Ein Hallo nach 60 Jahren

Wie zwei frühere Nachbarskinder wieder zueinanderfanden

Vorerst tut’s nur ein Foto: Wolfgang Tätzsch auf der Terrasse in Hessisch Lichtenau mit einem Bild von Ulrike Richter.
+
Vorerst tut’s nur ein

Es ist kurz nach 18 Uhr. In der Linienstraße 119 b mitten in Berlin klingelt das Telefon. Ulrike Richter greift zu ihrem Handy. Am anderen Ende eine Stimme aus Hessisch Lichtenau. „Hallo Wölfchen, du bist es?“, freut sich die 73-Jährige. So hat sie Wolfgang Tätzsch genannt, als beide noch Kinder waren.

Bad Sooden-Allendorf/Hessisch Lichtenau/Berlin – In der Weinreihe in Sooden haben sie Tür an Tür gewohnt und viel miteinander erlebt. Es ist ihr erster Kontakt nach über 60 Jahren.

Zustande gekommen ist er durch unsere Zeitung. Als aufmerksamem Leser ist dem 79 Jahre alten pensionierten Polizeihauptkommissar nämlich nicht entgangen, dass Ulrike die Hauptrolle gespielt hat in der Hörspielserie „Ollarikchen – die Wilde aus der Weinreihe“.

In diesem Podcast erzählt die bekannte Schauspielerin Katharina Thalbach 60 amüsante Geschichten aus den Kindheitstagen Ollarikchens, die diesen Kosenamen von ihrem Großvater, dem Bäckermeister Otto Gebhardt, erhalten hatte. Aufgeschrieben hatte die Episoden die in Berlin lebende US-Journalistin Sally McGrane.

Die Elternhäuser: In dem kleineren war Wolfgang Tätzsch zu Hause, in dem größeren Ulrike Richter.

Rückblende – Sooden in den 1950er Jahren: „Wir haben im Kurpark Laubhöhlen gebaut und auf der Straße gespielt“, erinnert sich Wolfgang Tätzsch an Ulrike und ihre Geschwister Reiner (76) und Renate (70), die heute in Baden-Württemberg bzw. in Nordrhein-Westfalen leben. Die Ulrike hat er als „sehr abenteuerlustig“ im Gedächtnis. Ein- und ausgegangen sei er im Haus Gebhardt, habe für die Bäckerei Brötchen ausgefahren, zunächst mit dem Fahrrad, später als Beifahrer im Auto von Sohn „Ottchen“. Nach der Schule, so Tätzsch, habe er eine Lehre in der Soodener Tischfabrik Karst & Gunkel begonnen und dort noch zwei Jahre als Geselle geschuftet. Aber: „Die Akkordarbeit lag mir nicht.“ Er ging zur Polizei, und die Wege der Nachbarskinder trennten sich.

Auch Ulrike Richter kehrte ihrer Heimatstadt vorübergehend den Rücken. Als Einzelhandelskauffrau zog es sie für 20 Jahre nach Freiburg. Genau so lang arbeitete sie später als Hotelfachfrau wieder in der Badestadt, ehe sie im Ruhestand in die Bundeshauptstadt wechselte.

Nur bruchstückhaft haben sich die beiden am Telefon ihre Lebensgeschichte erzählt, sind aber fest entschlossen, den wiedergefundenen Kontakt aufrecht zu erhalten. Mehr noch: Schon bald dürfte es ein Wiedersehen geben. Im Juli kommt die 73-Jährige – wie jedes Jahr – nach Bad Sooden-Allendorf. Und dann möchte sie „Wölfchen“ unbedingt dabei haben.

Gut möglich, dass Ollarikchen dann auch eine Episode aus dessen Leben hört: Pubertierend hatte Wolfgang sich unter einem Vorwand von zu Hause entfernt, um ins Kino zu gehen. Es lief der Film „Das Mädchen Rosemarie“. Hinter dem harmlos anmutenden Titel verbarg sich die Edelhure Nitribit. Als das rauskam, erinnert sich Tätzsch, „gab’s ein richtiges Donnerwetter.“  (Chris Cortis)

Podcast-Preis: „Ollarikchen“ geht leer aus

Bad Sooden-Allendorf – Bei der Vergabe des Podcast-Publikumspreises, für den, wie berichtet, auch die in Sooden spielende Hörspielserie „Ollarikchen – die Wilde aus der Weinreihe“ nominiert war, sind die Macher der 60 meist zweiminütigen Episoden leer ausgegangen.

Das gab auf Anfrage Christian Fischler im Namen des Veranstalters bekannt, der sich aus den bundesweit größten Firmen dieser Branche zusammensetzt.

Erst zum zweiten Mal fand dieser Wettbewerb statt, diesmal mit 41 Teilnehmern. Mehr als 326 000 Fans hatten ihr Votum abgegeben.

Gewonnen hat ein Beitrag, der in der Kooperation zweier Teilnehmer aus Berlin und Nordrhein-Westfalen entstanden ist.

Als Preis gab es neben einer Urkunde die Zeichnung eines südamerikanischen Künstlers.

Schirmherr der Abstimmung war der Podcastverein. Diese Initiative aus dem Ruhrgebiet engagiert sich seit Jahren für eine vielfältige Podcast-Community (Gemeinschaft), unterstützt die Vernetzung und fördert den Nachwuchs der deutschsprachigen Podcast-Szene. (zcc)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.