Eqos verängstigt Grundstückseigentümer

Kartierungsfirma droht mit Zwangsgeld – Bürgerinitiative gegen Suedlink empfiehlt abzuwarten

Widerstand hält an: Gegen das Erdkabelprojekt Suedlink, dessen vorgeschlagene Vorzugstrasse in Bad Sooden-Allendorf direkt hinter den neuen Häusern am Zimmersweg (Foto) verläuft, wird nicht nur von Grundstückseigentümern weiterhin protestiert. 
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Widerstand hält an: Gegen das Erdkabelprojekt Suedlink, dessen vorgeschlagene Vorzugstrasse in Bad Sooden-Allendorf direkt hinter den neuen Häusern am Zimmersweg (Foto) verläuft, wird nicht nur von Grundstückseigentümern weiterhin protestiert. 

Faunistische Kartierung soll  zwischen Anfang Februar und Ende Oktober erfolgen. Firma Eqos rennt die Zeit weg. 

Eigentümer von Grundstücken auf den geplanten Erdkabeltrassen des Starkstrom-Transitprojektes Suedlink durch den Werra-Meißner-Kreis sind verunsichert bis verängstigt. Anlass dazu ist das jüngste Schreiben des Unternehmens Eqos Energie Deutschland an jene, die ihnen das Betreten ihrer privaten Flächen untersagt haben.

Die Firma Eqos will im Auftrag der Suedlink-Vorhabenträger TransnetBW und Tennet alle Trassenkorridore bezüglich dort lebender Tierarten untersuchen. Nun rennt ihr die Zeit weg, weil die Arbeiten für die sogenannte faunistische Kartierung zwischen Anfang Februar und Ende Oktober erfolgen sollen.

Eqos hatte im November 2019 rund 1400 Grundstückseigentümer im Werra-Meißner-Kreis zwischen Witzenhausen und Herleshausen angeschrieben mit dem Verlangen, eine Vollmacht nicht allein zum Betreten von Liegenschaften, sondern auch zum Aufstellen von Fallen und Fangnetzen zu unterschreiben.

Vordrucke zum Widerspruch von der BI

Die Bürgerinitiative (BI) Werra-Meißner gegen Suedlink hatte wiederum zum Widerstand dagegen aufgerufen und Vordrucke zum Widerspruch zur Verfügung gestellt. Nun bekamen jene, die widersprachen, erneut Post von Eqos. Sie sollen – mit Frist Mitte März – ihre Betretungs- und Befahrungsverbote zurücknehmen und damit die Kartierungsarbeiten zulassen. Ansonsten will die Firma bei der zuständigen Bundesnetzagentur eine Duldungsanordnung erwirken. Diese solle gleich mit der „Anordnung der sofortigen Vollziehung“ sowie der „Androhung eines Zwangsgeldes“ verbunden werden. Und überdies weist Eqos auch auf mögliche Ansprüche auf Schadensersatz hin.

Allein bei BI-Vorsitzendem Stefan Heuckeroth-Hartmann (Bad Sooden-Allendorf) meldeten sich bis Dienstagabend 37 Briefempfänger, wie er berichtete. Alle hätten mitgeteilt, einen Schrecken bekommen zu haben. Und einige hätten, so Heuckeroth-Hartmann, inzwischen auch schon unterschrieben.

Drohbrief erinnert an schlechtes Inkassoschreiben 

Da werde ein Drohbrief aufgesetzt, der „an ein schlechtes Inkassoschreiben“ erinnere, kommentiert der BI-Sprecher die Post von Eqos. Er empfiehlt allen Eigentümern, auf den Brief nicht zu reagieren, sondern abzuwarten, „ob wir mit Zwangsgeld gezwungen werden sollen“. Man wolle den Widerstand aufrecht halten.

Gegen eine Duldungsanordnung müsste man dann in einem Eilverfahren mit einem Antrag auf sofortige Aussetzung reagieren, sagte Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix. Dann sei zu prüfen, ob die faunistische Kartierung zum „jetzigen Stand der Planung“ des Trassenkorridors zulässig sei. Die Stadt hat laut Hix bereits eine rechtliche Prüfung durch den Hessischen Städte- und Gemeindebund erbeten. Laut Heuckeroth-Hartmann sucht die BI auch schon einen Anwalt, der sich der Klagen gegen eine Duldung der Untersuchungen auf den Grundstücken annehmen würde.

Reaktionen von Eigentümern: „Diese Drohungen sind überzogen“

„Diese Drohungen sind überzogen“, findet Eigentümerin Petra Ording aus Bad Sooden-Allendorf, mit dem Schreiben von Eqos werde man „behandelt wie ein Schwerverbrecher“. Sie empfinde „eine Ohnmacht diesem Apparat gegenüber, der sich genötigt sieht, diese Art Geschütze aufzufahren“, sagt sie. Ohne die Unterstützung durch die BI wäre sie „bereits eingeknickt“. „Ich werde mich wehren“, sagt mit Bestimmtheit der Wellingeröder Andreas Kraft, dem im Gebiet der Gemeinde Meißner und im Raum Bad Sooden-Allendorf Flächen gehören. Er sorgt sich um die Folgen, die die Erdkabelverlegung für seinen Wald haben, und spricht sogar von Existenzangst. Marion Holzapfel aus dem Ringgauer Ortsteil Röhrda würde die Rücknahme ihres Verbotes gegenüber Eqos-Schreiben unterschreiben, wie sie sagt, „weil ich einen Rechtsanwalt nicht bezahlen kann“. Allerdings will sie damit „bis zum letzten Tag warten“.

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