Badeverbot

Algen im Werratalsee: Salzgehalt im Fluss ohne Pipeline zu hoch

Kein schöner Anblick: Der Badestrand des Ostufers bei Schwebda ist mit Algen übersät. Das Gesundheitsamt hatte vergangene Woche eine Badewarnung herausgegeben. Foto: Rissmann

Schwebda. In der vergangenen Woche schon hat das Kreisgesundheitsamt am Ostufer des Werratalsees bei Meinhard-Schwebda ein Badeverbot ausgesprochen. Der Grund ist die Konzentration an Blaualgen, die überhand genommen hat. Der Wind hatte die gesundheitsgefährdenden Wasserpflanzen an dem Badestrand zusammengetrieben.

Wolfram Brauneis, stellvertretender Landesvorsitzender der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Salzeinleitung durch K+S in die Werra und dem Blaualgen-Problem auf dem Werratalsee: „Wenn das Salz in der Werra nicht wäre, könnte der Wasseraustausch zwischen Fluss und See einen Algenbewuchs verhindern.“

Um eine Lösung des Problems herbeizuführen, schaut Brauneis in die Fulda-Aue. Da gebe es auch zahlreiche Kiesseen, sagt der Naturschützer aus Eschwege, „aber ein Problem mit Blaualgen existiert dort nicht.“ Und warum? „Weil im Fuldabereich die Baggerteiche vom Fluss permanent durchströmt oder schon beim geringsten Flussanstieg mit neuem, frischem Sommerwasser versorgt werden, ist das Problem dort nicht so ausgeprägt“, sagt Brauneis. Solche gewässerdynamischen Maßnahmen, beispielsweise auch an der Elbe, verhinderten schon seit langem die Blaualgen-Entwicklung in Teichen, Seen und in den Flussseitenarmen der dortigen Auenregionen. Die Werra könne diese Aufgabe wegen des hohen Salzgehalts aber nicht erfüllen.

Brauneis, der auch Mitglied des runden Tisches „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion“ zur Verbesserung der Süßwasserflüsse Werra und Weser ist, plädiert dafür, dass die täglich anfallende Salz-Abfallmenge um 75 bis 80 Prozent zu reduzieren ist. „Das heißt in erster Linie, dass eine effizientere Rohstoffausnutzung der täglichen Fördermenge erreicht werden muss.“

Wolfram Brauneis

Die dann noch anfallende salzig-flüssige Restmasse dürfe weder in den Untergrund verpresst noch in die Werra eingeleitet werden. Einzig und allein die Pipeline an die Nordsee könnte da eine Abhilfe schaffen. Weitere Entsorgungsgenehmigungen dem Konzern zu erteilen, so die Forderung der Naturschutzverbände am runden Tisch, könne es nur geben, wenn Wege der ordentlichen Abfallbeseitigung definitiv und wirksam in Aussicht gestellt werden, ohne Fluss und Umwelt in der Süßwasserregion zu beeinträchtigen.

Brauneis hofft darauf, dass die Rohrfernleitung 2020 fertig sein könnte. „Spätestens dann kann die Werra die Kiesseen mit Austauschwasser versorgen und das Algenproblem ist beseitigt.“

Von Tobias Stück

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