Von der Fütterung bis zu Reparaturen

Corona: So sieht derzeit die Arbeit der Tierpfleger im Bergwildpark Meißner aus

Unersättlich: Tierpfleger Heinrich Gräf (55) bei der Fütterung der Steinböcke. Ganz zutraulich frisst eines der Tiere direkt aus dem Eimer, während der Nachwuchs in der Nähe bleibt.
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Unersättlich: Tierpfleger Heinrich Gräf (55) bei der Fütterung der Steinböcke. Ganz zutraulich frisst eines der Tiere direkt aus dem Eimer, während der Nachwuchs in der Nähe bleibt.

Die Pforten des Wildtierparks Meißner sind coronabedingt geschlossen. Doch hinter den Türen geht die Arbeit weiter. Wir haben die Tierpfleger begleitet.

Meißner – Dunkel und kalt ist es, wenn im Bergwildpark Meißner derzeit die Tür aufgeschlossen wird und die Arbeit beginnt. Ab 7 Uhr sind die Tierpfleger auf dem Gelände des Parks unterwegs – auch jetzt wo die Pforten wegen der Coronapandemie für die Besucher geschlossen bleiben.

Ställe und Gehege durchmisten, Futtertröge und Heuraufen auffüllen sowie Wasser nachfüllen. Das sind nur einige der Arbeiten, die täglich anfallen, erzählen die beiden Tierpfleger Christina Manns und Heinrich Gräf. Die 38-Jährige arbeitet seit drei Jahren für die Gemeinde Meißner im Bergwildpark, der 55-jährige Gräf bereits seit zehn. „Wenn unsere Schicht beginnt, bereiten wir zuerst das Futter vor“, erzählt Manns. Dazu gehören Körner, alte Brötchen, Salat, Obst und Trockenfutter.

Bergwildpark Meißner: Von der Fütterung über Reparaturen bis zur medizinischen Versorgung

Heute ist es zwar nicht windig, doch es ist knackig kalt. Inzwischen ist es kurz nach neun. Die Futterportionen sind längst vorbereitet. Manns schließt den Vorraum zur Voliere der Tauben auf. Die befindet sich direkt gegenüber der Kasse am Eingang des Wildtierparks. Sie schließt die Tür hinter sich und tritt wenig später durch die zweite Tür. Hier warten die Lachtauben, die zuerst aufgeregt umherflattern.

Etwas Schöneres, als den ganzen Tag von Tieren umgeben zu sein und Zeit in der Natur zu verbringen, kann sich Manns nicht vorstellen. So gehe es auch den anderen Tierpflegern. Entweder seien sie mit Tieren aufgewachsen oder hätten sich später Tiere zugelegt. „Oder beides“, erklärt Manns, während sie die Voliere ausfegt. „Ich konnte meine Leidenschaft zum Beruf machen.“ Und dann geht es auch schon weiter.

Neben dem Füttern gehört auch das Saubermachen zu den täglichen Arbeiten der Tierpflegerin Christina Manns (38).

Weg vom Eingangsbereich mit dem Spielplatz hin zum großen Tiergehege. Beim Betreten des eingezäunten Geländes sieht man schon die Ziegen gemächlich herantrotten. „Die begleiten uns gerne bei unserer Runde von Gehege zu Gehege,“ erklärt Manns und lächelt. Vom Betriebshof weiter oben dringt ein leises Brummen herunter, das immer lauter wird. Hinter dem Steuer eines kleinen Transportfahrzeugs: Gräf. Auf der Ladefläche befinden sich Heu, Eimer mit Futter, Gießkannen und ein riesiger Wasserbehälter. Der Transporter ist einer der wichtigsten Hilfsmittel für die Tierpfleger. „Im Winter müssen wir die Wasserleitungen abstellen und füllen die Tröge dann mit Frischwasser aus dem Behälter auf“, erklärt die 38-Jährige.

Alle Tiere werden hintereinander abgeklappert. Es geht zu den Gehegen der Esel, der Steinböcke. Sie werden unter anderem mit alten Brötchen und Heu versorgt. Und nebenbei erzählen die beiden Tierpfleger von ihren Erlebnissen mit den Tieren und deren Eigenarten. „Esel sind nicht stur, wie immer alle denken“, sagt Manns etwa. „Sie haben nur Angst.“ Auch über die Steinböcke, die es seit den 1980er-Jahren im Bergwildpark gibt, haben sie einiges zu erzählen. Etwa wie wichtig es sei, dass die Tiere Steine hätten, um sich ihre Hufe abreiben zu können. Das älteste Tier sei etwa 16 Jahre alt und wird Einhorn genannt, erzählt Heinrich Gräf. Ganz offensichtlich wegen des übrig gebliebenen einen Horns.

Hängebauchschweine am Wassertrog.

Während die Ziegen immer über den Zaun ihres Geheges springen und ihre Runden durch den Park drehen, schlüpfen die Hängebauchschweine unter dem Bretterzaun hindurch, erklärt der 55-Jährige. Er steht nun inzwischen beim Gehege der Hängebauchschweine. Eines der Tiere wartet auf der anderen Seite des Holzzauns neben dem Trog und blickt den Tierpfleger erwartungsvoll an. „Sie besuchen dann immer gerne die Nandus“, erzählt der 55-Jährige lachend und deutet auf das Bretterhaus schräg den Hang hinab, wo tatsächlich einige kleine dunkle Punkte zu erkennen sind. Im Gehege der flugunfähigen Vögel würden sie dann ordentlich ans Werk gehen und den Boden umgraben – wie eigentlich im ganzen Wildpark, erzählt Gräf.

Doch die Tierpfleger sorgen nicht nur für volle Mägen. Auch Reparaturen und Holzarbeiten im Wald stehen regelmäßig auf dem Dienstplan. „Wir machen eben alles, was anfällt“, sagt Christina Manns. Nebenbei haben die Tierpfleger immer ein wachsames Auge auf das Wohlbefinden der tierischen Bewohner des Bergwildparks Meißner. „Wir übernehmen auch soweit wie möglich die medizinische Pflege“, so die 38-Jährige. Da sie so viel Zeit mit den Tieren verbringen, fielen schon kleine Veränderungen im Verhalten direkt auf. Je nachdem wie ernst die Situation sei, gäbe es auch ein Einzelzimmer in der Quarantänestation auf dem Gelände.

Für die beiden Tierpfleger ist jeder Tag besonders, erzählen sie. Immer ist Leben da. „Wir sind morgens, wenn wir für die Arbeit aufstehen müssen, auch müde. Aber wir wissen, wofür wir es tun“, sagt Christina Manns. (Von Hanna Maiterth)

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