Freie Ausbildungsstellen

Werra-Meißner-Kreis: Auszubildende fehlen in Baubranche und Gastronomie

Unter anderem in der Gastronomie werden Nachwuchskräfte gesucht.
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Unter anderem in der Gastronomie werden Nachwuchskräfte gesucht.

Noch immer gibt es freie Ausbildungsstellen im Werra-Meißner-Kreis – und seit April diesen Jahres sogar noch mehr.

Werra-Meißner - 216 freie Ausbildungsstellen sind laut Carolin Harberg von der Agentur für Arbeit Kassel im Kreis noch unbesetzt (Stand Juli). 540 betriebliche Ausbildungsstellen sind der Agentur insgesamt gemeldet worden. Das sind 34 mehr als im April. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Anzahl kaum verändert, so Harberg. Auch bei den Ausbildungssuchenden veränderte sich wenig: 571 haben sich bei der Agentur gemeldet, 0,6 Prozent mehr als 2020.

Davon haben 190 Bewerber noch keine Ausbildung gefunden. „Der Markt ist jetzt ständig in Bewegung“, sagt Harberg. Deshalb liege eine endgültige Bilanz des Ausbildungsjahres erst im Herbst vor. Der Ausbildungsmarkt sei zwar immer noch stabil, aber Corona habe die Arbeitsvermittlung erschwert. „Bewerber und Betriebe waren unsicher“, sagt Harberg. Daher hätten Betriebe ihre freien Ausbildungsstellen teilweise später als üblich gemeldet.

Auch Ausbildungssuchende seien zum Teil zögerlich. Da viele im Homeoffice waren, dächten einige, in den Betrieben sei kaum jemand vor Ort. Das sei laut Harberg aber nicht der Fall. Sie rät allen Ausbildungssuchenden, sich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Denn: „Momentan sind die Starttermine für Ausbildungen flexibel.“

Das gilt auch für die Handwerksberufe, sagt Barbara Funke von der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner. Einige Betriebe im Kreis hätten zwar schon einen Auszubildenden gefunden, andere suchten immer noch. „Die Friseure sind mein Sorgenkind dieses Jahr.“ Wegen der unsteten Situation in den Betrieben seien Friseure zurückhaltend beim Einstellen. Auch Maler und Tischler hätten Schwierigkeiten, Azubis zu bekommen. Der Grund: Junge Menschen gingen länger zur Schule und studierten. Dabei seien die Aufstiegschancen im Handwerk – auch mit einem Hauptschulabschluss – nach der Ausbildung gut. „Viele Betriebe suchen Nachfolger“, sagt Funke.

Im Baugewerbe fürchte man künftigen Fachkräftemangel, sagt Klaus Michalak, Bezirksvorsitzender der IG Bau Nordhessen. Azubis für Garten- und Landschaftsbau, Wohnungs- und Straßenbau zu finden sei schwierig. „Bei jedem Wetter draußen arbeiten, schreckt viele ab.“ Dabei unterstützten Betriebe oft auch bei Weiterbildungen und Studium.

Zudem verließen viele Fachkräfte deshalb nach ihrer Ausbildung ihre Betriebe. Auch weil die oft langen Fahrten zu den Baustellen nicht bezahlt würden. Die Auftragslage sei trotzdem gut, weshalb die Bau- und Handwerksbranche dringend Fachkräfte benötige. Viele kämen mit der Arbeit kaum hinterher. „Bei Dachdeckern kann man sich als Kunde in eine lange Warteschlange einreihen“, sagt der Bezirksvorsitzende. Auch Maurer, Zimmerer und Floristen suchten händeringend Azubis. Viele Betriebe böten ihren Auszubildenden auch eine Weiterbildung zum Polier – besonders sie werden gebraucht – und zum Meister an. Sogar ein Studium unterstützten einige Betriebe, so Michalak.

Die Gastronomie- und Tourismusbranche habe unter der Pandemie stark gelitten, sagt Oliver Kasties vom Hotel- und Gastronomieverband Nord- und Osthessen (Dehoga). Leichter werde es für sie auch nicht. Denn ob noch ein Lockdown kommt, sei unklar. Auszubildende haben wegen der Schließungen der Gastronomiebetriebe kaum praktisch lernen können.

Eine Bilanz der freien Stellen gebe es noch nicht. Aber: „Gefühlt gibt es weniger Bewerber für die Ausbildung in der Gastronomie und dem Tourismus“, sagt Kasties. Dabei sei das Angebot an Ausbildungsstellen in diesen Branchen nicht weniger geworden. In Hessen sei im Laufe des vergangenen Jahres jeder achte Arbeitsplatz weggefallen. Einige seien jetzt zwar wieder in das Hotel- und Gastgewerbe zurückgekommen, doch trotzdem suchten die Betriebe dringend Nachwuchs. „Die Betriebe wollen präsent bleiben und sich für die Zukunft gut aufstellen.“ Mittlerweile müssten sie das auch, sagt Kasties. Denn aufgrund der wenigen Bewerber müssten sich die Betriebe für Ausbildungssuchende attraktiv präsentieren.

Um mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen, böte sich laut Kasties die digitale Berufsbildungsmesse „Perspektiven“ am 25. September an. Dort stellen sich Firmen vor und bieten Einzel- sowie Gruppengespräche an. (ter)

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