafe den Bewuchs niedrig. Nur alle drei, vier Jahre muss der Mensch nacharbeiten. So entstanden bei Frankershausen Weideflächen, auf denen das Ehepaar seine mehr als 500 Mutterschafe dreimal im Jahr treibt. Die Vierbeiner, die 15 Kilogramm Grünzeug am Tag fressen, meiden giftige, bittere oder stachlige Gewächse. So bildet sich mit der Zeit eine charakterische Pflanzengemeinschaft heraus. Auf den Magerrasenflächen blühen mittlerweile viele Orchideen. Seltene Schmetterlingsarten finden dort einen Lebensraum.

Um den Boden nährstoffarm zu halten, treiben die Schäfer ihre Tiere abends auf angrenzende Weiden. Die Vierbeiner können sich dort an dem saftigen Gras satt fressen und nachts ihren nährstoffreichen Kot ausscheiden. Bis 1999 kamen weitere unter Naturschutz stehende Flächen dazu: die Hausener Hute sowie das Bühlchen bei Weißenbach. Über ein altes System an Hohlwegen wandern die Schafe seither von Weide zu Weide. Sie tragen dabei im Fell und zwischen den Klauen Pflanzensamen von Fläche zu Fläche. Auch Insekten, etwa Heuschrecken, reisen mit. So vernetzen die Schafe die einzelnen Flächen zu einem Biotopverbund.

Mit dem Projekt wird ein Zustand wieder hergestellt, der 700 Jahre typisch für den Meißner war, führt Marco Lenarduzzi, der Geschäftsführer des Naturparks, aus. So lange gibt es die Weidewirtschaft am König der hessischen Berge. Ende der 1950er Jahre wurde die Schafhaltung jedoch unrentabel. Das Fleisch fand keine Abnehmer mehr. Billigere Baumwolle und Synthesefasern traten an die Stelle der Wolle. Die Tiere verschwanden aus der Landschaft. Die artenreichen Magerrasenflächen verbuschten.

Als Lenarduzzi 1995 als junger Förster Schäfer Timmerberg mit seinen Tieren an der Straße entlang ziehen sah, sprach er ihn an. Ein Konzept wurde geschrieben, Fördergelder mit Erfolg eingeworben. So schafft das Schaf seit einem Vierteljahrhundert am Meißner wieder Kulturlandschaft. (zmc)

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