1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Biber siedeln an der Wehre nahe Reichensachsen

Erstellt:

Von: Emily Spanel

Kommentare

Die Ausbreitung der Biber in den vergangenen Jahren hat gezeigt, dass sie sehr flexibel sind, was ihren Lebensraum angeht. Allein die Grundbedürfnisse von Wasser und Nahrung müssen erfüllt sein. Rund 1600 Exemplare gibt es mittlerweile in ganz Hessen. Unser Bild stammt von einem Biber, der nahe Fulda entdeckt wurde.
Die Ausbreitung der Biber in den vergangenen Jahren hat gezeigt, dass sie sehr flexibel sind, was ihren Lebensraum angeht. Allein die Grundbedürfnisse von Wasser und Nahrung müssen erfüllt sein. Rund 1600 Exemplare gibt es mittlerweile in ganz Hessen. Unser Bild stammt von einem Biber, der nahe Fulda entdeckt wurde. © Marko König

Es gab eine Zeit, in der der Biber fast in ganz Deutschland ausgerottet war. Wegen seines Fells, seines Fleisches und wegen des Bibergeils, einem Sekret, das als Heilmittel und Aphrodisiakum galt, wurde er gejagt.

Wehretal – Nun aber sind die Naturarchitekten wieder auf dem Vormarsch – in Hessen und erfreulicherweise auch im Werra-Meißner-Kreis: „Im Gebiet der Gemeinde Wehretal sind gleich mehrere Versuche von Biberbauten entdeckt worden“, sagt Tibor Pohle, Beauftragter für alle Fragen rund um den Biber im Einzugsbereich des Forstamtes Wehretal (Hessen Forst).

Tatsächlich besiedelt ist ein Biberbau an der Ortsrandlage von Reichensachsen, im Einzugsgebiet der Wehre. Auf eine genaue Ortsangabe soll verzichtet werden, um dem sogenannten „Biber-Tourismus“ keinen Vorschub zu leisten. Bekannt ist Tibor Pohle das Wehretaler Biberrevier seit dem vergangenen Herbst. „Deutliche Anzeichen, dass der Biber auch wieder an der Werra zwischen Heldra und Albungen sowie nahe Herleshausen siedelt, gibt es bereits seit dem Jahr 2018“, sagt der Naturschützer.

Probleme zwischen Mensch und dem scheuen, nachtaktiven Nagetier, das dem Naturschutzrecht unterliegt und nicht bejagt werden darf, sind in den vergangenen Jahren keine gemeldet worden. „Dennoch gibt es einige wichtige Punkte zu beachten, die sich aus der Lebensweise des Bibers ergeben“, weiß Tibor Pohle.

So errichtet der monogam lebende Biber seinen Bau, um hier den Großteil seines Lebens zu verbringen. Der Bau bietet Schutz vor Feinden, Hitze und Kälte. Der Eingang liegt immer unter Wasser, damit keine Feinde in ihn gelangen können. Die Wohnhöhle befindet sich hingegen über der Wasserlinie. So ist es im Bau trocken und warm.

Der Bau wird direkt in die Uferböschung gegraben oder – im Falle der Biberburg – oberhalb des Bodens aus Ästen, Zweigen und Schlamm angelegt. Einen Damm legt der Biber nur an, wenn die Wassertiefe im Fließgewässer nicht ausreicht oder der Eingang zum Bau frei liegt.

Zu einer Biberfamilie gehören neben dem Elternpaar die Jungtiere der letzten beiden Würfe, also in etwa drei bis fünf Tiere. Biber haben nur einmal im Jahr Nachwuchs. „Im Falle des Biberpaars von Reichensachsen dürfte das etwa im April/Mai der Fall sein“, sagt Tibor Pohle.

Insbesondere in dieser Zeit gelte: Hunde an die Leine. Zwar seien die bis zu 18 Kilogramm schweren Biber äußerst friedliebend, würden aber durchaus beißen, um ihre Jungen zu verteidigen.

Etwa nach einem Monat verlassen die Jungtiere erstmals den Bau. „Wer dann in den Morgen- oder Abendstunden mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte auf eine ausreichende Beleuchtung achten“, rät der Fachmann.

Auf dem Speiseplan des Bibers stehen in den Sommermonaten Feldfrüchte wie die in Reichensachsen verbreitete Zuckerrübe, Mais und Getreide. Kräuter, Brennnesseln oder Fallobst werden ebenso gern angenommen. Im Winter bedient er sich mit Vorliebe von der jungen Rinde von Bäumen und Sträuchern.

„Insbesondere Obstbäume werden gern angenagt“, weiß Tibor Pohle. Daraus könne sich Konfliktpotenzial mit den Anrainern ergeben: „Obstbäume lassen sich einfach und gut mit Drahthosen schützen“, rät der Naturschützer. Schlichter Kaninchendraht sei ausreichend.

Der „neue Mitbewohner“ habe weitgehend unbemerkt wohl schon seit einiger Zeit in Wehretal seine Siedlungsbemühungen vorangetrieben, resümiert Bürgermeister Timo Friedrich – und das völlig ohne Konflikte. „Für eine weitere Analyse ist es wichtig, dass Beobachtungen an die zuständige Stelle gemeldet werden.“ (Von Emily Hartmann)

Auch interessant

Kommentare