Baustopp bei Berlepsch: Anwohnerin klagt gegen geplanten Windpark an A7

Bis jetzt ist nichts passiert: Unser Luftbild aus dem Frühjahr zeigt die frisch präparierten Standorte (braune Rechtecke) für die geplanten Windräder bei Schloss Berlepsch. Seither gibt es keinen Baufortschritt mehr. Unten rechts im Bild das Vorwerk Ellerode, wo Klägerin Heidi Rettberg lebt, der Ort vor dem Wald ist Hübenthal. Foto: Meder

Berlepsch-Ellerode. Eigentlich sollte im Sommer mit dem Bau des Windparks an der Autobahn 7 westlich von Hübenthal begonnen werden. Doch auf dem Areal der Familie von Berlepsch tut sich nichts.

Der Grund: Anliegerin Heidi Rettberg, die schon länger gegen den Windpark kämpft, und eine weitere Person haben wegen der Windparkpläne gegen das Land Hessen geklagt. Deshalb gilt vorerst ein Baustopp.

Zum Inhalt ihrer Klage will Rettberg angesichts des laufenden Verfahrens nichts sagen. Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Kassel, berichtet auf Anfrage lediglich, dass in der Klage hauptsächlich die Umweltverträglichkeitsprüfung angegriffen wird.

Derzeit wartet Rettberg, die rund 600 Meter vom Standort des Windparks entfernt im Vorwerk Ellerode wohnt, darauf, dass sich das Land zur Klageschrift äußert. Doch das könne dauern, so Rettberg. Das Land habe um mehr Zeit für das Verfassen einer Gegenschrift gebeten. Einen Zeitplan, wie es genau weitergeht und wann beziehungsweise ob gebaut werden kann, gibt es derzeit nicht. Fest steht nur, dass die Klage vor dem Verwaltungsgericht Kassel verhandelt werden wird.

Derzeit werde beim RP jedoch der Sofortvollzug der Baugenehmigung geprüft, sagt Conrad. „Sollte der positiv entschieden werden, kann gebaut werden. Sollten die Kläger ein Eilverfahren gegen den Sofortvollzug anstrengen, dann hängt es von der Entscheidung darüber und der Entscheidung in der Hauptsache ab, wann weiter gebaut werden kann.“

Fabian von Berlepsch, der die Flächen an den Betreiber Enercon verpachtet, hat keine Angst, dass die Klage ein Ende des Windparks bedeuten würde. Er ist sich sicher, dass die Baugenehmigung vom Mai dem Verfahren standhält: „Dutzende Experten waren in das Verfahren eingebunden.“ Er habe durch den Baustopp keine finanziellen Einbußen, da er mit Enercon eine feste Pacht ausgehandelt habe, sagt von Berlepsch. Dem Windpark-Betreiber würden allerdings Einnahmen entgehen, weil die Einspeisevergütung für Strom aus Windrädern kontinuierlich sinke: Je später die Windräder Strom produzieren, desto weniger verdient Enercon.

Falls Rettberg den Prozess verliert, müsste sie die Verfahrenskosten tragen. Davor habe sie aber keine Angst, sagt die Aktivistin. Sie hätte mehrere Bürgerinitiativen hinter sich. Einen außergerichtlichen Vergleich schließt sie aus. „Wir wollen ja die Baustelle verhindern und kämpfen für Natur und Landschaft, die sonst dem Raubbau zum Opfer fällt.“ (fst)

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