Leere Becken zu Corona

Bäderbetriebe im Werra-Meißner-Kreis prüfen Coronahilfen und nutzen die Zeit

Eine Person in weißem Schutzanzug reinigt ein leeres Schwimmbecken
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Leeres Schwimmbecken im Eschweger Espada-Bad: Pflege und Reinigung des großen Sprung- und Schwimmbeckens sind auch während der Schließungen nötig.

Wie es mit den Schwimmbädern weitergehen wird, ist noch unklar. Viele nutzen die Zeit nun anderweitig.

Werra-Meißner – Die kalten Monate sind für Hallenbäderbetriebe auch die besucherstärksten Monate. Von März bis Mai mussten Betriebe im Kreis im ersten Lockdown schließen. Zwischendurch durfte nur eine begrenzte Anzahl Besucher in die Bäder. Und seit November bleiben die Schwimmbecken erneut leer – auf unbestimmte Zeit.

„Aufgrund der Coronapandemie gingen die Besucherzahlen in 2020 um mehr als zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr zurück“, sagt Violetta Schüttemeyer, Badleiterin des Espada Hallenbads in Eschwege. Statt 101 728 wurden 32 123 Besucher im Coronajahr begrüßt.

Ähnlich sah es auch bei der Werrataltherme in Bad Sooden-Allendorf aus: 2020 zählte die Therme 57 030 Besucher – 152 901 waren es im Vorjahr. Weniger als die Hälfte an Besuchern meldet auch Herleshausens Bürgermeister Lars Böckmann. 18 774 Besucher kamen 2020 ins Hallenbad.

Schwimmbäder im Werra-Meißner-Kreis: Fehlender Umsatz

Fehlende Besucher und Schwimmkurse bedeuten auch fehlende Umsätze – viele Kosten laufen indes weiter. Die Umsätze bei der Werra-taltherme etwa waren für 2020 mit mehr als 1,3 Millionen Euro einkalkuliert – die Gesamtkosten mit 1,7 Millionen, teilt Doreen Claus von der Stadtverwaltung mit.

„Bäder arbeiten oft defizitär“, erklärt Bürgermeister Frank Hix. Nun fehlen aber auch die geplanten Umsatzerlöse zum Großteil. „Wir verhandeln gerade mit dem Land, um einen zusätzlichen Ausgleich wegen Corona zu bekommen“, sagt Hix.

Die Betriebe hoffen auch auf die Corona-November- und Dezemberhilfe vom Bund, die sie beantragt haben. „Wir müssen nun prüfen, was für Januar und Februar gilt“, sagen alle Beteiligten.

Schwimmbäder im Werra-Meißner-Kreis: Laufende Kosten

Laufende Kosten fangen die jeweiligen Träger auf: Die Stadtwerke Eschwege tragen das Espadabad, die Stadt Bad Sooden-Allendorf die Werrataltherme und die Gemeinde Herleshausen ihr Hallenbad.

Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Entlassungen soll es nicht geben, sind sich die Betreiber einig. Es werde alles getan, um Schließungen zu verhindern. In diesem Jahr bestehe die Gefahr noch nicht, sagt Böckmann. „Wir wissen aber nicht, was noch kommt und wie lange die Krise dauert.“

Schwimmbäder im Werra-Meißner-Kreis: Hinter den Kulissen

In den Bäderbetrieben des Werra-Meißner-Kreises ist es ruhig. Die Schwimmbecken bleiben leer. Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Doch komplett still stehen die Betriebe auch trotz Corona nicht. Wir haben nachgefragt, was hinter den Kulissen der Bäder los ist.

Schwimmbäder im Werra-Meißner-Kreis: Espada

Obwohl die Bäder keine Gäste empfangen dürfen, müssen die Becken und die Technik gepflegt und instand gehalten werden. So ist es auch in Eschwege. Im Hallenbad Espada konnte man das Wasser des Schwimmbeckens zum Beispiel ganz ablassen, weil es aus Edelstahl besteht.

„Trotzdem muss man das Becken sauber halten und pflegen, ebenso wie die Technik im Betrieb gewartet werden muss“, erklärt Badeleiterin Violetta Schüttemeyer. Daher sei täglich einer der insgesamt zehn Mitarbeiter vor Ort.

Die Angestellten, die alle in Kurzarbeit sind, wechseln sich dabei ab. Wenn die Bundesregierung den Startschuss für die Wiederaufnahme des Betriebes gibt, soll alles reibungslos funktionieren und einsatzbereit sein. Das 25 Meter lange Becken zu füllen, das Wasser zu prüfen und zu filtern dauert mehrere Tage, sagt Schüttemeyer.

„Wir können den Kopf nicht in den Sand stecken. Es geht irgendwann weiter“, sagt sie optimistisch.

Derzeit planen die Stadtwerke den Ausbau des Freizeitbades. Auf dem Außengelände soll ein Naturfreibad entstehen, für das der Betrieb schon im Oktober 2019 den Förderantrag beim Land Hessen gestellt hat. Schüttemeyer geht davon aus, dass 2021 darüber entschieden wird. Auch soll noch eine Textilsauna entstehen.

Schwimmbäder im Werra-Meißner-Kreis: Bad in Herleshausen

Seit den Schließungen wurden im Herleshäuser Bad unter anderem die Umkleiden neu gestrichen, einzelne Fliesen und Duschen repariert und die Pumpen instand gesetzt, sagt Bürgermeister Lars Böckmann.

Das Wasser könne man nicht dauerhaft ablassen, da das geflieste Becken dadurch Schaden nehmen könne. Immerhin sei die Wassertemperatur abgesenkt worden, um Heizkosten zu sparen.

Dennoch müsse das Wasser dauerhaft durch die Filteranlagen laufen. Jetzt sei für die Mitarbeiter aber nicht mehr viel zu tun. Einen der hauptamtlichen Mitarbeiter habe Böckmann vorübergehend beim Bauhof unterbekommen können, die andere festangestellte Kraft sei in Kurzarbeit.

Besonders schade sei in der Pandemie, dass die Schulschwimmkurse nicht stattfinden könnten, sagt er. Das empfindet auch Schüttemeyer so. „Wir müssen zusehen, dass wir, wenn es wieder losgeht, möglichst viele Schwimmkurse anbieten. Sonst haben wir ganz viele Nichtschwimmer“, sagt sie.

Schwimmbäder im Werra-Meißner-Kreis: Werrataltherme

Auch in der Werrataltherme Bad Sooden-Allendorf wird die Zeit aktuell für Reinigungs- und Verschönerungsarbeiten genutzt. „Je nachdem, wie lange der jetzige Lockdown anhält, werden wir die Reinigungswoche vorziehen“, sagt Frank Hix, Bürgermeister der Stadt Bad Sooden-Allendorf.

Auch wurde die Wassertemperatur von gut 32 Grad Celsius auf 22 Grad reduziert. 18 Angestellte sind in Kurzarbeit, jedoch sei stets jemand vor Ort.

Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. „Irgendwann wird es weitergehen und dann brauchen wir unsere Mitarbeiter“, sagt Hix. „Ein bisschen durchhalten müssen wir noch.“

Die Zeit zwischen den Schließungen hätten Gäste aber gut für einen Thermenbesuch genutzt – trotz Coronaauflagen und trotz Besucherbeschränkungen. „Das hat uns gezeigt, dass die Therme ein wichtiger Baustein im Tourismus ist.“ (Jessica Sippel)

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