In drei Wochen beginnt Spargelernte

Bauern fehlen Erntehelfer: Viele Menschen im Werra-Meißner-Kreis bieten ihre Unterstützung an

Er hat vorgesorgt: Seine rumänischen Saisonarbeiter hat Tobias Klenke, hier ein Archivbild aus dem vergangenen Jahr, in diesem Jahr wegen der Corona-Krise bereits früh nach Deutschland geholt.
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Er hat vorgesorgt: Seine rumänischen Saisonarbeiter hat Tobias Klenke, hier ein Archivbild aus dem vergangenen Jahr, in diesem Jahr wegen der Corona-Krise bereits früh nach Deutschland geholt.

Ohne ausländische Saisonarbeiter geht bei der Spargel-, Erdbeeren- und Kirschenernte in der Regel nichts. Derzeit bangen Bauern im Werra-Meißner-Kreis, ob während der Corona-Krise ausreichend Helfer mitanpacken.

Von „vielen besorgten Anrufen“ berichtet der Gartenbauberater des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen, Eberhardt Walther. Die Bauern machten sich „ernsthafte Gedanken“. In drei Wochen werde die Spargelernte so richtig beginnen, Ende Mai die Erdbeer- und im Juni dann die Kirschenernte. 

Polnische Mitarbeiter, die derzeit eigentlich Schnittarbeiten an den Obstbäumen erledigen sollten, seien in den vergangenen Tagen zum Teil in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie wollten bei ihren Familien sein. Unterbleibe der Rückschnitt schwacher Zweige, würden die Früchte kleiner.

„Es melden sich derzeit viele Menschen bei uns, die wegen der Corona-Krise ihre Arbeit in der Gastronomie oder im Einzelhandel verloren haben und nun bei der Ernte mithelfen wollen“, sagt Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner. 

Die Arbeit auf dem Feld sei allerdings monoton und hart. Morgens um 5 oder 6 Uhr gehe es los. Die Helfer stünden gebückt, seien Wind und Wetter ausgesetzt, würden – angefeuert von Vorarbeitern – im Akkord Spargel stechen oder Erdbeeren pflücken. Bezahlt werde nach Kilogramm. Die besten Helfer kämen auf 15 bis 16 Euro in der Stunde. Die meisten schafften allerdings nur den Mindestlohn. 

Kaum ein Deutscher habe sich das in den vergangenen Jahren antun wollen, sagt Roth. „Die meisten deutschen Helfer, die uns die Arbeitsagentur in der Vergangenheit geschickt hat, kamen entweder gar nicht oder waren nach einer Stunde wieder weg“, berichtet auch Kirschenbauer Bernd Kiebe aus dem Witzenhäuser Stadtteil Unterrieden. Er freut sich, dass zumindest sein polnischer Vorarbeiter, der in der Saison bis zu 35 Helfer anleitet, bereits seit drei Wochen da ist, Bäume schneidet, mulcht, spritzt und die neue Beregnungsanlage in Betrieb nimmt.   

Klenke hat Erntehelfer trotz Coronavirus

Seit Januar ist eine Handvoll rumänischer Mitarbeiter auf dem Spargelhof Klenke bei Bad Sooden-Allendorf im Einsatz. Sie haben die Folien auf den Spargelfeldern gespannt, Erdbeeren gepflanzt, Apfelbäume geschnitten und bereits den ersten Spargel gestochen. 

„Anfang April kommen weitere Rumänen dazu, die derzeit in Thüringen Ställe bauen“, sagt Landwirt Tobias Klenke. Mitanfassen zudem Flüchtlinge aus Eritrea, die seit 2015 in Deutschland lebten. „Beim Spargel fallen mir in diesem Jahr aufgrund der Restaurantschließungen die Gastronomen als Abnehmer komplett weg“, fürchtet Klenke. 

Andererseits werde das Angebot aufgrund der wenigen Erntehelfer nach Branchenschätzungen um zwei Drittel geringer ausfallen als im Vorjahr. Bei der Erdbeerernte sei er auf zusätzliche Helfer angewiesen, die eigentlich aus Russland kämen. Dürften sie nicht einreisen, werde er seinen Kunden das Selberpflücken anbieten. 

Noch unbesorgt zeigt sich der Witzenhäuser Kirschenbauer Tobias Kindervatter. Bis Juni könne noch „sehr viel“ passieren, erklärt er. Frost könne die Blüten zerstören, was zum Teil bereits passiert sei. Werde der Sommer zu heiß, verfaulten die Früchte am Baum. Unwetter führten zu Ernteausfällen. Er wisse erst im Juni, wieviele Helfer er brauche. Dann sei die Corona-Krise eventuell bereits bewältigt. 

Ohne Erntehelfer aus dem Ausland kommt dagegen die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) in der Siedlung Freudenthal aus. Eine Studierendeninitiative hat den Betrieb 2011 gegründet. Er baut auf knapp zwei Hektar Gemüse an. Fünf, sechs festangestellte Mitarbeiter, die sich 110 Wochenstunden teilen, ernten immer mittwochs und donnerstags, derzeit im Gewächshaus den ersten Salat und Kohlrabi. 

Donnerstags erfolgt die Auslieferung an die 105 Mitglieder. Sie halten Anteile an der Jahresernte und tragen so das unternehmerische Risiko mit. Bis zu 130 Mitglieder und deren Angehörige kann der Betrieb mit frischem Gemüse versorgen. „Noch bis Ende April gibt es Anteile von jeweils 82,50 pro Monat zu erwerben“, erklärt SoLaWi-Sprecherin Stefanie Lettenmaier.

Von Michael Caspar

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