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Baumbestattungen im Trend - Flächen im Werra-Meißner-Kreis werden erweitert

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Von: Emily Spanel

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Betreibt den Ruheforst Werraland seit vier Jahren erfolgreich: Alexis Prinz von Hessen.
Betreibt den Ruheforst Werraland erfolgreich: Alexis Prinz von Hessen. Die Asche der Verstorbenen wird auf dem Iberg in biologisch abbaubaren Urnen beigesetzt und nach und nach eins mit dem jeweils ausgewählten Baum. Foto: Spanel/Archiv © Emily Hartmann

Der Ruheforst Werraland bei Herleshausen wird um sechs Hektar Fläche erweitert. Baumbestattungen werden in Deutschland immer gefragter.

Werra-Meißner – Ein Grab mitten im Wald, naturnah, ruhig und pflegeleicht – Bestattungswälder werden als letzte Ruhestätte immer beliebter. Seit einem Jahrzehnt gibt es das Angebot der Waldbestattung auch im Werra-Meißner-Kreis: Alexis Prinz von Hessen betreibt seit dem Jahr 2012 den Ruheforst Werraland auf dem Iberg bei Herleshausen. „Ich war fest davon überzeugt, dass die Idee Zukunft hat und zu den gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit passt“, erinnert sich der Gründer.

Nachfrage hat sich etabliert

Tatsächlich hat sich die Nachfrage nach den Waldbestattungen zehn Jahre später im Werra-Meißner-Kreis etabliert. Und zwar in einer Weise, die Alexis Prinz von Hessen nun die Erweiterung des Ruheforstes Werraland anstreben lässt: Zu den aktuell rund sieben Hektar kommen noch einmal sechs Hektar hinzu. Perspektivisch könnten auf dem Iberg sogar noch mehr Flächen dieser Art der Nutzung zugeführt werden. Die Gemeinde Herleshausen als Träger des Ruheforstes hat der geplanten Erweiterung im Zuge der jüngsten Gemeindevertretersitzung zugestimmt – einstimmig.

Alexis Prinz von Hessen leite schon jetzt alle erforderlichen Schritte in die Wege, „um einer erfahrungsgemäß sehr langen und holprigen behördlichen Planungsphase“ entgegenzutreten. Er wolle keinesfalls in die Situation geraten, den Interessenten keine passenden Biotope anbieten zu können. Ein Biotop ist die Fläche im Wald, die als Grabfläche ausgewählt wird: Im Mittelpunkt befindet sich der Baum, um ihn herum sind die einzelnen Grabstätten für Urnen angeordnet.

Baumbestattungen liegen in Deutschland auf Platz 2 der Beliebtheitsskala

Laut einer Studie der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas liegt der Wunsch nach einer Baumbestattung deutschlandweit im Übrigen mit 19 Prozent auf Platz zwei der bevorzugten Bestattungsarten. Nur die pflegefreie Beisetzungsform auf einem Friedhof ist mit 21 Prozent bei den Befragten beliebter. Waldbestattungen machten inzwischen „einen nennenswerten Anteil“ der Bestattungen aus, sagt Pressesprecher Alexander Helbach. Die Ruheforst GmbH aus Erbach im Odenwald hat bislang 75 Standorte gegründet.

Letzte Ruhe unter einem Baum - Bestattungskultur unterliegt Wandel

Eines ist gewiss: Der Tod gehört zum Leben, niemand kommt um ihn herum. Seit Menschengedenken befassen sich alle Kulturen dieser Welt mit der hypothetischen Frage, was nach dem Ableben kommt: Ist die Seele unsterblich? Geht die letzte Reise in den Himmel oder ins Fegefeuer? Oder bleibt am Ende einfach nichts?

Anders verhält es sich mit dem Leib. Alexis Prinz von Hessen, Betreiber des Ruheforstes Werraland, weiß: Die Bestattungskultur ist im Wandel. „Ich erlebe, dass die Menschen dankbar sind für die Möglichkeit der Waldbestattung, die einzig der Ruheforst Werraland im Werra-Meißner-Kreis bietet“.

Viele Menschen haben den Wunsch, die Art der Beisetzung und ihre letzte Ruhestätte selbst festzulegen. Im Ruheforst Werraland ist dies möglich: Bei einem Spaziergang durch den Wald des Ibergs mit bis zu 140 Jahre alten Buchen, Eschen und Linden kann dort eine Grabstätte dort ausgewählt werden, wo es einem am besten gefällt. Durch die lange Laufzeit (99 Jahre vom Tag der Vertragszustellung an) erwerben häufig auch schon jüngere Menschen eine Ruhestätte.

Weiter Versuche, Waldfriedhöfe zu etablieren, sind bisher gescheitert

Versuche, weitere Waldfriedhöfe im Kreis zu etablieren, hat es in den vergangenen Jahren reichlich gegeben – wie etwa im Wanfrieder Stadtteil Altenburschla (wir berichteten). Geworden ist daraus nichts. „Oft sind die Menschen überrascht, wie viel Aufwand doch zu betreiben ist“, sagt Alexis Prinz von Hessen. Wiederkehrendes Thema etwa ist etwa die Pflege des Bestandes. „Das Gelände wird regelmäßig, aber moderat aufgeforstet, Totholz beseitigt sowie Äste und Stöcke zur Seite geräumt“, so Alexis Prinz von Hessen. Auch die Jagd sei auf den betreffenden Hektar strikt untersagt: „Der Ruheforst Werraland unterliegt selbstverständlich einer Friedhofssatzung“.

Auch für die ansprechende Wegestruktur ist Sorge zu tragen. Mit dem persönlichen Einsatz aber steht und fällt der Betrieb des Ruheforstes: „Ich bin immer ansprechbar. Ist ein Mensch in Trauer, soll er nicht noch einen Tag warten oder gar eine E-Mail schreiben müssen.“ Persönliche Gespräche seien unabdingbar, spendeten Trost und linderten Schmerz in akuten Stresssituationen. „So ist aus meinem Beruf eine Berufung geworden“, sagt von Hessen. Die Gründe für eine Waldbestattung sind indes vielfältig. Während der eine die Nähe zur Natur sucht, wünscht sich der andere eine Alternative zum konfessionellen Friedhof. Ein anderer wiederum möchte seinen Angehörigen ein Grab ohne Pflegeaufwand ermöglichen. Denn Grabschmuck und -pflege gibt es in Bestattungswäldern nicht. Allerdings kann eine kleine Tafel am Baumstamm angebracht werden.

„Die Menschen werden immer älter und können nicht mehr ohne Weiteres gewährleisten, nach dem Tod eines Angehörigen dessen Grab noch weitere 20 oder 30 Jahre pflegen zu können“, bestätigt der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, Stephan Neuser. Diese Entwicklung hätten die Betreiber herkömmlicher Friedhöfe erkannt und machten naturnahe Angebote. Stephan Neuser rät dazu, sich bei der Wahl der Bestattungsform gut beraten zu lassen. „Das Für und Wider einer Waldbestattung ist gut abzuwägen“, sagt er. Angehörige sollten sich bewusst sein, dass eine Grabstätte im Wald nicht die Infrastruktur eines Friedhofs biete. „Es gibt im Zweifel keine Wege für Menschen, die beispielsweise auf einen Rollator angewiesen sind. Es gibt vielleicht keine Toiletten, kein Wasser.“

Skepsis bei der Bischofskonferenz bei Waldbestattungen

Die Deutsche Bischofskonferenz steht Waldbestattungen skeptisch gegenüber, da die Konzeption „zentrale Elemente einer humanen und christlichen Bestattungskultur vermissen“ lasse. (Emily Hartmann)

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