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Was am Brunnen vor dem Tore hätte passieren können

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Von: Stefan Forbert

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Die gezeichnete Ansicht vom Zimmersbrunnen mit der Linde in Allendorf ist Motiv für das Titelbild der Comicnovelle „Der Lindenbaum“.
Baum und Brunnen: Die Ansicht vom Zimmersbrunnen mit der Linde in Allendorf ist Motiv für das Titelbild der Comicnovelle „Der Lindenbaum“. © Martin Schülbe

Ob es wirklich so war, dass dem Dichter Wilhelm Müller vor 200 Jahren ausgerechnet am Brunnen vor dem Steintor in Allendorf, im Schatten der Linde sitzend, die Idee zu seinem durch die Vertonung von Franz Schubert berühmt gewordenen Gedicht kam, ist bis heute nicht geklärt. Und wird – wenn auch nicht in Bad Sooden-Allendorf – allgemein für nicht unbedingt wahrscheinlich gehalten.

Bad Sooden-Allendorf – „Am Brunnen vor dem Tore“ – an dieses bekannte Volkslied denkt aber wohl jeder Einheimische unweigerlich, wenn er an dem markanten Ensemble Baum und Brunnen in Allendorf vorbeikommt. Wie es hätte sein können, als Wilhelm Müller – so er denn tatsächlich dort gewesen sein sollte – unter einer Linde am Brunnen vor dem südöstlichen Stadttor Allendorfs eingeschlafen ist und schließlich ein paar Tage in der Stadt blieb, davon erzählt eine, vom Autor so bezeichnete Comic-Novelle. Das 88 Seiten umfassende Buch ist jetzt herausgekommen. Als Titel dient der ursprüngliche des berühmten Gedichts: „Der Lindenbaum“.

Martin Schülbe, in Bad Sooden-Allendorf aufgewachsen und mittlerweile Wahl-Nürnberger, schildert die fiktive Geschichte vom Aufenthalt des im Traum dichtenden, an gebrochenem Herzen leidenden Wilhelm Müller mit vielen bunten und von verschiedenen Perspektiven geprägten Zeichnungen. Die ausdrucksstarken farbigen Szenen führen auch ohne Sprechblase – und viele Bilder sprechen für sich – fesselnd durch die Geschichte. Ebenso freut man sich, hin und wieder auch auf eine bekannte Stadtansicht zu stoßen.

Mit seinen feinen Strichen zeigt Martin Schülbe, der beruflich im journalistischen und künstlerischen Bereich unterwegs ist, eine weitere Facette seines Könnens – die vorliegende Comic-Novelle ist seine erste Arbeit, die der 43-Jährige als Zeichner veröffentlicht.

Weitere dieser auch sogenannten Graphic Novels, wieder mit viel Lokalkolorit, sind übrigens bereits im Werden: Darin stehen dann der Eschweger Dietemann und die Witzenhäuser Kirschenkönigin im Mittelpunkt.

Das Buch ist erhältlich für 22,70 Euro im Buchhandel und im Internetshop martinschuelbe.de/collections.

Legende: Martin Schülbe: Der Lindenbaum, Martin-Schülbe-Verlag, Nürnberg, 2022, 88 Seiten, ISBN 978-3-91-033000-9

Martin Schülbe am geschmückten Zimmersbrunnen.
Autor und Zeichner: Martin Schülbe am geschmückten Zimmersbrunnen. © Martin Schülbe

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