Wieder heimisch: Der Luchs reißt jährlich 360 Rehe im Kreis

Luchse im Werra-Meißner-Kreis: Sie sind nicht unumstritten bei Förstern und Jägern. Foto: Schilling / nh

Bad Sooden-Allendorf. Der Luchs ist in Nordhessen wieder heimisch geworden. Nach über 180 Jahren Abwesenheit fühlt sich die Raubkatze im Werra-Meißner-Kreis so wohl, dass sich regelmäßig Nachwuchs einstellt.

Das erfuhren die Zuhörer eines Vortrages, zu dem der Jagdverein Hubertus Witzenhausen und die Hegegemeinschaft Witzenhausen nach Bad Sooden-Allendorf eingeladen hatten. Experten sollten den aktuellen Sachstand der Luchsforschung präsentieren.

Neben Jägern und Förstern waren auch Vertreter von Grundbesitzern und andere Naturinteressierte zu der öffentlichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung gekommen.

„Zwei Weibchen mit Jungen, ein Luchs am Meißner, ein Exemplar in Hessisch Lichtenau und einige einjährige Tiere leben bei uns.“ Das ist nach Meinung des Luchs-Beauftragten Ralf Meusel im Forstamt Hessisch Lichtenau auf die guten Lebensraumverhältnisse hier zurückzuführen. Zusammenhängende Wälder, Verstecke in felsigen Regionen und genügend Rehe seien optimale Bedingungen für diesen „alten Neubürger“.

Frank-Reiner Rake, der Leiter der Hegegemeinschaft Witzenhausen, stellte in seiner Begrüßung die Kernfrage, welchen Einfluss der Luchs auf die heimischen Wildtiere wie beispielsweise Rotwild oder Rehwild habe.

Experte Meusel deutete an, dass im Kreisgebiet jährlich von Luchsen etwa 360 Rehe gerissen würden: „Das wären nur 8,5 Prozent vom jährlichen Rehwild-Abschuss im Kreisgebiet. Das dürfte für unser heimisches Rehwild unkritisch sein.“ Rotwildrisse seien bisher noch nicht gefunden worden.

Demgegenüber bestätigte der Harzer Förster Hermann Schulte die Sorge mancher Teilnehmer: „Ganz klar sind seit 2003 die Abschusszahlen des Rehwildes um 50 Prozent eingebrochen.“ Das heiße, es gibt einfach weniger Rehe. Gegenüber bisher angenommenen Zahlen ergeben sich laut Schulte in der Realität deutlich mehr Wildrisse durch den Luchs. Während Wildbiologen bislang davon ausgingen, dass ein Luchs ein Reh pro Woche reiße, müsse der Bedarf deutlich höher angesetzt werden, da Schwarzwild vom Luchs gerissenes Wild häufig auffinde und dann in der Regel vollständig auffresse.

Zudem erbeutet der Harzer Luchs viel Rotwild, so Schulte. Das zeigten die Statistiken der Jagdbehörden im Harz deutlich. Ferner habe der Luchs das bedeutende Muffelwildvorkommen im Harz inzwischen fast vollständig aufgerieben.

Dr. Jörg Brauneis vom Jagdverein Eschwege warnte daher vor einem Verlust an genetischer Vielfalt beim Muffelwild in Europa, der entstehen könne, wenn der Luchs auch den Muffelbestand um den Hohen Meißner vernichtet. (sff)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.