Gegenseitig austauschen

Selbsthilfegruppe kranker Männer trifft sich monatlich

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Sie sind mutig und hilfsbereit: Horst Stakelies (von links), Volkmar Breul, Heinz-Jürgen Leimbach und Initiator Hartmut Eiche bauen sich gegenseitig auf.

Bad Sooden-Allendorf. Männer mit gesundheitlichen Problemen tauschen sich in einer Selbsthilfegruppe aus, die sich einmal monatlich in der Sonnenberg-Klinik trifft.

Er steht mitten im Leben und plötzlich kommt die Diagnose: Krebs. Mit einem Mal verändert sich 2003 sein ganzes Leben. Hartmut Eiche kämpft. Und siegt. Seither weiß er, wie schnell das Leben zu Ende sein kann und lebt jeden Tag noch bewusster. Der Kleinalmeröder schöpft neue Kraft und will sie weitergeben. Aus diesem Grund ruft er im November 2015 die Selbsthilfegruppe für Männer mit gesundheitlichen Problemen ins Leben.

„Besonders Männer tun sich oft schwer damit, über ihre Probleme zu sprechen“, sagt Eiche. In der Bibliothek der Sonnenberg-Klinik sitzen die Männer unter Gleichgesinnten. Mittlerweile ist die Gruppe von anfangs zwei auf acht angewachsen. Die Teilnehmer sind zwischen 60 bis 70 Jahre alt.

Bisher gab es vier Treffen. Einmal im Monat. Damit steht alles noch am Anfang. Sie müssen sich erst einmal kennenlernen, bauen Vertrauen auf und suchen das persönliche Gespräch. Auch wenn es schwierig sei, mit anderen darüber zu reden, wollen sich die Teilnehmer öffnen.

„Es tut richtig weh, wenn sich die engsten Freunde abwenden.“ 

Denn ihre eigene Familie möchten sie ungern mit ihren Sorgen belasten. Von Freunden haben ein paar von ihnen Ablehnung erfahren. „Leute, die gesund sind, wollen sowas meistens nicht hören“. Ein Teilnehmer erzählt, dass er sich jahrelang mit Freunden und Nachbarn zur Grillparty traf. Mit einem Mal wurde er nicht mehr gefragt, erhielt keine Einladung. Das Grillfest gab es. Ohne ihn.

Die Anrufe wurden weniger, bis der Kontakt einschlief. Er wurde vor fünf Jahren krank und sagt: „Es tut richtig weh, wenn sich die engsten Freunde abwenden“. Hartmut Eiche berichtet, wie weitere Teilnehmer ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Umfeld zog sich zurück, aus Angst, sich an Krebs anzustecken, sagt er. „Krebs kann jederzeit wiederkommen. Damit muss man umgehen können“, so der Initiator.

Doch die Männer geben nicht auf. Sie wollen gesund werden, ihr Leben neu anfangen. Ein Teilnehmer sitzt zum ersten Mal in der Runde. Er hat Prostatakrebs. Unter Männern kann er das Thema leichter ansprechen.

Denn in der Regel werden Selbsthilfegruppen von Frauen aufgesucht. Ob er wiederkommen will? „Wenn man einen Anfang gemacht hat, will man dabei bleiben“. Hartmut Eiche hat weitere Pläne und Ziele, möchte Referenten, Ärzte und Fachkräfte zu Themen wie Ernährung, Medikamente und Fitness einladen. Dem Körper und der Psyche helfen - das hat für die Männer in der Gruppe das gleiche Gewicht.

Kontakt: Hartmut Eiche, Tel. 0 55 42 / 718 88, E-Mail: SHG.Maenner@gmail.com

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