Den Tod aus der Tabuzone holen

Hospizdienst Bad Sooden-Allendorf feiert 25-jähriges Bestehen

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Hereinspaziert: Im Haus Kirchstraße 76 in Allendorf treffe n sich die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes und findet auch die Beratung statt. Unser Bild zeigt Vereinsvorsitzende Dorothea von Bally (links) und Koordinatorin Andrea Umbach.

Er ist nicht nur der älteste in Nordhessen, sondern dient auch als Vorbild: Der Hospizdienst in Bad Sooden-Allendorf besteht seit 25 Jahren. 

Vision insbesondere von Baronin Monika von Lüninck und Dr. Maria Eugenia Centellas Pachero-Rühling war, im leer stehenden alten Hospital zum Heiligen Geist vor der Stadtmauer ein stationäres Hospiz einzurichten. Das scheiterte zwar, weil die laufende Finanzierung nicht sicherzustellen war. Doch ein ambulanter Hospizdienst wurde 1994 gegründet – zunächst noch unter dem Dach des Sozialkreises Bad Sooden-Allendorf, aber weitgehend selbstständig wirkend, ab 2009 dann als Verein.

„Wir waren dann die Impulsgeberinnen für alle anderen Hospizgruppen im Werra-Meißner-Kreis und auch in Rotenburg“, blickt Andrea Umbach zurück. Die Koordinatorin, neben einer Büroangestellten die einzige hauptamtliche Kraft, ist seit 2003 dabei.

Ein Mann und 43 Frauen 

Ehrenamtlich engagieren sich derzeit 44 Mitglieder, darunter ein Mann. Begonnen hatte es mit zehn Frauen, die sich als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen schulen ließen. Von der zweiten Gruppe, die sich danach für die Begleitung von Schwerstkranken, Sterbenden und ihre Angehörigen ausbilden ließen, sind sogar noch ein paar aktiv, sagt Dorothea von Bally, die 2011 den Vereinsvorsitz übernahm. 

„Wir begleiten Menschen auf ihrem letzten Lebensweg – meistens in den letzten Tagen und Stunden“, beschreibt sie den Dienst. „Wir sitzen manchmal nur dabei.“ Die Zahl der Betreuungsfälle wuchs im Laufe der Jahre stetig: 2003 waren es 18, voriges Jahr 110.

Hereinspaziert: Im Haus Kirchstraße 76 in Allendorf treffen sich die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes und findet auch die Beratung statt. Unser Bild zeigt Vereinsvorsitzende Dorothea von Bally (links) und Koordinatorin Andrea Umbach. 

In seltenen Fällen geht die Begleitung auch über zwei, drei Jahre. Zu dem Dienst, der nur auf Anfrage geleistet wird, gehöre auch – „ganz wichtig“ – der Kontakt zu den Angehörigen, die Fragen und Ängste haben. Oft sei die Sterbebegleiterin auch Bindeglied zwischen Sterbendem und Angehörigen. Anfragen könne jedermann. Oft werde man in Altenheime gerufen. Mit denen steht der Hospizdienst auch in Kontakt.

Dienst wird durch Spenden und Förderung finanziert 

Übrigens: Die Betreuung ist kostenfrei. Der Dienst finanziert sich durch Spenden und wird von den Krankenkassen gefördert.

Der besondere Einsatz für Mitmenschen blieb nicht ohne Anerkennung: 2002 verlieh der Landkreis dem Hospizdienst den Sozialpreis, 2014 erhielt die Gruppe den Bürgerpreis der Stadt Bad Sooden-Allendorf. Vorreiter ist der Badestädter Hospizdienst auch beim Erweitern des Aufgabenbereichs: Seit 2006 wird Demenzbetreuung mit angeboten, was noch heute nur wenige Hospizdienste leisten. 

Federführend war die Badestädter Gruppe auch beim Projekt „Hospiz macht Schule“, bei dem das Thema Abschied in Schulen und im Konfirmationsunterricht Kindern und Jugendlichen nahegebracht wird. Überhaupt will der Hospizdienst das Thema Tod und Sterben „aus der Tabuzone in die Öffentlichkeit holen“, wie Dorothea von Bally und Andrea Umbach sagen. 

Die Breite der Gesellschaft treffen 

Dafür veranstalten sie Vorträge und Chansonabende, Theateraufführungen und – extra für Kinder – Marionettentheater. Ihr ebenso wichtiges Anliegen dabei: „Wir wollen alle Bevölkerungsschichten ansprechen.“ Und wenn noch mehr Menschen beim Hospizdienst ehrenamtlich mitmachen, dann kann sich die Vorsitzende für die Zukunft als weiteres Angebot sogar einen Besuchsdienst für einsame Menschen und Fahrdienst zu Ärzten vorstellen. Die Ideen gehen den Badestädtern also nicht aus.

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