Bad Sooden-Allendorf

Weiterhin Brot und Speck für Bedürftige

Abschrift des Testaments von Bernhard Waldis: Die Stiftungs-Patrone Siegfried Kirchmeier (links) und Werner Amlung halten das älteste Dokument der Brot- und Speck-Stiftung in der Hand. Es ist eine Testaments-Abschrift von Georg Strube vom 19. Oktober 1857. Foto: Forbert

Bad Sooden-Allendorf. Vor 450 Jahren, genau am 2. Dezember 1564, unterzeichnete in Allendorf der reich begüterte Pfänner und Ratsherr Bernhard Waldis sein Testament.

Darin stiftet er eine „Ewige Donation“, also eine dauerhafte Schenkung, und beauftragte zwei Patrone, sie sollen „...einen jeden Armen haußnothdürftigen Menschen zu Allendorff und in Sooden, Ein Brodt 6 Heller wohl würdieg und 3en Menschen ein Pfund Speck um Gotteswillen geben und reichen“.

Die Brot- und Speckspende gibt es noch heute, womit die Waldis-Stiftung die älteste der Stadt ist. Allerdings: Nach 1968 wollte kein sozial Bedürftiger mehr die Naturalien, doch die Spende nunmehr von etwas Geld für bis zu zwölf Einzelpersonen und Familien gibt es noch heute.

Darum kümmern sich seit 2003 Werner Amlung und Siegfried Kirchmeier, nachdem Waltraut Mors, die Tochter des Konservenfabrikanten, das Waldis-Vermächtnis seit 1943 verwaltet hatte. Mors starb übrigens erst kürzlich im Alter von 97 Jahren.

Unter der Verwaltung von Kirchmeier, der ein Nachfahre von Bernhard Waldis ist, und Amlung wurde die mildtätige Stiftung 2005 erst als rechtsfähig anerkannt. So konnte das Kapital - neben den letzten drei Äckern unterhalb von Schloss Rothestein mit einem Pachterlös von jährlich 130 Euro auch etwas Geld - mittlerweile um zwei Zustiftungen von insgesamt 40 000 Euro jeweils vom Ehepaar Helga Gunkel-Pötters und Otto Gunkel aus Orferode aufgestockt werden. Seither können rund 1000 Euro alljährlich vor Weihnachten ausgeschüttet werden. Die Auswahl der Empfänger überlassen die Stiftungs-Patrone der städtischen Sozialarbeiterin Annette Ruske-Wolf.

Und erst jüngst ging eine Erbschaft an die Stiftung: Zwei Häuser und eine „große Summe Bargeld“, wie Amlung und Kirchmeier sagen. Das sei „eine richtige Überraschung“ und das größte Geschenk zum Jubiläum“, freuen sie sich über den großzügigen Nachlass von Helga Gunkel-Pötters, die im Sommer 2014 starb, fünf Jahre nach ihrem Mann. Denn in Zukunft könnten sie durch etwas höhere Erträge die Zuwendungen an Bedürftige „ein bisschen mehr streuen“.

Und Brot und Speck, diese Tradition ist Amlung und Kirchmeier wichtig, gibt es auch weiterhin. Damit wird der Wille Bernhard Waldis‘, dessen Bruder Burkhard Pfarrer, Dichter und theologischer Schriftsteller war, auch nach 450 Jahren erfüllt.

Von Stefan Forbert

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