Künstliche Tümpel an Bruchteichen helfen bedrohter Amphibienart beim Ansiedeln

Baggern für seltene Unken

Tümpel für die Gelbbauchunke: Dafür wühlt sich der Bagger durch den Graben. Beobachter sind Projektleiter Harald Nicolay (von links), der Landschaftsarchitektur-Student Pascal Simon, Helmut Herbort vom Regierungspräsidium und Claudia Langefeld von der Stadt Bad Sooden-Allendorf. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Mit 35 bis 55 Millimetern ist sie nur winzig klein, war vor 30 bis 40 Jahren in unserer Region flächendeckend verbreitet und wurde an den Bruchteichen in Bad Sooden-Allendorf letztmals vor rund zehn Jahren gesichtet: Die Gelbbauchunke, die so wegen ihrer auffälligen Färbung heißt, gehört heute europaweit zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Amphibien. Jetzt soll sie am „Depper“, wie die Bruchteiche im Volksmund genannt werden, wieder angesiedelt werden.

Dazu rückte am Mittwoch der Bagger an, um 18 kleine künstliche Tümpel zu schaffen, in denen die auch als Bergunke bekannte „Bombina variegata“ am liebsten ablaicht.

In Auftrag gegeben hat dieses Amphibienschutzprojekt die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium in Kassel. Für dessen Vertreter Helmut Herbort ist die Existenz der Gelbbauchunke „ein Indikator für eine intakte Umwelt“, was im Umkehrschluss ja nur bedeuten kann, dass die Umwelt so intakt nicht mehr sein kann.

Drei Populationen im Kreis

Tatsächlich, weiß der Agraringenieur und Amphibienexperte Harald Nicolay, der über Hessen-Forst als Projektleiter der Schutzmaßnahme eingesetzt wurde, dass es kreisweit nur noch drei stabile gewachsene Populationen der Gelbbauchunke gibt, und zwar unterhalb des Ahrenbergs in Bad Sooden-Allendorf, in Sontra-Breitau und in Wehretal-Oetmannshausen. Dort seien bei der letzten so genannten „schnellen Begehung“ insgesamt noch 40 dieser Tiere gezählt worden. Die Gelbbauchunke, sagt der selbstständige Unternehmer aus Hann. Münden, stelle spezielle Ansprüche an die Laichgewässer. Sie müssten klein, im Idealfall das Wasser trüb und nicht tiefer als 50 Zentimeter sein.

Die nun an den Bruchteichen geschaffenen „anthropogenen Habitate“, sprich: von Menschen geschaffenen Lebensräume, erfüllten diese Bedingungen, seien deswegen aber keine Garantie, dass die Unke auch tatsächlich zurückkehren werde. Die kleine Amphibie, die ständig im und am Wasser lebe, werde durch den speziellen tonigen Geruch der Tümpel angelockt – wenn sie denn überhaupt kommt. Regelmäßig müssten diese Ködergewässer freigeschnitten werden, und regelmäßig werde nachgeschaut, ob sich der gewünschte Erfolg auch tatsächlich eingestellt habe.

Deswegen sei bei diesem Projekt auch Teamarbeit angesagt, ergänzte Helmut Herbort, der als weitere Beteiligte die Untere Naturschutzbehörde beim Werra-Meißner-Kreis, die Stadt Bad Sooden-Allendorf und zahlreiche ehrenamtliche Helfer nannte. (zcc)

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