Sie stammen aus dem Viktorianischen Zeitalter

St.-Crucis-Kirche: Orgel bekommt alte Pfeifen aus Cambridge

Auf Besichtigungstour: In Gersfeld in der Rhön spielte der Orgelbauer Dr. Markus Voigt für die Mitglieder des Arbeitskreises die Kirchenorgel. Es lauschten (von links) Pfarrer Thomas Schanze, Rene Hilbert, Gottfried Pirschel (verdeckt), Bezirkskantor Christopher Weik, Erwin Haas und Pfarrer Hubertus Spill.

Bad Sooden-Allendorf. Reise von Cambridge nach Bad Sooden-Allendorf: Eine Orgel aus dem Viktorianischen Zeitalter erklingt demnächst in der St. Crucis-Kirche.

Sie wird als die Königin der Instrumente bezeichnet, die Pfeifenorgel, mit der so gut wie jedes Gotteshaus ausgestattet ist. In der St.-Crucis-Kirche in Allendorf schweigt die 1959 gebaute Euler-Orgel allerdings - seit 1972. Nun zeichnet sich ab, dass ab 2018, dem Jubiläumsjahr für Allendorf, wieder eine große Orgel erklingt.

Denn inzwischen ist klar: Die Pfeifen und Register der bisherigen Orgel werden in einer kleineren Kirche in der Nähe von Neapel in Süditalien eine neue Heimat finden. Der Abbau soll schon Ende März, Anfang April erfolgen.

Und an Stelle der Euler-Orgel mit drei Manualen genannten Tastaturen und 31 Registern (Pfeifenreihe) soll ein größeres, für den Kirchenraum angemessenes Instrument entstehen, wie es Pfarrer Hubertus Spill formuliert. Es soll 58 Register mit rund 4000 Pfeifen haben und wird so die größte Orgel im Kirchenkreis Witzenhausen.

Kernstück wird das Innenleben einer viktorianischen Orgel mit drei Manualen und 45 Registern, deren Ursprünge bis 1852 zurückreichen. Sie steht in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in der weltbekannten Universitätsstadt Cambridge in England und soll einem neuen Konzept mit Schlagzeug, Gitarre und E-Piano weichen. Um den Verkauf der Orgel für 25.000 britische Pfund, umgerechnet derzeit 34 500 Euro, gab es in Cambridge zuletzt noch heftige Auseinandersetzungen.

Noch in Cambridge: In der Holy Trinity Church fristet die Orgel von 1852 fast ein Nischendasein. Demnächst sollen die Pfeifen in der St.-Crucis-Kirche in Allendorf erklingen. Fotos: Arbeitskreis/nh

Nach mehreren Gutachten zunächst zur Instandsetzung seit 1988 hatten auch der Kauf einer gebrauchten Orgel oder ein kompletter Orgelneubau für die St.-Crucis-Kirche zur Diskussion gestanden. Doch die Neukonzeption einer Orgel unter Verwendung historischen, also gebrauchten Materials wurde als die günstigere gewählt. Immerhin zwischen 400.000 und 500.000 Euro wird der technische Neubau kosten. Dank der vor vielen Jahren bereits vom ehemaligen Pfarrer Friedrich Abendroth begonnenen Sammlung sind bereits 100.000 Euro an Spenden zusammengekommen.

Der Entscheidung für diese Lösung und den Auftrag an den Orgelbauer Oliver Schulte (Kürten/Bergisches Land) waren, nachdem ab 2011 und vor allem seit Gründung des Arbeitskreises Orgel 2012 wieder zielstrebig auf großen Orgelklang hingearbeitet wurde, auch fünf Orgelfahrten vorausgegangen. Dabei schauten und hörten sich Mitglieder von Kirchenvorstand, Bezirkskantor, Orgelsachverständiger und Pfarrer etliche Instrumente in ganz Deutschland an. Fündig wurden sie dann in England.

Angesichts der Größe und der Herkunft des Instruments gaben sie dem Projekt derweil den Titel „Queen an der Werra“.

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