Bäckermeister war für vier Wochen in Usbekistan

Mit der Gastfamilie: Hubertus Erner (in der Mitte unten) lebte in den vier Wochen, die er als Bäcker in Usbekistan verbrachte, in einer eigenen Wohnung, wurde aber von der Gastfamilie oft zu Feiern und Festen mitgenommen. Fotos: privat/nh

Witzenhausen. „Diese Reise war etwas ganz Besonderes für mich", sagt Hubertus Erner. Der Kreishandwerksmeister und Bäckermeister hat für vier Wochen in Usbekistan gearbeitet.

„Ich war in der Region Fergana. Dort habe ich zwar in einem eigenen Haus gewohnt, aber ich hatte eine Gastfamilie, die mich schnell als Familienmitglied angesehen hat“, berichtet der 63-Jährige.

Erner hatte sich bei der Stiftung Senior-Experten-Service angemeldet. Die Organisation übernimmt Kosten und Organisation der Reisen weltweit.

„Nach vier Wochen erhielt ich ein Angebot, nach Usbekistan zu gehen. Laut Auftrag sollte ich die Herstellung von Backwaren unterstützen“, sagt der Rentner. Er sei nach Usbekistan gereist ohne zu wissen, was ihn erwartet. „Ich hatte große Angst davor, alleine in einem Dorf zu sitzen und die Sprache nicht zu verstehen.“ Doch alles kam ganz anders: „Ich hatte eine Dolmetscherin und wurde direkt von der Gastfamilie abgeholt.“ Sie war auch der Auftragsgeber und Betreiber der Bäckerei, in der er gearbeitet hat. Das Usbekische sei nicht schlimm gewesen, einzig die kyrillischen Schriftzeichen haben ihm Probleme bereitet. „Die Menschen dort backen mit ganz anderen Zutaten, ich konnte nur nicht immer entziffern, um was es sich handelt“, sagt Erner.

Unglaublich herzlich

Er habe in den vier Wochen jeden Tag von morgens bis abends in der Backstube gestanden. „Mir hat manchmal der Rücken wehgetan, da Usbeken viel kleiner sind als die Deutschen. Der Tisch war deshalb so niedrig“, sagt er. Nach der Arbeit habe ihn seine Gastfamilie oft mit auf Geburtstage und Feste genommen. „Sie waren so unglaublich herzlich zu mir.“ Er hatte eine große eigene Wohnung, in der er sich nur selten aufhielt. „Wir haben sehr viel unternommen, und ich habe sehr viel von dem Land kennengelernt.“

Im Gegenzug hat er deutsches Backgut in die usbekische Bäckerei gebracht. „Ich hatte fünf Kollegen, die in der Bäckerei gearbeitet haben. Sie haben alles probiert, was ich vorgeschlagen habe.“ Gar nicht funktioniert haben Brötchen und Kuchen. „Croissants und Rosinenschnecken haben Absatz gefunden, sie sind noch im Sortiment“, sagt Erner. „Im Frühjahr ist angedacht, dass die Gastfamilie nach Deutschland kommt“, sagt der 63-Jährige. Die Eltern versuchten mit der Bäckerei eine Existenz für die Kinder aufzubauen und wollten durch seinen Besuch ihr Sortiment erweitern. Sie sind noch auf der Suche nach Lieferanten, die Erner ihnen vermitteln soll.

„Ich würde solch eine Reise jederzeit wieder machen. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden und viele Erfahrungen gemacht“, sagt er. Er plant, noch einige solcher Reisen zu machen. Auch nach Usbekistan, dorthin möchte er allerdings nicht im Sommer. „Dann herrschen dort bis zu 55 Grad, das ist mir dann doch zu warm“, sagt Erner.

Der Senior-Experten-Service (SES) ist die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit und eine gemeinnützige Gesellschaft. Sie bietet Rentnern an, ihr Wissen und ihre Kenntnisse in ihren erlernten Berufen in andere Länder weiterzugeben. Der Senior arbeitet in dem entsprechenden Land ehrenamtlich, erhält aber meist von seinem Auftraggeber ein Taschengeld.

Die Einsätze, die den Senioren von der in Bonn ansässigen Stiftung angeboten werden, dauern zwischen drei und sechs Wochen, höchstens aber sechs Monate. Die Organisation sowie die Kosten der Reise übernimmt die Stiftung. (lin)

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