Wald

Waldsterben erfasst auch die Buchen

Ein sehr bedenkliches Zeichen: Durch die Trockenheit gehen zunehmend auch Laubbäume kaputt.
+
Ein sehr bedenkliches Zeichen: Durch die Trockenheit gehen zunehmend auch Laubbäume kaputt.

Zu besonderer Vorsicht mahnt Forstamtsleiter Matthias Dumm aus Hessisch Lichtenau Waldspaziergänger. Durch die Trockenheit der vergangenen drei Jahre sind mittlerweile auch Laubbäume, nicht zuletzt die Buche, geschädigt. Äste drohen herabzustürzen.

Werra-Meißner - „In unserem Wald ist im Frühjahr eine Buche auseinandergebrochen und hat beinahe einen Jäger erschlagen“, berichtet Melchior Freiherr von Bodenhausen aus Niedergandern. Seine Familie besitzt zwischen Hubenrode, Stiedenrode und Ziegenhagen 690 Hektar Wald. Dort sei, schätzt von Bodenhausen, ein Zehntel der 80 bis 140 Jahre alten Buchen geschädigt. Die jungen und mittelalten Buchen kämen dagegen besser mit dem Trockenstress zurecht.

„Betroffen sind vor allem Bäume, die auf Kalkböden stehen“, sagt von Bodenhausen. Kalkböden können das Wasser nicht halten. „Wenn bei den geschwächten Bäumen die dünne Rinde aufplatzt, dringen Pilze ein“, ergänzt Forstamtsleiter Dumm. Die Pilze zersetzen das Holz innerhalb weniger Monate, erst Äste, dann den ganzen Baum. Das Gefährliche: Befallene Äste können bereits bei leichtem Wind unkontrolliert splittern. Eventuell zerreißt es einen Baum auch komplett. Eine abgestorbene Fichte dagegen steht zwei, drei Jahre stabil.

„Spaziergänger sollten regelmäßig nach oben in die Kronen der Bäume schauen“, rät von Bodenhausen. „Allerdings sind vom Boden aus durch das dichte Laubkleid hindurch tote Äste nicht immer zu sehen“, gibt Dumm zu bedenken. „Entlang der Wege entfernen wir, wie andere Waldbesitzer auch, geschädigte Bäume“, betont von Bodenhausen. Allerdings könnten auch sie einmal etwas übersehen. „Die Eigentümer haften nicht für Schäden durch herabstürzende Äste“, stellt Dumm klar. Das Gesetz stuft das entsprechende Risiko als „waldtypische Gefahr“ ein.

„In Neu-Eichenberg hat die Interessentenschaft Hebenshausen im großen Stil alte Buchen verloren“, berichtet Dumm. Kaum Schäden an Buchen hat Alexandra Freiin von Bischoffshausen zu verzeichnen. Sie besitzt im Neu-Eichenberger Ortsteil Berge-Neuenrode 96 Hektar Wald. Die Bäume dort profitieren vom Bundsandsteinboden, der das Wasser hält.

Zudem sind die Flächen nach Nordwesten ausgerichtet, stehen also eher von der Sonne abgewandt. Dafür hat von Bischoffshausen allerdings in den vergangenen drei Jahren bei der Fichte einen Totalschaden erlitten. Die Baumart bedeckte bisher die Hälfte ihrer Waldfläche. Auf eine halbe Million Euro beziffert sie den Verlust. Das sei umso schmerzhafter, als sie die Erträge aus der Waldbewirtschaftung als Altersvorsorge eingeplant habe, sagt sie.

„Dass nach der Fichte auch die Buche vom Waldsterben erfasst wird, ist ein sehr bedenkliches Zeichen“, sagt Dumm. Im Gegensatz zur Fichte sei der Laubbaum Teil der natürlichen Vegetation Nordhessens. (Michael Caspar)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.