Landwirte kritisieren Politik

Über 300 Besucher beim Kreiserntedankfest in Ellershausen

+
Begleitete den Gottesdienst: der Posaunenchor des Kirchenkreises Witzenhausen unter der Stabfährung von Sebastian Selig.

Deutliche Kritik an der Politik haben die Landwirte aus dem Kreis geübt. Ohne die Europäische Union oder die Bundesregierung  zu erwähnen, beschwerte sich der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Frank Theune, über die  Bürokratie, die den Landwirten schwer zu schaffen mache.

Die gesetzlichen Vorschriften änderten sich schneller, als man deren Umsetzung finanzieren könne, sagte Theune am Sonntag vor mehr als 300 Besuchern des 15. Kreiserntedankfestes auf dem früheren Rittergut in Ellershausen, das als reiner Ackerbaubetrieb in vierter Generation von Ingke Deimel-Kunkel und ihrem Mann Andreas Kunkel geführt wird.

Das frisch vermählte Paar, das nach dem Studium Erfahrungen nicht nur im europäischen Ausland, sondern sogar in Afrika gesammelt hat, hatte das Fest mit einem Team von Helfern glänzend vorbereitet.

Unter einer geschlossenen Hochnebeldecke schützte das Dach der großen Scheune die Besucher vor Regen, der glücklicherweise ausblieb, und eine riesige Plane vor kühlem Seitenwind. An der Stirnseite war der Altar mit Feldfrüchten und Blumen prächtig geschmückt für den ökumenischen Dankgottesdienst, zelebriert von den Pfarrern Hans-Jürgen Wenner (Witzenhausen) und Hubertus Spill (Bad Sooden-Allendorf).

Kritisch äußerte sich Theune auch zu dem Vorhaben, bei Hebenshausen landwirtschaftliche Flächen für die Ansiedlung eines Logistikzentrums zu opfern. Einen so fruchtbaren Boden gebe es „nirgendwo sonst im ganzen Kreis“. 2018, bilanzierte Theune im Übrigen, sei für die Landwirtschaft und noch mehr für die Forstwirtschaft ein schwieriges Jahr gewesen. In Einzelfällen seien von 30 Hektar Wald 25 „kaputt gegangen“.

In seiner Predigt zitierte Pfarrer Wenner den indischen Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi: „Die Welt hat genug für Jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für Jedermanns Gier.“ Die Menschen müssten sich wieder bewusst werden, wer hinter den Gaben stehe, zielte der Geistliche auf Gott. Lebensmittel dürften nicht über tausende Kilometer importiert, sondern sollten als regionale Produkte saisonal geerntet und zu Preisen verkauft werden, „welche die Existenz unserer Landwirte sichern“. Ausdrücklich begrüßte Wenner das weltweite Eintreten der Jugend für einen effektiven Klimaschutz.

Musikalisch umrahmt wurde das Erntedankfest durch den Posaunenchor des Kirchenkreises Witzenhausen mit Bläsern aus Bad Sooden-Allendorf, Hessisch Lichtenau und Witzenhausen, den Kinderchor der Erlöserkirche Witzenhausen und den ökumenischen Kirchenchor Bad Sooden-Allendorf.

Einleitend hatte Michaela Breun als Sprecherin des Forums ländlicher Raum auch die Landtagsabgeordneten Lena Arnoldt und Knut John, Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann und Ersten Stadtrat Günter Leis begrüßt. Fürs leibliche Wohl sorgten die Landfrauen und das Bioland Reulein & Schöne.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.