Bad Sooden-Allendorfer will von Deutschland nach Portugal wandern

Mit Klappspaten, Wassertank und Lebenslauf: Folke Ludewig aus Weiden zieht wieder mit seinem Handwagen in die Lande. Start zum zweiten Klostermarsch soll Mitte Februar sein. Das Gepäck, das er mitnehmen will, hat er vorsorglich schon auf zwei Tischen zurecht gelegt. Foto: Bretzler

Weiden. „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen." Folke Ludewig liebt dieses Goethe-Zitat nicht nur, er lebt es.

Ob Eiseskälte oder Hitze, Berg oder Tal, Feldweg oder Bundesstraße - der 57-Jährige läuft und läuft und läuft. Jetzt packt er seinen Handwagen erneut. Denn Mitte Februar bricht er zur wohl ungewöhnlichsten Wanderung seines Lebens auf.

Denn diesmal hat Folke Ludewig kein Ziel. Kloster-, Burgen-, Schlösser- und Herrenhäuser-Marsch nennt er sein Unterfangen. „Diesmal geht’s im Zickzack durch die Lande.“ Viel besichtigen will er, aber auch arbeiten. Mit Gelegenheitsjobs vor Ort will er die Reise finanzieren, die immerhin mindestens ein Jahr dauern soll. „Ich bin das typische Mädchen für alles“, sagt Ludewig, der schon als Betriebshelfer auf Höfen, in Großküchen und als Messebauer tätig war.

Mitnehmen kann er nicht viel. Nur das, was auf den kleinen Handwagen passt, der ihn überall hin begleitet. Das liegt bereits ordentlich aufgereiht auf zwei Tapeziertischen in der Wohnküche seiner Wohnung auf einem Bauernhof in Weiden, dem kleinsten Badestädter Stadtteil.

Da findet sich neben der nötigsten Kleidung, Schlafsack, Gaskocher, Geschirr und Zelt auch noch Seil, Klapp-Spaten, Landkarte, Taschenlampe, Kamera, Notizblock und eine Deutschlandfahne. Mit dabei sind auch Einwegrasierer und ein ausgedruckter Lebenslauf in Klarsichtfolie. „Schließlich will ich mich überall ordentlich vorstellen und nicht aussehen wie ein Penner!“

Zwei große Steine und Pfefferspray gegen aufdringliche Tiere oder Menschen hat er auch immer griffbereit. „Ich bin auf meinen Touren auch schon in unangenehme Situationen geraten“, berichtet Ludewig. „Bis jetzt ist aber immer alles gut ausgegangen.“ Zwei Zentner wird sein Gefährt am Ende wiegen, „da kommt man ordentlich ins Schwitzen. Mehr geht nicht!“

Interessant ist aber nicht nur, was Ludewig dabei hat, sondern vor allem, was er nicht dabei hat. „Ich verzichte auf Technik wie Smartphone und Navigationsgerät.“ Nur ein einfaches Handy für den Notfall hat er dabei. Und auch das schaltet er nur selten ein. „Da draußen steht man für sich allein. Technik kann ausfallen. Ich verlasse mich lieber auf meine Intuition. Das eigene Gespür muss trainiert werden, damit es einen leiten kann. Sonst ist man verloren.“

Dass man auch mal nicht ankommt und eine Tour abbrechen muss, nimmt der 57-Jährige sportlich. Natürlich wurmt es ihn ein bisschen, wenn er ein selbst gestecktes Ziel nicht erreicht. „Aber das ist halt so. Manchmal spielt etwas nicht mit - Gesundheit, Wetter oder Material - und schon ist es vorbei.“

Wichtig ist ihm, seinem inneren Drang zu folgen. „Ich muss draußen leben, die Freiheit genießen und die Welt entdecken.“ Oder wie Goethe sagen würde: „Man reist nicht nur um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein.“

Schon 24.000 Kilometer in den Füßen

Unglaubliche 24.000 Kilometer - verteilt auf neun Märsche durch Europa - hat Folke Ludewig bisher zurückgelegt.

• Tour eins startete Ludewig im Jahr 2006. Sie führte ihn von Weil am Rhein bis Rügen, Cap Arkona, 1200 Kilometer. • 2007 ging’s von Portugal bis Schweden, 6200 Kilometer.

• 2009 Wanderung entlang 16 deutscher Flüsse. Bilanz: 2300 Kilometer.

• Im Oktober 2009 ging’s die europäische Küste entlang bis Gibraltar, 3100 Kilometer.

• 2010 wanderte er die deutsche Grenze ab, von Konz bis Konz, 4300 Kilometer.

• Sein Frauenfußball-Weltmeisterschaftsmarsch führte 2011 von Sevilla über Portugal, Frankreich bis nach Berlin, 4700 Kilometer.

• 2012 folgte der erste Klostermarsch von Fehmarn bis Garmisch, 1300 Kilometer.

• Nordhessen-Marsch 2013, 450 Kilometer.

• Drei Edersee-Märsche 2014, 360 Kilometer.

• 2015: Der zweite Klostermarsch soll durch Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal führen.

 

Von Kathrin Bretzler

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