Chancen für Traumberuf sind gut

Bewerberzahl für handwerkliche Lehrstellen ist derzeit niedrig im Kreis

Haben bereits einen Auszubildenden für dieses Jahr gefunden: Axel (links) und Christian Vogelei.
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Haben bereits einen Auszubildenden für dieses Jahr gefunden: Axel (links) und Christian Vogelei.

„Selten waren die Chancen so gut, einen Ausbildungsplatz für den eigenen Traumberuf zu ergattern“, sagt Stephan Schenker, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner.

Der Grund: Die Bewerberzahlen seien niedrig, weil sich viele junge Menschen zu „akademischen Weihen berufen“ fühlten.

„Die Corona-Krise hat dagegen keine Auswirkungen“, betont Schenker. Die Zahl der Ausbildungsplätze, die die Betriebe seiner elf Innungen bisher vergeben hätten, entspreche der des Vorjahres – trotz ausgesetzter Schulpraktika und abgesagter Berufsinformationstage. Gut nachgefragt würden Lehrstellen zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker oder Tischler. Der Anlagenmechaniker sei im Kommen. Interesse gebe es zudem an Berufen wie dem des Maurers, Stahlbetonbauers oder Zimmermanns.

„Mehr Zulauf erhoffen wir uns im zukunftsweisend ausgerichteten Elektrobereich“, sagt der Geschäftsführer. Auch angehende Bäcker und Fleischer würden gesucht. Viele Chefs akzeptierten Bewerber mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Problemen bei der Prozentrechnung. Ein Vorteil des Bäckerberufs: Weil es morgens um 3 Uhr losgehe, könnten Bäcker im Sommer bereits um 14 Uhr im Freibad liegen.

Sehr früh hat die Firma Kollmann Putzen, Sanieren, Tapezieren aus Hessisch Lichtenau in diesem Jahr einen Auszubildenden gefunden, der von September an Maler und Lackierer lernt. In anderen Jahren zog sich die Suche teilweise bis Ende August hin. Die von Björn Burgheim geführte Firma bemüht sich nicht groß um Bewerber. Junge Menschen melden sich aus eigener Initiative, allerdings weniger, als es sich der Handwerksbetrieb wünscht. Auf dem Bau zu arbeiten, ist offenbar nicht so attraktiv, vermutet die Firma. Automobilhersteller hätten es einfacher.

„Wir finden unsere Auszubildenden über Schulpraktika“, berichtet Axel Vogelei, der gemeinsam mit seinem Bruder Christian Vogelei die Geschäfte des Autohauses Heinrich Vogelei Söhne Nachf. KG führt. Zehn Praktikanten hätten sie im Laufe eines Jahres in der Werkstatt. Wer sich gut mache, werde von ihnen angesprochen. Sie erwarteten mindestens einen Realschulabschluss. Die Arbeit in der Werkstatt sei anspruchsvoll. In den Autos gebe es heute viel Elektronik. Da müssten sich Mitarbeiter hineindenken können. Alle zwei Jahre stellten sie einen Lehrling ein, der dann jeweils von August an dreienhalb Jahre bei ihnen Kfz-Mechatroniker lerne. Der Platz für 2020 sei vergeben.

„Im Kraftfahrzeuggewerbe jemanden zu finden, gestaltet sich schwierig“, meint Anja Gottschalk vom Witzenhäuser Autohaus Gottschalk. Sie wählten ihre Auszubildenden unter Schulpraktikanten aus. So hätten sie im vergangenen Jahr ihre beiden Lehrlinge gefunden. Einer lerne in der Werkstatt Kfz-Mechatroniker, der andere im Service Automobil-Kaufmann. „Aufgrund der Corona-Pandemie sind in diesem Jahr Schulpraktika ausgesetzt worden“, bedauert Michael Schäfer von der Witzenhäuser Rübezahl-Apotheke.

Er und seine Frau, Claudia Schäfer, könnten daher nicht für die beiden von ihnen angebotenen Ausbildungsberufe werben. Alle drei Jahre würden sie einen pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten ausbilden. Hinzu kämen Plätze für pharmazeutisch-technische Assistenten. Diese absolvierten zunächst eine zweijährige schulische Ausbildung. Es schließe sich eine halbjährige Ausbildung in einer Apotheke an. Aufgrund von Schwangerschaften oder Umzügen würden immer wieder Stellen in ihrem Unternehmen frei.

1200 freie Ausbildungsplätze

Es gibt noch mehr als 1200 freie Ausbildungsplätze in der Region Kassel. Darauf weist die Agentur für Arbeit hin. Gesucht werden Altenpflegehelfer (19), Anlagenmechaniker (32), Bankkaufleute (36), Dachdecker (19), Elektroniker (44), Fachinformatiker (24), Fachkräfte Lagerlogistik (30), Fachverkäufer Bäckerei (27), Fachverkäufer Fleischerei (17), Fleischer (18), Gesundheits- und Krankenpfleger (15), Handelsfachwirte (28), Hotelfachleute (15), Industriekaufleute (17), Kaufleute Büromanagement (32), Kaufleute Einzelhandel (87), Kaufleute Groß- und Außenhandel (26), Köche (44), Kraftfahrzeugmechatroniker (39), Maler und Lackierer (34), Medizinische Fachangestellte (27), Pflegefachleute (37), Restaurantfachleute (29) oder Verkäufer (67).

Beratung: Tel. 05 61/7 01-17 74, E-Mail kassel.berufsberatung@arbeitsagentur.de 

Von Michael Caspar

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