Seelen verkümmern ohne Kunst und Kultur

Mitglieder des Kulturforums Bad Sooden-Allendorf hoffen auf bessere Zeiten

Hofft auf bessere Zeiten: Regine Henke, Vorsitzende des Kulturforums Bad Sooden-Allendorf.
+
Hofft auf bessere Zeiten: Regine Henke, Vorsitzende des Kulturforums Bad Sooden-Allendorf.

Durch die Pandemie ist das Vereinsleben vielerorts zum Erliegen gekommen. Wie gehen die Vereine damit um? Wir haben bei einigen nachgefragt. Heute: Das Kulturforum Bad Sooden-Allendorf.

Bad Sooden-Allendorf – „Ohne Kunst und Kultur verkümmert die Seele.“ Diese Erfahrung hat Regine Henke gemacht. Sie ist die Vorsitzende des Kulturforums Bad Sooden-Allendorf und trauert dem vergangenen Jahr nach, das mit einer Fülle teils hochkarätiger Veranstaltungen an die 250. Wiederkehr des Geburtstages von Ludwig van Beethoven erinnern sollte. Die Pandemie hat jedoch beinahe alle Pläne zunichte gemacht. Und aktuell sieht es kaum besser aus.

So wurde schon im September das Neujahrskonzert mit dem Göttinger Symphonieorchester ebenso abgesagt wie zwei weitere Veranstaltungen im Februar und März. „Uns fehlt die Planungssicherheit.“ Deshalb wage sie keine Prognose für das laufende Jahr.

Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben. Sobald der Corona-Spuk gebannt sei, würden Termine „sofort“ wieder vereinbart mit den Künstlern, die unter dem erzwungenen Auftrittsverbot in besonderer Weise zu leiden hätten.

Henke: „Wir sehnen uns alle nach dem Erleben von Kultur in Präsenz, das uns verbindet und unser Miteinander pflegt über alle politischen und religiösen Verschiedenheiten hinweg.“ Seit der Gründungs des Kulturforums vor gut 15 Jahren steht Regine Henke an der Spitze des ehrenamtlich agierenden Vereins. Aktuell habe der Verein 86 Mitglieder, die mit 15 Euro pro Kopf einen bescheidenen Jahresbeitrag zahlten. Bei Eintrittsgeldern zwischen 15 und 18 Euro für Veranstaltungen habe das Kulturforum noch kein einziges Jahr mit einem Defizit abgeschlossen. Das liege auch an den Zuwendungen großzügiger Sponsoren, wofür sie sehr dankbar sei.

Zunächst habe der Verein nur kleinere, besondere Kulturangebote nach Bad Sooden-Allendorf holen wollen, wie Kabarett, Lesungen und musikalische Auftritte. Inzwischen wage man sich auch an größere Herausforderungen heran, wie namhafte Orchester oder auch den Klaviervirtuosen und Dirigenten Justus Frantz.

Aktuell konzentriert sich das Kulturforum auf das Kunstprojekt Stolpersteine, die an die Verfolgung und Ermordung von Juden unter der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten erinnern. Ein Stolperstein soll Rudolf Bodenheim gewidmet werden, dem letzten Chef der Allendorfer Papierwarenfabrik. Der war wegen seines sozialen Engagements hoch angesehen und wurde 1943 seiner jüdischen Abstammung wegen in Theresienstadt ermordet.

„Nicht wirklich“, antwortet Regine Henke auf die Frage, ob sie der Pandemie auch etwas Positives abgewinnen könne. „Vielleicht“, fügt sie im Namen des zehnköpfigen Vorstands, darunter sieben Frauen, hinzu, „können wir jetzt kreative Ideen entwickeln und hoffentlich im Herbst mit neuem Schwung an die Arbeit gehen.“  

(Chris Cortis)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.