Dammhaus ist geschlossen

Tote Hose im Freudenhaus: Pandemie verdirbt das Geschäft mit der käuflichen Liebe

Freier haben derzeit keine Chance: das Bordell Dammhaus am Rand von Bad Sooden-Allendorf.
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Freier haben derzeit keine Chance: das Bordell Dammhaus am Rand von Bad Sooden-Allendorf.

Die Corona-Pandemie betrifft alle Lebensbereiche: Auch das Dammhaus in Bad Sooden-Allendorf ist geschlossen. Wann das Bordell wieder öffnen darf, ist nicht absehbar. 

Bad Sooden-Allendorf – „Hoffentlich ist das bald vorbei“, stöhnt Baran. Mit seiner Mischlingshündin Kicsi auf dem Schoß nimmt der 51-Jährige gerade ein Sonnenbad vor dem Dammhaus in Bad Sooden-Allendorf. Das Bordell mit Barbetrieb ist wegen der aktuellen Corona-Krise geschlossen, und ein Ende ist nicht absehbar: Tristesse im Freudenhaus.

Seit zehn Jahren ist Baran, der seinen vollständigen Namen nicht nennen will, Geschäftsführer des Bordells. Hier ist der Körperkontakt naturgemäß besonders eng. Weil der aber aus einleuchtenden Gründen zurzeit verboten ist, leiden auch die Liebesdienerinnen. Es kommt kein Geld in die Kasse.

Pamela, Christine und Monique (Namen von der Redaktion geändert) hocken meistens tatenlos auf ihrem Zimmer, vertreiben sich die Zeit vor dem Fernsehgerät oder surfen im Internet. Oft nehmen die drei Rumäninnen auch Kontakt zu ihren Kindern auf, die in der Ferne bei den Großeltern untergekommen sind. „Da fließen manchmal auch die Tränen“, weiß Baran, der Kurde mit türkischem Pass.

Der war als ausgebildeter CNC-Dreher und Fräser zuletzt im rheinland-pfälzischen Zweibrücken Abteilungsleiter bei einer Firma, die 2009 die Finanzkrise nicht überlebte.

Gähnende Leere: Wo sonst freizügige Damen aufreizend tanzen, hält sich Baran an der Stange fest. 

Das Dammhaus hat Baran von einem Kasseler Unternehmer gepachtet, der mehrere solcher Clubs sein Eigen nennt. Die Zimmer für die käufliche Liebe vermietet er an die Damen, die dem horizontalen Gewerbe selbstständig nachgehen. Abgerechnet, sagt der 51-Jährige, werde „auf Minutenbasis“. Ohne Sonderwünsche kostet das Schäferstündchen 50 Euro pro 20 Minuten: „Wir machen halbe-halbe.“ Weil zurzeit aber tote Hose herrscht, versorgt Baran nach eigenen Angaben die Sexarbeiterinnen aus eigener Tasche mit Essen, Getränken und Zigaretten. Manchmal werde gemeinsam gekocht, meistens aber individuell.

Seit das Coronavirus mit seinen Einschränkungen als Folge auch hierzulande grassiere, sei die Stimmung gedrückt. „Späße oder kleine Streiche – das gibt’s nicht mehr.“ Die Damen seien traurig, zum Teil sogar depressiv. Zu viert seien sie am Anfang der Krise noch gewesen. Dann aber sei Bianca (Name geändert) „abgehauen“. Und Baran ist überzeugt: „Die arbeitet jetzt schwarz in Berlin.“

Es sei „für uns alle eine schwierige Zeit“, gesteht er. „Aber wir werden den Laden nicht einen Tag früher aufmachen, als wir dürfen“, zeigt er sich fest entschlossen durchzuhalten.

Verärgert ist er über jene Möchtegern-Freier, die zu nächtlicher Stunde Sturm klingelten und um Einlass bäten mit dem Ansinnen, eine Ausnahme zu machen. Meistens seien diese „Vollidioten“ auch noch besoffen. Die Polizei, bei der er künftig Anzeige erstatten werde, „hätte schon 20 Führerscheine kassieren können.“

Mit der Stadtverwaltung von Bad Sooden-Allendorf stehe man in einem guten Kontakt, versichert Baran. Er lobt die aktuellen Aktionen für Bedürftige und fügt großherzig hinzu: „Wenn die an unsere Tür klopfen, sind wir auch bereit zu helfen.“

Lesen Sie alle News zum Coronavirus im Werra-Meißner-Kreis in unserem Ticker.

Von Chris Cortis

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