Mann für (fast) alle Fälle

Tausendsassa im Dienst der Badestädter Kirche

+
Ein Tausendsassa in Diensten der evangelischen Kirche: Michael Ruess an seiner Wirkungsstätte im Soodener Gotteshaus. 

Bad Sooden-Allendorf. Michael Ruess ist Offizier und die gute Seele der St. Marien Kirchengemeinde.

Er schließt die Kirche auf und abends wieder ab, zündet auf dem Altar die Kerzen an, installiert die Mikrofonanlage, teilt die Gesangsbücher aus, stellt bei Bedarf die Heizung an, ist Autor des Gemeindebriefes, den er in seinem Bezirk sogar von Haus zu Haus verteilt: Michael Ruess ist in Soodens evangelischer Kirchengemeinde St. Marien ein Mann für (fast) alle Fälle.

„Lieber etwas Sinnvolles tun, als darauf zu warten, dass der Tag rumgeht“, begründet der 63-Jährige sein ehrenamtliches Engagement. Und seine Kraft bezieht er aus dem christlichen Glauben - „ein Grundpfeiler des gesellschaftlichen Lebens“, wie er sagt.

Der frühere Stabsoffizier, der zuletzt in Bonn für Presse-und Öffentlichkeitsarbeit zuständig war und vor sechs Jahren als Oberstleutnant Abschied von der Bundeswehr nahm, hatte eine Art Schlüsselerlebnis, als er noch ein Kind war. In seiner Konfirmandenzeit, erzählt er freimütig, habe er es „gehasst“, dass beim Kirchgang seine Eltern „nie dabei“ gewesen seien.

Nein, das sollte seinen Kindern nicht passieren. Im Gegenteil: Als der Jüngste seiner heute 26, 27 und 30 Jahre alten Sprösslinge während dessen Vorbereitung auf die Konfirmation den Kirchentag besuchte, begleitete der Papa den Filius sogar bis nach Frankfurt. Und auch anderweitig stand Ruess auf der Matte, wenn er das Gefühl hatte, der Kirche nützlich sein zu können. Beinahe zwangsläufig kam bei „seinem“ Pfarrer die Frage nach einer Mitarbeit im Kirchenvorstand auf. Ruess - „Ich habe einen Sprachfehler und kann nicht Nein sagen“ - willigte ein und wurde im Jahr 2009 auf Anhieb in das 13-köpfige Gremium gewählt.

Michael Ruess, der Ruheständler im klerikalen Unruhestand - „Seit ich Pensionär bin, habe ich keine Zeit“ - ist regelmäßig an der Vorbereitung der Gemeindefeste beteiligt, sammelt im Küsterdienst die milden Gaben der Gottesdienstbesucher ein, rechnet den Inhalt des Klingelbeutels ab und hat viel Freude daran, Kurgäste in die Geschichte „seiner“ Salzkirche einzuweihen.

Wärmstens empfohlen von Soodens Pfarrer Dr. Daniel Bormuth, gehört Michael Ruess seit vier Jahren dem Kreiskirchenvorstand an und wacht im Finanzausschuss über die Gelder des Kirchenkreises Witzenhausen.

Auch weitere Ehrenämter hat Ruess inne. Zusätzlich zu seinem kirchlichen Engagement ist er als Kommunalpolitiker aktiv. Als Ortsgerichtsvorsteher beglaubigt er Unterschriften, schätzt den Wert von Grundstücken und Gebäuden und fungiert obendrein noch als pädagogischer Leiter bei jungen Flüchtlingen im „Second Home“ in Bad Sooden-Allendorf, denen er mit Rat und Tat zur Seite steht.

Nächstenliebe ist für den 63-Jährigen ein Dogma. Vielleicht ist auch das der Grund, warum er als Berufssoldat im Kosovo ein trauriges Erlebnis noch in frischer Erinnerung hat.

Dort begegnete er einer Muslimin, deren sechsjährige Tochter schwer erkrankt war. Dem Kind schenkte er eine kleine Schutzengel-Figur in der Hoffnung, dass es bald wieder gesund würde. „Ich wollte etwas Gutes tun. Aber leider kam es anders“, erzählt Ruess noch heute mit sichtbarer Betroffenheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.