Bad Sooden-Allendorf: Hausgemeinschaft befürchtet Kündigungen

In Sorge vor Zwangsversteigerung und Kündigung: (von links) Günter Eymer und Ehefrau Rosemarie Eymer, die Eigentümerin des Hauses im Hintergrund, Sabine und Wolfgang Knop sowie Friedhelm Neuenroth (mit Hund Amie) sind fünf der Bewohner, die noch auf eine gütliche Lösung hoffen, um nicht ausziehen zu müssen. Foto: Forbert

Bad Sooden-Allendorf. Ein Termin zur Zwangsversteigerung eines Mehrfamilienhauses in Sooden erregt derzeit die Gemüter. Die zehn Bewohner befürchten, noch in diesem Jahr auf die Straße gesetzt zu werden.

Und unter ihnen gibt es auch besondere Härtefälle, so einen gehbehinderten Rentner, für den extra eine barrierefreie Wohnung geschaffen wurde.

Bei Häusern, die per Zwangsversteigerung den Eigentümer wechseln, räumt der Gesetzgeber demjenigen, der den Zuschlag für die Immobilie bekommen hat, ein besonderes Recht ein: Er darf, heißt es im Paragraphen 57a des Zwangsversteigerungsgesetzes (ZVG), das Miet- oder Pachtverhältnis „unter Einhaltung der gesetzlichen Frist“ kündigen. „Das macht die Sache für Mieter schwerer“, spricht Geschäftsführer Volker Giebel vom Mieterbund Nordhessen in Kassel von einer „hoch komplexen Materie“. Entsprechend empfiehlt er den Mietern, sich beraten zu lassen.

Und er macht den Betroffenen Mut: Es gebe noch einige Mieterrechte. So könne man beispielsweise mit Härtefallrechten eine Kündigung zu Fall bringen.

Außerdem muss die Kündigung durch den neuen Eigentümer sehr schnell erfolgen, sonst ist sie laut Gesetz „ausgeschlossen“. Auch müsse der neue Eigentümer einen konkreten Kündigungsgrund nennen, äußert sich die Fachanwältin Andrea Fey auf der Internetseite www.deutsche-anwaltshotline.

Der Fall in Bad Sooden-Allendorf läuft bereits seit vielen Jahren, und der Zwangsversteigerungstermin am 3. Dezember ist auch nicht der erste. Am 16. Januar 2015 war der Zuschlag versagt worden.

Und zur Zwangsversteigerung kommt es nach Angaben von Hauseigentümerin Rosemarie Eymer auch nur, weil die Bank trotz stets regelmäßiger Abzahlung einer alten Geschäftsschuld, für die mit dem Mehrfamilienhaus gebürgt wurde, die Schulden mittlerweile auf einen Schlag getilgt bekommen möchte.

Das Motiv für dieses Verlangen ist von dem Geldinstitut nicht zu erfahren. Sein Pressesprecher verweist auf das Bankgeheimnis und den Datenschutz, weshalb er trotz einer Auskunfts-Vollmacht von Rosemarie Eymer keinerlei Informationen zu dem Fall geben könne. Allgemein sagte er lediglich, dass sein Kreditinstitut ein hohes Interesse daran habe, eine Zwangsversteigerung zu vermeiden: „Wir versuchen immer, vorher eine gütliche Lösung zu finden.“

An einer gütlichen Regelung ist auch Rosemarie Eymer und ihr Ehemann Günter gelegen, wie sie sagen. Sie möchten eine Umschuldung vornehmen und hatten auch schon eine Kreditzusage von einer anderen Bank. Doch die sei zurückgezogen worden, als der Mindest-Kaufpreis für die Immobilie von dem Geldinstitut halbiert wurde. Damit sank quasi der Wert der Sicherheit für den neuen Kredit.

Nun hofft die Hausgemeinschaft, dass die vor wenigen Wochen erst angerufene Schlichtungsstelle des Geldinstituts rechtzeitig vor dem Gerichtstermin hilft.

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