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Behörden verlangen immer höhere Abschüsse von Rehwild - damit soll der Waldumbau gesichert werden

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Von: Stefanie Salzmann

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Eine Ricke mit zwei Kitzen im Kornfeld
Eine Ricke mit zwei Kitzen im Kornfeld: Weil Rehe gern junge Triebe fressen, sollen sie immer stärker bejagt werden. © Greim, Carl-Heinz

Damit der Umbau des geschädigten Waldes in einen klimastabilen Wald gelingt, fordern Behörden von Jägern, Rehwild immer stärker zu bejagen. Grundlage dessen ist die seit 2019 in Hessen geltende Schalenwildrichtlinie, die von vielen Jägern als wildtierfeidnlich kritisiert wird.

Werra-Meißner – Der angestrebte Waldumbau zu sogenannten „klimastabilen Mischwäldern“ geht zunehmend zulasten des Rehwildes. Auch im Werra-Meißner-Kreis – einer der am stärksten bewaldeten Regionen Hessens – werden von der Jägerschaft immer höhere Abschusszahlen beim Rehwild verlangt. „Das Rehwild ist zum Staatsfeind Nummer eins erklärt worden“, sagt Christoph Arend, Leiter der Hegegemeinschaft (HG) Reichensachsen, der 13 Reviere mit einer Gesamtfläche von 5104 Hektar angehören.

Abschussquote für Rehe wird pro Periode hochgesezt

Der Abschussplan der Hegegemeinschaft, den diese gemeinsam für ihre Reviere vorschlägt, wurde jetzt von der Unteren Jagdbehörde zu dritten Mal erhöht. Statt der bisher 810 Tiere innerhalb von drei Jahren (so der Vorschlag der Hegegemeinschaft), sollen dort jetzt 1052 Stücke erlegt werden – eine Erhöhung von 20 Prozent und damit das fast das Maximum, das das hessische Jagdgesetz zulässt. Begründet wird die Entscheidung mit Verbissgutachten, die für die Hegegemeinschaft Reichensachsen Verbissschäden durch Rehwild mit knapp 25 Prozent ansetzten. Eins der drei Gutachten des Forstamtes Wehretal ist ohne lokale Angabe, das zweite wird im Stadtwald von Eschwege verortet, ein drittes in Wehretal, aber ohne Ortsangabe der Untersuchung. „Das Problem ist, dass wir hier nicht mehr nachhaltig jagen, sondern Wild abschlachten“, sagt Arend. Mit nachhaltiger Wildbewirtschaftung habe das nichts mehr zu tun. So beanspruche Hessen Forst im Bereich der HG Reichensachsen etwa die Hälfte aller Abschüsse beim Rehwild, obwohl der Staatsbetrieb nur 20 Prozent der Flächen bewirtschaftet und bejagt.

Rehe nicht allein Schuld an Waldproblemen

„Das stinkt uns allen mächtig“, bestätigt auch Hilmar Dobslaw, Leiter der Hegegemeinschaft Riedforst – einem etwa 57 000 Hektar großen Rotwildgebiet. Wie Arend proben auch andere Hegegemeinschaften den Widerstand gegen die Auflagen. So hat sich die HG Waldkappel mit 20 Revieren gegenüber den Behörden durchgesetzt und den Abschuss nicht hochgesetzt. „Wir versuchen das im Zaum zu halten“, sagte Carl-Heinz Eberth, Leiter der HG. Wie viele Jäger sieht er auch die Devise „Wald vor Wild“ kritisch. Die Rehe seien nicht schuld an den Schäden an jungen Bäumen, verantwortlich seien auch forstbauliche Fehler und Sünden aus Gegenwart und Vergangenheit. (Stefanie Salzmann)

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