1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen
  4. Bad Sooden-Allendorf

Schulbauernhof in Oberrieden beteiligt sich am 1000-Gärten-Projekt der Uni Hohenheim

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Caspar

Kommentare

Baut auf fünf Quadratmetern zehn verschiedene Soja-Sorten an: Hutzelberg-Gartenpädagogin Katharina Dehlinger.
Baut auf fünf Quadratmetern zehn verschiedene Soja-Sorten an: Hutzelberg-Gartenpädagogin Katharina Dehlinger. © MICHAEL CASPAR

Im Bad Sooden-Allendorfer Ortsteil Oberrieden wird Soja angebaut.

Oberrieden – Sojabohnen zieht der Oberriedener Schulbauernhof Hutzelberg auf einem Versuchsfeld. Er nimmt am Projekt 1000 Gärten teil, das die Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim gemeinsam mit dem Tofu-Hersteller Taifun durchführt. „Hochschule und Unternehmen wollen herausfinden, welche Soja-Sorten wo in Deutschland besonders gut wachsen“, berichtet Hutzelberg-Pädagogin Katharina Dehlinger. Hobbygärnter, Schulen und Bauernhöfe aus der ganzen Bundesrepublik nehmen an dem Projekt teil. Sie teilen dem Leitungsteam den genauen Standpunkt ihres jeweils fünf Quadratmeter großen Feldes mit. Sie bekommen dann Saatgut von zehn verschiedenen Sorten zugeschickt, die dort wohl am besten gedeihen.

Der Hintergrund: Das bei Vegetariern und Veganern beliebte Tofu soll möglichst aus heimischen Sojabohnen hergestellt werden. „Der Sojaanbau in Übersee steht in der Kritik“, erläutert Dehlinger. Für die wärmeliebende Pflanze wird nämlich in Brasilien auf „großen Flächen Regenwald abgeholzt“, weiß Oskar (7) von der Montessori-Schule Göttingen. Mit seinen Klassenkameraden verbringt er eine Woche auf dem Hutzelberghof. Die Urwaldrodung beschleunigt das Artensterben und nimmt der Menschheit „die Luft zum Atmen“, ergänzt Mitschüler Jukka (7). „Der größte Teil der südamerikanischen Ernte landet in den Futtertrögen von Schweinen in der Massentierhaltung“, stellt Dehlinger klar. Deutsche Tofu-Hersteller beziehen ihre Bohnen bereits heute überwiegend aus Europa. In Deutschland könnte noch mehr Soja angebaut werden, wenn es besser ans hiesige Klima angepasste Sorte gäbe.

Im Rahmen des Versuchs erfassen die Gärtner in regelmäßigen Abständen das Wachstum der Pflanzen und zählen am Ende die Hülsen und die in ihnen enthaltenen Bohnen. Dass Soja in diesen Breiten überhaupt gedeiht, erfuhr Dehlinger 2016, als sie an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde eine landwirtschaftliche Weiterbildung für Pädagogen absolvierte. Dort sah sie das erste Mal die Pflanze mit den samtweichen Blättern und den winzigen, violetten und weißen Blüten. Fasziniert las sie sich ins Thema ein und verfasste über den Sojaanbau eine Hausarbeit.

Die Kultivierung der Pflanze hat in Europa bereits Tradition, erfuhr sie. Als Pionier gilt der Wiener Agrarwissenschaftler Friedrich Haberlandt (1826-1878). Der Professor sah das Potenzial, das die eiweißreichen Bohnen – die gekocht nussartig schmecken – bei der Ernährung der Menschen spielen können. Das ebenfalls nahrhafte Stroh wollte der Professor an Schweine verfüttern. Die Japaner, die Soja seit 5000 Jahren anpflanzen, stellen aus den Bohnen Tofu her. Dazu wird die gekochte Bohnenpaste ausgepresst. Die so gewonnene Sojamilch lässt sich – ähnlich wie Kuhmilch bei der Käseherstellung – durch Zugabe von Stoffen zum Gerinnen bringen. Nach dem erneuten Auspressen des Quarks bleibt Tofu zurück. (zmc)

Auch interessant

Kommentare