Stücke von Schubert, Schumann und Tschaikowski

Professor springt ein: Leonid Gorokhov gestaltet begeisterndes Konzert

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Überraschten im Wappensaal: Cellist Leonid Gorokhov und Pianist Masahiro Masumi.

Bad Sooden-Allendorf. Eine tragische Verletzung kann auch schöne Folgen haben - zumindest am Freitag beim Konzert der Reihe „Weltklassik am Klavier" in Bad Sooden-Allendorf.

Das Publikum hatte sich eigentlich auf einen schönen Abend mit Klavier und (diesmal ausnahmsweise) Cello gefreut - und bekam einen Abend in einer unerwarteten, fabelhaften Qualität. Denn die geplante Besetzung konnte nicht auftreten: der vorgesehene Jungcellist Aleksey Shadrin hatte sich verletzt. Um den Abend zu retten sprang stattdessen sein Professor, der renommierte Cellist Leonid Gorokhov, kurzfristig ein.

Er brachte als Klavierpartner den jungen Japaner Masahiro Masumi mit - Beide gestalteten einen berauschenden Konzertabend. Gorokhov war der Superstar, aber auch Masumi begeisterte: vor der Pause mit tadelloser Begleitarbeit, nach der Pause mit eigener Ausstrahlungskraft, denn bei der Sonate für Violoncello und Klavier, einem Jugendwerk von Rachmaninov, hörte man zwei superbe, gleichberechtigte Partner, die das auftrumpfende Werk des Russen kraftvoll und ausdrucksstark interpretierten.

Vor der Pause hatte der Cellist Gorokhov die Zuhörer mit seiner Kunst in atemloser Bewunderung versetzt. Der 1967 in St. Petersburg Geborene studierte in seiner Heimatstadt. Nach einer internationalen Karriere als Interpret und nach einer Professur in England unterrichtet er nun seit einigen Jahren an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.

Im Wappensaal gestaltete er mit einem Adagio und Allegro von Schumann, vor allem aber mit der wundervollen Arpeggione Sonate von Franz Schubert ein sinnliches, unvergessliches Ohrenfest. Auswendig spielend an diesem Abend, ließ er die stürmische, melodiöse Sprache Schuberts sich voll entfalten. Mit meisterhafter Bogenführung und einem untrüglichen musikalischen Gefühl überzeugte er beim einfühlsamen Adagio wie beim strürmischen Finale. Es war eine mit virtuoser Leidenschaft vorgetragene Lehrstunde, ohne Starallüren von einem Künstler vorgetragen, der neben der Musik auch mit geistreichen, in akzentfreiem Deutsch vorgtragenen Kommentaren das Publikum begeisterte.

Nach dem tosenden Applaus für Cellisten und Pianisten gab es zwei Zugaben, zuletzt einen ätherischen Walzer von Tschaikowski. Ein sicherlich nicht oft wiederholbarer Genuss.

Von Francisco Pujiula

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