Erster Ortsteil von Bad Sooden-Allendorf

Vor 50 Jahren gab Dorf Ahrenberg seine Selbstständigkeit auf

Damals Ahrenbergs Bürgermeister: Georg Immke (84) mit einer Kopie des Eingliederungsvertrags, auf der er – für das Foto – noch einmal zu unterschreiben scheint.
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Damals Ahrenbergs Bürgermeister: Georg Immke (84) mit einer Kopie des Eingliederungsvertrags, auf der er – für das Foto – noch einmal zu unterschreiben scheint.

Genau 50 Jahre ist es her, dass das Dorf Ahrenberg als zweite Mini-Gemeinde des damaligen Kreises Witzenhausen ihre Selbstständigkeit verlor. Die Eingemeindung in die Stadt Bad Sooden-Allendorf erfolgte allerdings freiwillig.

Ahrenberg – Seit dem 1. September 1970 war Ahrenberg mit damals fünf Häusern und laut einem damaligen Zeitungsbericht 26 Einwohnern also „Ortsteil“ der Badestadt. Deren Magistrat mit Bürgermeister Gerhard Harke an der Spitze war extra zur Unterzeichnung des dreiseitigen Eingliederungsvertrags in die Ahrenberger Gaststätte gekommen, erinnert sich Georg Immke, damals seit wenigen Jahren der Bürgermeister der Gemeinde und danach noch bis zur Jahrtausendwende Ortsvorsteher, noch gut.

Und – war es die richtige Entscheidung, hat sich der frühzeitige Anschluss an die Stadt gar gelohnt? Immke resümiert zufrieden: „Wir konnten nichts gewinnen, aber auch nichts verlieren.“ Über kurz oder lang wäre man sowieso eingemeindet worden, sagt der heute 84-Jährige. Da habe man gleich den Antrag auf Eingliederung gestellt, um sich selbst weitere bürokratische Arbeit zu ersparen.

Außerdem, fügt Immke sofort an, hätten die Ahrenberger schon immer ein „sehr gutes Verhältnis“ mit der nahen Stadt gehabt. Kirchenmäßig habe man auch zu Sooden gehört. Und die Kinder seien seit Langem dort in die Schule gegangen, verweist er auf das Gastschulrecht in Sooden seit 1832. Wobei: „Wir mussten noch zu Fuß gehen“, erinnert sich Immke. Für die vier Kilometer hätten die jungen Ahrenberger eine Dreiviertelstunde gebraucht – morgens. Mittags, bergauf, habe es länger gedauert.

Mit der Eingemeindung kam sogar der Schulbus, auch wenn es da noch am ehesten ein Problem gegeben hätte. Denn es war strittig, wer den Schülertransport bezahlen sollte. Noch-Bürgermeister Immke machte dann beim Landkreis genügend Druck. „Das war gut, dass die Kinder dann mit dem Bus abgeholt und wieder gebracht wurden“, erinnert sich auch Gerda Lückert noch. Die heute 85-Jährige saß damals ebenfalls in der kleinen Gemeindeversammlung, die für die Eingliederung stimmte und dann durch einen Ortsbeirat ersetzt wurde. Bald kam dann auch erstmals der Kindergartenbus nach Ahrenberg.

Luftaufnahme: Von 1992 oder 1993 stammt dieses Foto, das auf einer Ansichtskarte gedruckt ist

Eine eigene Feuerwehr hatte das Dorf „mangels Masse“ noch nie, wie Immke sagt: „Wir konnten keine große Spritze kaufen – und auch nicht betätigen.“ Um den Brandschutz kümmerte sich stets das zweieinhalb Kilometer entfernte Ellershausen mit. Aber zum Glück hat es in den vergangenen mehr als 100 Jahren in Ahrenberg auch nicht gebrannt, sagt Immke.

Also nur Vorteile durch die Eingliederung? Ja. Auch Vermögen, weiß Immke noch, „hatten wir keines“, stattdessen geringe Restschulden für ein Stück Feldweg, das man schon Jahre zuvor ausgebaut hatte.

Überhaupt: Etliches hatten die Ahrenberger vor der Eingliederung erledigt: 1967 wurde – zusammen mit Ellershausen – die Wasserversorgung geregelt. Auch der große Parkplatz am Ortseingang wurde 1967 angelegt, nachdem das letzte Drittel der einzigen Zufahrtsstraße asphaltiert war. Ebenfalls 1967 wurden mehr Telefonanschlüsse gelegt – bis dahin gab es nur einen. Heute warten die Ahrenberger darauf, dass man ans Glasfasernetz angeschlossen wird. Die Stadt kann da nichts machen, im Gegenteil. Die hat vor zwei Jahren sogar 30 000 Euro extra dafür locker gemacht, dass das Dorf überhaupt auch ans Breitbandnetz angeschlossen werden kann.

Was hat die Stadt in den vergangenen 50 Jahren noch für seinen kleinsten Ortsteil getan? Die Wassertretstelle nahe dem Privatfriedhof angelegt, den Platz um die große Linde aufgehübscht und – zusammen mit den Jagdgenossen – weitere Feldwege ausgebaut, zählt Immke auf. Unzufrieden klingt er dabei nicht.

Und was hat sich in den vergangenen 50 Jahren sichtbar verändert in dem Ort? Das Berggasthof-Hotel sei viel größer geworden, zudem entstanden in Privatinitiative vier Ferienhäuser. Und seit diesem Jahr habe auch der letzte der einst vier Vollerwerbs-Höfe den Betrieb eingestellt; lediglich eine Pferdehaltung gebe es noch.

Was war noch? Zwei Mal wurde im vergangenen halben Jahrhundert Kirmes gefeiert. Beim ersten Mal seien viele Leute da gewesen, beim zweiten Mal habe es sich schon nicht mehr gelohnt.

Die Zahl der Einwohner blieb in den vergangenen 50 Jahren ziemlich konstant, aktuell sind 30 gemeldet. Allerdings sind sechs schon über 80 und weitere sechs über 70 Jahre alt – und der Schulbus fährt nicht mehr hoch. (Von Stefan Forbert)

Früheste Erwähnung schon 1130

1387 wird der Ort Ahrenberg erstmals als hessisches Lehen im Besitz der Adelsgeschlechter derer von Dörnberg erwähnt. Die früheste schriftliche Erwähnung der Gehöftgruppe findet sich bereits im Jahr 1130 in den Urkunden der Markgrafen von Meißen – darin wird der Ort schon als „Arenberg“ bezeichnet. So steht es in der jüngsten Chronik der Stadt Bad Sooden-Allendorf – „Eine Zeitreise“ – von 2018. Die vier Höfe wurden von sogenannten Erbmeiern bewirtschaftet, die jährlich einen Zins an den Lehensherrn zu entrichten hatten. (sff)

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