Emotionale Inklusionskonferenz

Vieles fehlt bei der Eingliederung Behinderter in die Schulen

Bad Sooden-Allendorf. Um die Inklusion, also die Eingliederung behinderter Schüler an Regelschulen, ging es in einer Konferenz in Bad Sooden-Allendorf, bei der nicht mit Kritik gespart wurde. Schnell wurde es emotional bei der Allendorfer Inklusionskonferenz.

„Vor weiteren bösen Überraschungen werden wir nicht sicher sein“, sagte mit bebender Stimme Lothar Steinfeld, Schulleiter der Witzenhäuser Johannisberg-Schule. Das Thema, das die Zuhörer so aufwühlte: die Inklusion beeinträchtiger Kinder in die Schulen des Kreises.

Lehrer, Politiker und Eltern machten vergangene Woche in der Grundschule in Bad Sooden-Allendorf ihrem Ärger über die Landespolitik Luft. Der Tenor unter den rund 50 Gästen: Im Land werde viel zu wenig Geld für die Förderung behinderter Schüler an den Regelschulen bereitgestellt - obwohl laut Gesetzgeber jede Schule eine Förderung anbieten soll. „Die wenigen Förderlehrer werden zerrieben, den Kindern wird man nicht gerecht“, sagte Johannes Batton vom Schulpersonalrat, der die Konferenz veranstaltete.

Hochkarätig besetzt war das Podium: Neben dem SPD-Landtagsabgeordneten Christoph Degen war auch der Grünen-Parlamentarier Mathias Wagner gekommen. Beide sind die bildungspolitischen Sprecher ihrer Landtagsfraktionen. Sie hörten die Nöte der Lehrer - und fanden für das Publikum unbefriedigende Antworten.

Der Grünenpolitiker Wagner sprach als Vertreter einer Regierungspartei von einem „Leiharbeitertum“ unter den Förderlehrern - und meinte damit, dass diese Lehrkräfte ihren Unterricht und die Beratung häufig an mehreren Schulen anbieten müssen. „Ich bin unzufrieden mit der Umsetzung der Inklusion“, sagte er. „Hoffentlich sind wir nächstes Jahr ein Stück weiter.“ Seit Januar sind die Grünen in Hessen an der Regierung. „Bitte geben Sie uns ein bisschen Zeit, dort nachzusteuern“, sagte Wagner.

Er plädierte für eine „Bündelung der Ressourcen“ an einzelnen Schulen, was vielen Lehrern im Plenum nicht schmeckte. „Unrealistisch. Das widerspricht der wohnortnahen Beschulung“, hieß es aus dem Publikum.

Stattdessen schilderten Lehrer wie der Witzenhäuser Schulleiter Steinfeld, dass die zentral zugeteilten Förderstunden an den Schulen nicht ausreichen, um die Schüler ordentlich zu betreuen. „Die Lehrer werden tendenziell verheizt.“

Kaum Ausbildung 

Kritik äußerten die Lehrer auch daran, dass die Feststellung des Förderbedarfs der Kinder erst ab der dritten Klasse möglich sei. Außerdem würden in den Schulen des Kreises derzeit kaum Förderlehrer ausgebildet. SPD-Abgeordneter Degen sagte, an diesen Punkten müsse dringend gearbeitet werden. Wagner konstatierte: „Dass die Personalausstattung zu schwach ist, wissen wir.“ Die Lehrer hoffen auf Besserung.

Von Jan Schumann

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