Interview

Berkataler erlebten Anschläge in Paris: "Wir sind nur noch gerannt"

+
Eigentlich sollte es ein entspannter Fußballabend im Pariser Stadion: Das Bild zeigt Kristin Friedrich (21) aus Hitzerode kurz vor den Anschlägen im Pariser Fußballstadion.

Paris. Sie haben die Terroranschläge in Paris hautnah miterlebt: Christian Cassel (31) aus Frankershausen und Kristin Friedrich (21) aus Hitzerode.

Eigentlich wollte das Paar ein schönes Wochenende in der französischen Hauptstadt verbringen. Doch dann befanden sie sich plötzlich mitten im Chaos. Wir haben gestern mit Cassel gesprochen.

Herr Cassel, das Wichtigste zuerst: Wie geht’s es Ihnen? 

Cassel: Soweit so gut. Die Ereignisse waren absolut schrecklich, aber wir hatten Glück im Unglück. Dennoch hat man nach solchen Anschlägen ein extrem mulmiges Gefühl, wenn man durch die Straßen läuft und sich hier aufhält.

Wie erleben Sie die Situation in Paris?

Cassel: An fast jeder Ecke befinden sich Polizisten und teilweise auch Militär – mit Pistolen und Gewehren am Anschlag. Es sind zwar Menschen auf den Straßen, aber die Stimmung ist total bedrückt. Die meisten Läden sind geschlossen und auch Kinos mussten beispielsweise am Samstagabend auf Ansage der Polizei geschlossen bleiben.

Fühlen Sie sich sicher? 

Cassel: Irgendwie schon, weil überall Einsatzkräfte sind. Man wird hier auf der Straße aus der Ferne von oben bis unten gemustert. Die Situation ist sehr angespannt. Wir sind gespannt, wie es später mit der Heimreise klappt.

Christian Cassel

Wie haben Sie die Anschläge am Freitagabend erlebt? Cassel: Meine Freundin und ich waren im Stadion. Alles war gut, das „Stade de France“ nahezu ausverkauft und die Stimmung ausgelassen. Die erste Explosion in der 17. Minute haben wir gehört, aber wir hielten es für einen Böller. Bei der zweiten kurz darauf bin ich dann richtig zusammengezuckt. Das war so laut. Wir haben uns angeschaut und uns war klar, dass das definitiv nicht der Knall von einem Böller gewesen sein kann. Von der dritten haben wir nichts mitbekommen.

Haben Sie da schon gewusst, dass etwas nicht stimmt? 

Cassel: Nein, obwohl die Stimmung im Stadion zwischenzeitlich sehr unruhig war. Richtig gemerkt haben wir es, als wir kurz vor Abpfiff aus dem Stadion raus sind. Polizisten hatten Pistolen und Gewehre parat. Das war anders als vor dem Spiel. Alle Menschen hatten ein Handy am Ohr. Mein Bruder Heiko hat mich angerufen und gefragt, ob es uns gut geht. Da haben wir dann erfahren, was eigentlich los ist und in was für einer Situation wir uns befinden. Aber das haben wir so schnell gar nicht realisieren können.

Und dann? 

Cassel: Wir haben versucht, so schnell wie möglich ins Hotel zu kommen. Uns wurde in der Bahnstation gesagt, dass wir laufen sollen. Bahnfahren sei zu gefährlich. Alle waren in Aufruhr. Einmal kam uns eine Menschenmasse entgegengerannt – da sind wir einfach nur noch mitgerannt und haben dann einen anderen Weg zum Hotel eingeschlagen. Eine Situation wie im Film. Einfach verrückt. Und natürlich hatten wir Angst, aber darüber macht man sich keine Gedanken. Wie gefährlich es war, wird einem erst jetzt bewusst. Unsere Pläne für ein schönes Wochenende hatten sich schlagartig geändert und wir waren einfach nur noch froh, gut im Hotel angekommen zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.