Bad Sooden-Allendorf: Stadtmauer stürzte vor Sanierung zum Fischerstad

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Bad Sooden-Allendorf. Bevor im Frühjahr mit der geplanten Sanierung begonnen werden konnte, ist am Dienstag ein Teil der 800 Jahre alten Stadtmauer in Allendorf zusammengestürzt.

Auf 20 Meter Länge rutschten die schweren Sandsteine samt Geländer zum Fischerstad nahe der Werra hin ab.

Sicherheitsvorkehrungen waren schon vor eineinhalb Jahren getroffen worden, nachdem bei Kanalarbeiten in der Straße Hinter der Mauer festgestellt worden war, dass sich die Mauer nach außen bewegt. So wurde nun zum Glück auch kein Mensch verletzt und nach ersten Erkenntnissen kam es auch nicht zu Schäden an Häusern. Die Mauersteine fielen in den Garten am Hang gegenüber den Fischerstad-Häusern und wurden von einer hölzernen Sicherungswand aufgehalten.

Von einem „komischen Geräusch“, einer Art „dumpfer Schlag“ spricht Sonja Jilg, wie sie den Absturz der Mauer wahrgenommen hat. Das muss gegen 18.45 Uhr gewesen sein. Die 49-Jährige, die das kleine Fachwerkhaus direkt gegenüber dem jetzt weggebrochenen Stück mit ihrem Mann und zwei Söhnen bewohnt, informierte auch die Stadt über das Ereignis.

Die Feuerwehr übernahm danach das Sichern und Absperren des Bereichs. Mit einer Wärmebild-Kamera wurde zudem in den Steintrümmern nach möglicherweise Verschütteten gesucht. Und noch bis kurz vor Mitternacht wurde unter Leitung der Schreinerei Immig die hölzerne Schutzwand am Fischerstad verstärkt und erweitert.

Die Straße Hinter der Mauer bleibt zwischen Mühlgasse und Kirchstraße vorerst gesperrt. Die Fahrbahn ist zum Teil auch mit abgerutscht.

Hinweise auf eine Gefährdung der Häuserreihe gegenüber der Abbruchstelle gibt es nach Aussage von Diplom-Geologen Thomas Deichmann nicht. Der Geschäftsführer des Baugrund-Instituts (Kassel/Hann. Münden), das die Untersuchungen der Mauer bislang schon vornahm, kündigte dennoch sicherheitshalber eine sofort beginnende messtechnische Überwachung der Gebäude an.

Eine akute Einsturzgefahr sei aus den bisherigen Untersuchungen nicht abzuleiten gewesen, sagte der Experte. Er sprach davon, dass der nicht mehr standsichere Mauerabschnitt „aus Altersschwäche“ eingestürzt sei.

Am Montag soll damit begonnen werden, die Böschung durch eine Stahlbetonschale zu sichern, um ein weiteres Abbrechen über den Jahreswechsel zu verhindern. Wenn es die Witterung dann zulasse, soll die Mauer mit den alten Steinen vor der Spritzbetonschale wieder aufgebaut werden.

Ursprünglich sollte die Sanierung der Mauer Anfang November beginnen. Doch nach Bedenken der Denkmalpflege wurde ab Juli noch einmal umgeplant – und sogar eine kostengünstigere Variante gefunden, die im Frühjahr umgesetzt werden sollte. Das hat sich seit Dienstagabend allerdings erledigt.

Stadtmauer rutscht kurz vor der Sanierung ab

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