1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Auf der Suche nach der Bergmutter Frau Holle

Erstellt:

Von: Michael Caspar

Kommentare

Deutet Frau Holle als jungsteinzeitliche Muttergöttin: Heide Göttner-Abendroth (rechts) mit Teilnehmenden der Tagung am Ufer des Frau-Holle-Teichs.
Deutet Frau Holle als jungsteinzeitliche Muttergöttin: Heide Göttner-Abendroth (rechts) mit Teilnehmenden der Tagung am Ufer des Frau-Holle-Teichs. © Michael Caspar

Mythos, Göttin, Namensgeberin: In einem Seminar drehte sich alles um Frau Holle.

Hoher Meißner – Auf Spurensuche nach der „Bergmutter Frau Holle“ haben sich gut 20 Teilnehmende eines Seminars gemacht, das Historikerin und Mythenforscherin Annette Rath-Beckmann gemeinsam mit dem Geo-Naturpark auf dem Hohen Meißner organisierte.

„Es gibt eine Reihe Frauenberge im deutschsprachigen Raum, aber nur einen, der mit einem Namen – Frau Holle – in Verbindung gebracht wird“, erläuterte Dr. Heide Göttner-Abendroth, eine der Referentinnen, am Ufer des Frau-Holle-Teichs. Die Brüder Grimm, die Holle mit ihrer 1812 veröffentlichten Märchensammlung bekannt gemacht haben, sahen in ihr eine germanische Göttin.

Matriachatsforscherin Göttner-Abendroth ist jedoch überzeugt, dass Holle bereits in der Jungsteinzeit verehrt worden sei. Donauaufwärts wandernde Siedler aus dem Vorderen Orient hätten den Kult zusammen mit Getreideanbau und Rinderhaltung 6000 vor Christus nach Mitteleuropa gebracht. Im Alpenraum werde Holle als Perchta, in Norddeutschland unter anderem als Frerk verehrt.

„Die einfachen Menschen haben auch nach der Christianisierung, die sich anfangs nur auf die Oberschicht beschränkt hat, Holle um Schutz gebeten“, nimmt die Matriarchatsforscherin an. Sie berichtete, dass Bischof Burchard von Worms im 11. Jahrhundert kritisierte, dass frisch zum Christentum bekehrte Menschen Holle weiterhin verehrten. In unzugänglichen Regionen wie dem Meißner habe sich die Holle-Religion besonders lange gehalten. Dass Wissen habe sich in Sagen und Märchen erhalten. Viele von ihnen seien vom 1992 gestorbenen Volkskundler Karl Paetow zusammengetragen worden.

Fasziniert zeigte sich die Philosophin von den vielen Holle-Orten der Meißner-Region, die Eschweges langjähriger Stadtarchivar Karl Kollmann beschrieben hat. Göttner-Abendroth bringt sie mit Jahreszeitenfesten in Verbindung. Am östlich gelegenen Frau-Holle-Teich hätten die Gläubigen einst im Frühjahr die Wiederkehr des Lebens gefeiert. Im Süden des Meißners befinde sich der Hollestuhl, wo es einst wohl im Sommer um die Heilige Hochzeit der Göttin gegangen sie. Im Westen liege die Weiße Wand und die Badestube, wo sich die Menschen im Herbst mit dem Tod auseinander gesetzt hätten. Der Hohe Malstein, die Kasseler Kuppe im Norden, eine alte Gerichtsstätte, stehe für die Welt der Ahnen.

Zu den Referentinnen gehörten zudem die Allgäuer Landschaftsmythologin Elisabeth Wintergerst und die Kräuterfrau Ulrike Aicher. Die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Claudia Lang-Forcher trat auf. Und im Holle-Labyrinth suchten die Teilnehmenden, die aus ganz Deutschland angereist waren, bei einer von Rath-Beckmann angeleiteten schamanischen Reise die Begegnung mit Holle in ihren Gestalten als junge Frau, als fürsorgliche Mutter und als weise Alte.  zmc

Auch interessant

Kommentare