Bad Sooden-Allendorfer Imker beleben alte Tradition, aber ohne Honigernte

Bienen leben in einem Baumstamm

Urform der Bienenhaltung: Bernd Michael Neumann zeigt die Klotzbeute im Bibelgarten der St.-Crucis-Kirche.
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Urform der Bienenhaltung: Bernd Michael Neumann zeigt die Klotzbeute im Bibelgarten der St.-Crucis-Kirche.

Oskar – so nennen wir ihn mal – hat grüne Augen und eine Knubbelnase. Die faltige Haut zerfurcht sein ganzes Gesicht. Und seine Lippen lächeln noch, obwohl sich auf der feuerroten Zunge Fluginsekten tummeln. Ein tapferer Mensch? Denkste! Oskar ist eine künstlich hergestellte Bienenbehausung, die aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht.

Bad Sooden-Allendorf – Pünktlich zum soeben wieder ausgerufenen „Welttag der Biene“ steht jetzt ein Bienendomizil im Bibelgarten der St.-Crucis-Kirche in Allendorf.

Klotzbeute nennt der Fachmann dieses vielleicht älteste künstliche und transportable Bienendomizil als Vorläufer von Bienenkorb und Bienenstock. Schon im Mittelalter haben hierzulande Waldimker gewerbsmäßig Honig wilder Bienenvölker gesammelt, nachdem sie mit der Axt alte Baumstämme so bearbeitet hatten, dass die nützlichen Tiere die künstlichen Höhlen (Beuten) als ihr Zuhause annahmen. Zeidler nannte sich zu jener Zeit dieser Beruf.

Aber anders als damals verzichten die Badestädter Imker auf die Honigernte aus der Klotzbeute, sondern überlassen die süße Nahrung ihren Produzenten, damit sie als Selbstversorger gut durch den Winter kommen.

Mit Oskar, der ersten und bisher einzigen Klotzbeute in der Kurstadt, wollte der Vorsitzende des örtlichen Imkervereins, Bernd Michael Neumann, nicht nur eine alte Tradition zu neuem Leben erwecken, sondern auch ein Zeichen setzen für eine naturnahe Bienenhaltung.

Damit verbindet der fast 80-Jährige vor allem die Hoffnung, dass viele Gartenfreunde dem Beispiel des Vereins folgen und auf diese Weise für eine möglichst flächendeckende Bestäubung der blühenden Pflanzen sorgen.

Während eine voll ausgerüstete Imkerei Investitionen von rund 10 000 Euro erforderte, schlage eine solche Klotzbeute mit gerade mal 400 Euro zu Buche und mache auch überhaupt keine Arbeit. Jeder, der sich dazu entschließe, erhalte vom Verein eine kostenlose Zugabe von mehreren Tausend Bienen.

Den Standort für Oskar habe man bewusst so gewählt, weil das Nahrungsangebot dort besonders groß sei. Von den 120 Blühpflanzen, die in der Bibel mit Bienen in Zusammenhang gebracht würden, gebe es dort immerhin 96. Gütlich tun könnten sich die Honigproduzenten außerdem am Grabschmuck auf dem nur wenige Meter entfernten Friedhof.

Die Klotzbeute im Bibelgarten sei zugleich ein interessantes Anschauungsobjekt, hat Neumann besonders die Jugend, aber auch alle anderen Naturfreunde im Blick. Deshalb befindet sich im Rücken von Oskar eine etwa 50 mal 20 Zentimeter große Tür, hinter der sich durch eine Plexiglasscheibe das Treiben der Bienen beobachten lässt, ohne sie zu stören. (Chris Cortis)

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