Bürgermeisterwahl Bad Sooden-Allendorf

Kandidatur war spontan: Manfred Heidl (parteilos) sind seine Ideen wichtig

Aus Protest gegen die Politik in der Badestadt hat sich Manfred Heidl als unabhängiger Kandidat für die Bürgermeisterwahl aufstellen lassen. Der Schwanenteich im Kurpark birgt für ihn Erinnerungen an die Jugendzeit und ist zugleich gern gewähltes Ziel für Spaziergänge mit den Enkelkindern.
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Aus Protest gegen die Politik in der Badestadt hat sich Manfred Heidl als unabhängiger Kandidat für die Bürgermeisterwahl aufstellen lassen. Der Schwanenteich im Kurpark birgt für ihn Erinnerungen an die Jugendzeit und ist zugleich gern gewähltes Ziel für Spaziergänge mit den Enkelkindern.

Drei Kandidaten bewerben sich am 14. März um das Bürgermeisteramt in Bad Sooden-Allendorf. Wegen der Corona-Pandemie haben wir sie zu einem Spaziergang getroffen. Heute: Manfred Heidl.

Bad Sooden-Allendorf – Wir treffen uns im Kurpark in Sooden, am Söder Tor. Noch bevor wir losgehen, zeigt Manfred Heidl auf den Spielplatz vor dem alten Salzamt. „Es sollten mehr Geräte aufgestellt werden“, bezieht sich der 56-Jährige, der als Unabhängiger zur Wahl für das Bürgermeisteramt antritt, auf Versprechen der Stadt. Noch sei – und nicht nur hier – nichts dergleichen passiert. Darüber ärgert er sich – und über einiges mehr.

Auch für die Jugendlichen täten die Stadtpolitiker wenig, findet Heidl. Das sei schon immer so gewesen. In den 1980er-Jahren wirkte er im Organisationsteam des Jugendzentrums mit. Da habe man beispielsweise ein Konzert mit Klaus Lage organisiert und die ausgedienten Christbäume eingesammelt. Ansonsten hat er sich nicht ehrenamtlich engagiert, der Beruf lasse keine Zeit dazu.

Zur Person

Manfred Heidl (56) wuchs in Bad Sooden-Allendorf auf. Nach seiner Schulzeit machte er eine Bäckerlehre, später seinen Meister. Er arbeitete auch mal in Melsungen und mal in Nordhorn, später auch mal in der Simonsbrotfabrik in Eschwege-Niederhone.

Von 1990 bis 2000 lebte er in der Gemeinde Nieste (Landkreis Kassel), dort lernte er auch seine Frau Petra kennen. Seit 35 Jahren ist er mittlerweile mit ihr verheiratet, sie haben vier Kinder.

Die beiden älteren Töchter, 31- und 26-jährig, wohnen inzwischen in Kassel, von ihnen hat er die vier Enkelkinder (zwischen 1 und 14 Jahre alt). Sein Sohn ist jetzt 20, die jüngste Tochter wird rechtzeitig zur Bürgermeisterwahl volljährig.

Urlaub macht er am liebsten an Nord- und Ostsee. (sff)

Auch in der Stadtpolitik mischte der gebürtige Badestädter bislang nicht mit. Warum kandidiert er dann als Bürgermeister? „Aus Protest, damit die Politiker der Stadt mal merken, dass sie nicht bürgernah sind“, lautet die Antwort. Chancen rechnet sich Heidl, der sich als Realist bezeichnet, auch nicht aus. 50 Stimmen werde er vielleicht bekommen. „Wenn die Politiker zwei oder drei Ideen von mir annehmen“, meint er, „dann habe ich mein Ziel schon erreicht“.

Auf seine Ideen kommt er bei dem Spaziergang immer wieder zu sprechen. In erster Linie geht es ihm um das Parken in der Stadt. Heidl hält den kostenpflichtigen Parkausweis für Anwohner in Sooden für ungerecht und will ihn durch drei kostenlose Parkmarken ersetzen lassen. Auch würde er die Parksituation rund um die Kliniken verbessern, denn: „Die Anlieger werden vergessen.“ Sein „Lösungsansatz“, wie er es ausdrückt: Einen zentralen Parkplatz für alle Reha-Patienten in der Nähe der Stadtgärtnerei schaffen. Wir umrunden das Kultur- und Kongresszentrum. „Verkaufen und dadurch die Unterhaltungskosten sparen“, schlägt Heidl vor, um so die Grundsteuer B wieder zu senken. Er selbst hat keinen Grundbesitz, er wohnt zur Miete – bis vor kurzem an der Lindenallee, jetzt in einem Häuschen an der Königsberger Straße.

Am Brunnenplatz zeigt Heidl auf zwei städtische Gebäude, die seien wie andere auch in desolatem Zustand, grantelt er einmal mehr über die seiner Meinung nach Untätigkeit der Stadt.

Allrounder arbeitet in Klinik-Küche

Nun streift der Blick die Mutter-Kind-Klinik Werraland. Dort ist Heidl – mit drei Jahren Unterbrechung – seit 2006 beschäftigt. In der Küche arbeitet der Bäckermeister als Allrounder, wie er sagt. Seine Frau ist auch dort tätig. An der Lindenallee steuert Heidl auf die Mietshäuser zu. Hier seien die Wohnungen teurer geworden, nachdem die Heimstätte sie verkaufte, beklagt er. Und: „Um Sozialen Wohnungsbau hat sich hier noch nie ein Politiker gekümmert.“

Am Kurtheater-Kino die Frage, ob er dort immer mal einen Film anschaut. Früher ja, heute eher daheim Netflix im Internet, antwortet Heidl. Treibt er denn Sport? Früher spielte er Fußball bei der örtlichen TSG, auch für die TSG Kammerbach, den Kleinvacher Sportverein Hörne 01 und beim Tuspo Nieste. Heute kickt der 56-Jährige noch bei den Alten Herren der Badestädter TSG.

Geselliger Mensch

Vielen Menschen begegnen wir an diesem Vormittag nicht, eigentlich fast keinen. Drei grüßen Manfred Heidl im Vorbeigehen. Er habe einen großen Freundeskreis, sagt er, und sei auch ein „eher geselliger Mensch“.

Der Spaziergang endet am Schwanenteich. In Jugendjahren spielte Manfred Heidl dort im Winter Eishockey. Heutzutage geht er gern mit den Enkeln um den Teich. Seinen alten Lieblingsspielplatz neben dem Kunsthaus kann er ihnen nicht mehr zeigen. Die Geräte hat die Stadt längst abgebaut, sie waren marode. (Stefan Forbert)

Kandidat kurz und knapp

1. Nachhaltigkeit … ist für mich eine Wertschätzung und eine Verleihung von Respekt gegenüber der nachfolgenden Generationen, damit diese die Welt genau so schön wahrnehmen können, wie wir es tun konnten.

2. Das Erntefest in Bad Sooden-Allendorf … für mich das schönste Fest weit und breit und sollte uns für immer erhalten bleiben. Ich nehme regelmäßig am großen Erntefestumzug teil.

3. Die kleinen, dörflichen Stadtteile von Bad Sooden-Allendorf ... müssen einfach viel mehr Beachtung und Unterstützung von den städtischen Gremien bekommen. Und nicht einfach nur mit ein bisschen Geld und guten Worten abgespeist werden.

4. Die Kliniken in Bad Sooden-Allendorf … sind für die Stadt lebensnotwendig und müssen uns erhalten bleiben.

5. Das habe ich aus der Corona-Pandemie gelernt: Wie schnell sich die Welt verändern kann und dass man die Pandemie nur gemeinsam bekämpfen kann.

6. Diese Marotte würde ich mir gerne abgewöhnen: das Rauchen.

7. Als Lesestoff hat mich in letzter Zeit besonders beeindruckt:

8. Mit diesen Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: ehrlich, freundlich, hilfsbereit, witzig, bodenständig, immer ein offenes Ohr und zuverlässig.

9. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzler wäre, würde ich … mich für Bürgerentscheide einsetzen und dieses Anliegen vorantreiben.

10. Die Bürgermeisterwahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ... ich die Interessen der Bürger und Bürgerinnen in unserer Stadt und den dazugehörigen Stadtteilen umsetzen darf. (sff)

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